Verkehr

Essen: „Gefährliche Station“ – Ampel soll Fußgänger schützen

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Eine neue, signalgesteuerte Ampel stoppt Autofahrer an der Melanchthonstraße in Essen-Holsterhausen, wenn die Straßenbahn einfährt. Anwohner Ernst Roth merkt an: Es kann passieren, das zu diesem Zeitpunkt schon Autos neben der Haltestelle stehen.

Eine neue, signalgesteuerte Ampel stoppt Autofahrer an der Melanchthonstraße in Essen-Holsterhausen, wenn die Straßenbahn einfährt. Anwohner Ernst Roth merkt an: Es kann passieren, das zu diesem Zeitpunkt schon Autos neben der Haltestelle stehen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Eine Ampel soll die Unfallgefahr an der Haltestelle Holsterhauser Platz in Essen mindern. Warum ein Anwohner trotzdem immer noch besorgt ist.

Jeden Tag kommt Anwohner Ernst Roth an der Straßenbahn-Haltestelle Holsterhauser Platz in der Rubensstraße vorbei. Seit Jahren macht ihm die Situation dort Sorgen. Fahrgäste müssen die Straße überqueren, um beim Ausstieg aus der Bahn zum Bürgersteig zu kommen. Es besteht die Gefahr, dass Autofahrer sie übersehen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Stadt nun eine Ampel in Betrieb genommen, die als sogenannte „Zeitinsel“ fungiert.

Die Ampel befindet sich an der Rubensstraße zur Einmündung in die Melanchthonstraße, Fahrtrichtung Rüttenscheid. „Wenn die Straßenbahn über eine Schleife fährt, wird ein sogenanntes ‘Vorsignal’ aktiviert, damit die Autofahrer vor der Melanchthonstraße bei Rot halten müssen“, erklärt Stadtsprecherin Silke Lenz. Dadurch werde den Fußgängerinnen und Fußgängern nun einen sicheren Ein- und Ausstieg ermöglicht.

Hintergrund ist Unfall einer 16-Jährigen in Essen-Holsterhausen

Den Prozess in Gang gesetzt hat laut Stadt der schwere Unfall einer Schülerin im Januar 2021. Beim Aussteigen aus der Straßenbahn war die 16-Jährige von einem Auto erfasst und schwer verletzt worden. Die Straßenbahn steht an der Haltestelle direkt vor der Kreuzung zur Holsterhauser Straße, wo sich auch eine Ampel befindet. Pkw-Fahrer könnten das Haltestellenschild nur schlecht erkennen, so Lenz: „Ein Pkw-Fahrer konnte an dieser Stelle vermuten, die Bahn hält nur vor der roten Ampel und nicht an einer Haltestelle.“

Für die Einrichtung einer Zeitinsel-Ampel hatte sich die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung III mit einem entsprechenden Antrag eingesetzt. „Wir begrüßen es sehr, dass die Stadtverwaltung diesen Vorschlag so schnell umgesetzt hat“, sagt CDU-Bezirksvertreter Werner Ernst. Denn besonders Menschen, die mit den Örtlichkeiten nicht vertraut seien, seien an der Haltestelle gefährdet. Oft genug komme es außerdem vor, dass Autofahrer mit mehr als den erlaubten 30 km/h unterwegs seien, um vor der nächsten Rot-Phase schnell noch die Kreuzung zu überqueren.

Anwohner aus Essen-Holsterhausen macht sich weiter Sorgen

Wie Silke Lenz erklärt, betrachtet die Stadt die Haltestelle in der Rubensstraße dennoch nicht als Unfallhäufungspunkt. Das bestätigt die Polizei. „Von 2019 bis jetzt gab es vier Unfälle an der Haltestelle. Dreimal mit Leichtverletzten, einmal mit einer Schwerverletzten“, sagt Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Für Unfallhäufungspunkte gibt es drei verschiedene Szenarien, von denen die die Haltestelle keines erfüllt. Eines dieser Szenarien sind fünf Unfälle der Kategorie 1-4 (mit tödlich Verletzten, Schwerverletzten, Leichtverletzten oder mit einem hohen Sachschaden), an denen Fußgänger, Fahrradfahrer oder E-Scooter beteiligt sind. An der Haltestelle gab es aber nur vier Unfälle mit Verletzten.

Anwohner Ernst Roth macht sich trotzdem weiter Sorgen. Grund: Die Ampel, die das Signal auslöst, befindet sich nur wenige 100 Meter entfernt von jener an der Kreuzung, vor der die Straßenbahn und die Pkw bei Rot stehen. Es kann also sein, dass dort schon Autos warten, bevor das Signal aktiv wird. „Und wenn die Grün bekommen, fahren sie einfach los“, so Roth. Solche brenzligen Situationen habe er in den vergangenen Tagen zuhauf beobachtet. Ein Autofahrer habe die neue Ampel sogar vollends ignoriert. Erst am vergangenen Samstag (7. Mai) war ein 47-Jähriger am Gervinusplatz in Frohnhausen von einem Auto angefahren worden, nachdem er aus der Straßenbahn ausgestiegen war. Die örtlichen Gegebenheiten sind dort ähnlich.

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