Hoher Krankenstand

Essen: Etappensieg für Ruhrbahn-Betriebsrat vor Gericht

Die Ruhrbahn beklagt einen hohen Krankenstand unter ihren Fahrern.

Die Ruhrbahn beklagt einen hohen Krankenstand unter ihren Fahrern.

Foto: Foto: STEFAN AREND

Essen.  Der Ruhrbahn-Betriebsrat will verhindern, dass Mitarbeiter, die häufig und lange krank sind, vom Arbeitnehmer unter Druck gesetzt werden.

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Vor dem Hintergrund des hohen Krankenstandes bei der Ruhrbahn hat sich der Betriebsrat des kommunalen Verkehrsunternehmens erfolgreich gegen die Beschäftigung eines Juristen für Personalgespräche gewehrt. Im Rechtsstreit mit der Geschäftsführung verbuchten die Arbeitnehmervertreter zumindest einen Etappensieg.

In der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Essen am Donnerstag zog der Rechtsvertreter der Ruhrbahn einen Antrag zurück, mit dem die Geschäftsführung die Zustimmung zu der umstrittene Personalie hatte erwirken wollen. Der Betriebsrat hatte diese zuvor verweigert. Vom Tisch ist das Thema damit aber nicht.

Anlass für den Streit ist der anhaltend hohe Krankenstand unter den Bahn- und Busfahrern der Ruhrbahn. Dieser bewege sich dauerhaft im zweistelligen Bereich, hatte der Vertreter der Ruhrbahn beim Gütetermin im Oktober vergangenen Jahres erklärt.

Der Betriebsrat fürchtete, Kollegen könnte mit Kündigung gedroht werden

Die Unternehmensführung wollte deshalb, befristet auf sechs Monate, einen externen Juristen hinzuziehen, der die Personalabteilung entlasten und so genannte Fehlzeitengespräche mit Mitarbeitern führen sollte, die häufig krankheitsbedingt ihren Dienst nicht antreten können.

Der Betriebsrat lehnte dies ab, weil er befürchtete, Kollegen könnten unter Druck gesetzt werden, indem ihnen mit Kündigung gedroht werde. Dass die Ruhrbahn etwas gegen den hohen Krankenstand unternehmen muss, ist auch aus Sicht des Betriebsrates unstrittig. Wie ein Jurist dazu beitragen kann, erschließt sich den Arbeitnehmervertretern allerdings nicht. Angezeigt wäre aus Sicht des Betriebsrates viel mehr eine bessere Gesundheitsvorsorge. Insgesamt sei die Personaldecke im Fahrbetrieb viel zu dünn.

Der Jurist sollte der Ruhrbahn als „Leiharbeiter“ überlassen werden

Vor dem Arbeitsgericht gab der Vertreter der Ruhrbahn nun klein bei. Richterin Janny Sell hatte zuvor angedeutet, dass sie den Antrag zurückweisen werde. Hintergrund: Die Ruhrbahn wollte den Juristen nicht einstellen, er sollte dem Verkehrsbetrieb als „Leiharbeiter“ vorübergehend überlassen werden. Der Betriebsrat sei darüber aber nicht ordnungsgemäß unterrichtet worden.

Das Engagement scheiterte also letztlich an einer Formalie. Der Vorsitzende des Betriebsrates, Ahmet Avsar, zeigte sich nach dem Gerichtsverfahren gleichwohl zufrieden: Er hoffe, der Arbeitgeber habe verstanden, „dass dies nicht der richtige Weg war“.

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