Verkehrsplanung

Essen: Fahrradstraße kostet weniger Parkplätze als geplant

Eine Fahrradfahrerin fährt auf der Kahrstraße in Richtung Holsterhausen. Auch die Kahrstraße ist Bestandteil der geplanten Fahrradstraße.

Eine Fahrradfahrerin fährt auf der Kahrstraße in Richtung Holsterhausen. Auch die Kahrstraße ist Bestandteil der geplanten Fahrradstraße.

Foto: Foto: Kerstin Kokoska

Südviertel/Holsterhausen/Frohnhausen.  Die CDU gibt ihre Bedenken gegen eine Fahrradstraße vom Südviertel bis nach Frohnhausen auf. Denn es fallen deutlich weniger Parkplätze weg.

Die Hängepartie ist beendet, der Weg für eine Fahrradstraße vom Südviertel über Holsterhausen bis nach Frohnhausen ist frei. Die CDU ließ ihre Bedenken jetzt fallen, nachdem die Stadtverwaltung ihre Planungen noch einmal präzisiert hatte. Entscheidend aus Sicht der Christdemokraten: Es sollen deutlich weniger Pkw-Stellplätze wegfallen als ursprünglich vorgesehen.

„Uns ging es vor allem um das Thema Parkplätze“, betonte Jörg Uhlenbruch, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, im Gespräch mit der Redaktion. „Mit dem überarbeiteten Konzept der Verwaltung können wir leben.“

Zuvor musste die Verwaltung in einem eigens anberaumten Gespräch mit Vertretern der CDU aus dem Rat und den Stadtbezirken Überzeugungsarbeit leisten. Mit Erfolg. Umweltdezernentin Simone Raskob hatte bereits in der vergangenen Woche vor dem Umweltausschuss erklärt, dass für die Einrichtung der Fahrradstraße weniger Stellplätze wegfallen würden als jene zehn Prozent, von denen zunächst die Rede war. Während sich die Mehrheit der anwesenden Fraktionen und Ratsgruppen damit zufrieden gab, verlangte die Verkehrsexperten der CDU konkrete Aussagen über die Zahl der Stellplätze.

3,3 Prozent der vorhandenen Pkw-Stellplätze müssen für die Fahrradstraße weichen

Die Verwaltung legte zu Wochenbeginn nach: Auf der gesamten Strecke von der Witteringstraße im Südviertel bis zur Kerckhoffstraße in Frohnhausen müssen nunmehr nur noch 3,3 Prozent der vorhandenen Stellplätze weichen. Statt 147 sind es unterm Strich noch 56.

Insbesondere die Kaufmannschaft dürfte erleichtert sein. Aus ihren Reihen war die Kritik an der Fahrradstraße besonders laut. Insbesondere Einzelhändler, deren Kundschaft nicht nur aus dem nahen Umfeld kommt, fürchteten Umsatzeinbußen, sollten zu viele Parkplätze wegfallen.

Nun sollen es entlang der Gemarkenstraße zwischen Holsterhauser Straße und Menzelstraße nicht mehr 40 Stellplätze sein, sondern nur noch zehn. An der Frohnhauser Straße bleiben sogar sämtliche Stellplätze erhalten. Auch dort hatten sich Händler kritisch zu den Plänen der Stadt geäußert, hieß es doch zunächst, dass 18 Stellplätze weg müssten, damit der erforderliche Sicherheitsabstand zu Fahrradfahrern eingehalten werden könne.

In Frohnhausen hat die Verwaltung die geplante Verkehrsführung geändert. Die Fahrradstraße soll dort nun über die Mainzer Straße, über die Frankfurter Straße und über die Busehofstraße führen. Der Vorteil für Fahrradfahrer: Sie müssen nicht, wie zunächst angedacht, ein stückweit die Frohnhauser Straße entlang fahren und meiden dort die Straßenbahnschienen der Ruhrbahn.

Die Stadt Essen will keine Zeit mehr verlieren, ab April soll gebaut werden

Entlang der Gemarkenstraße, die als Fahrradstraße zur Vorfahrtsstraße werden soll, standen zunächst an den Einmündungen der Nebenstraßen Stellplätze in Frage. Die Verwaltung hatte jedoch bereits durchblicken lassen, das weiterhin geparkt werden kann, so lange die Sicht dadurch nicht behindert wird. Dies scheint weitgehend der Fall zu sein.

Da die Stadt unter Zeitdruck steht, bereitet die Verwaltung laut Raskob eine Dringlichkeitsentscheidung vor. Die CDU-Fraktion hatte zuvor erklärt, dass sie sich damit einverstanden erklärt. Dem Bau- und Verkehrsausschuss soll die Entscheidung nachträglich in der kommenden Sitzung zur Kenntnis gereicht werden.

Hintergrund: Die Einrichtung der Fahrradstraße ist Bestandteils des Vergleichs, den das Land NRW vor dem Oberverwaltungsgericht Münster mit der Deutschen Umwelthilfe zur Verbesserung der Luftqualität in Essen geschlossen hat. Um die Fahrradstraße wie geplant im Sommer eröffnen zu können, müssen die Bauarbeiten nach dem Zeitplan der Verwaltung im April beginnen. Dabei geht es überwiegend um das Aufstellen von Schildern und um das Aufbringen von Markierungen und Piktogrammen auf der Fahrbahn, die den Verkehrsteilnehmern signalisieren: Fahrradfahrer haben Vorrang.

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