Judo

Essen: Die jungen Judo-Stadtmeister aus Burgaltendorf

Im Showkampf zeigen Jonas Winkelhardt und Pauline Jacke beim Judo einige Griffe und Übungen.

Im Showkampf zeigen Jonas Winkelhardt und Pauline Jacke beim Judo einige Griffe und Übungen.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Burgaltendorf.  Der Turnverein Einigkeit 1901 (TVE) Burgaltendorf stellt gleich zwei Stadtmeisterinnen und einen Vizestadtmeister im Judo. Besuch beim Training.

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Die Weltmeisterschaften im Judo peilt bislang keines der drei Nachwuchstalente an. Aber auf ihre Erfolge dürfen Paula Schlede, Pauline Jacke und Jonas Winkelhardt stolz sein: Die drei vom TVE Burgaltendorf sind Stadtmeisterinnen und Vizestadtmeister.

Dass Trainer Berthold Werth den Nachwuchs aufruft, trotz seiner Siege bescheiden zu bleiben, liegt an den zehn Geboten, denen alle Judoka folgen sollen. „Diese Regeln beschreiben den Umgang auf der Matte“, erläutert der 49-Jährige. Gefordert werden Hilfsbereitschaft, Selbstbeherrschung und Respekt gegenüber anderen, aber eben auch, sich nicht in den Vordergrund zu stellen. „Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung“, lautet das entsprechende Gebot. Schon die Kleinsten lernen das, nachzulesen beim Deutschen Judo-Bund (DJB).

Hauptberuflich ist der Trainer Sozialarbeiter an einer Altenessener Schule

Wie wertvoll solche Werte auch außerhalb der Sporthalle sind, weiß Werth allzu gut. Hauptberuflich ist er Sozialarbeiter an einer weiterführenden Schule in Altenessen. An zwei Nachmittagen pro Woche trainiert er den Judo-Nachwuchs des TVE: Kinder ab vier Jahren, Jugendliche, aber auch Erwachsene in Einheiten zu je 90 Minuten. Beim Unterricht in sechs Gruppen hilft unter anderem Werths Tochter Jannike.

„Stadtmeisterin war ich nie“, sagt die 16-Jährige. Aber einmal sei sie Zweite in ihrer Gewichtsklasse geworden. Seit zehn Jahren übt sie die aus Japan stammende Kampfsportart mit viel Spaß und Freude aus. Sie hat bei den Schülergraden den dritten „Kyu“ erreicht und trägt somit den grünen Gürtel über der weißen Baumwolljacke. Neun Schülergrade und damit neun Farben gilt es bei es bei den deutschen Judokas zu erreichen, danach kommen zehn Meistergrade bis zum schwarzen Gürtel (= „erster Dan“).

Nach zwei Kämpfen hatte sie den Titel in der Tasche

Wörtlich bedeutet Judo „sanfter Weg.“ Beim Kampf auf der Matte lautet das Motto „Siegen durch Nachgeben“. Vom Gewicht etwa gleich schwere Gegner bemühen sich, mit einem minimalen Kraftaufwand eine maximale Wirkung zu erzielen. Dabei setzen sie Körper und Geist ein. Das gefällt auch der zierlichen Paula Schlede. Sie trat im Dezember bei den Stadtmeisterschaften in Borbeck in der Gruppe U10 für den TVE an. Nach zwei Kämpfen hatte sie den Titel in der Tasche. „Die erste Gegnerin war sehr gut“, erzählt die Drittklässlerin mit dem gelb-orangen Gürtel. Bei der zweiten habe sie es eher leicht gehabt.

Worauf es beim Kämpfen ankommt, kann die jüngste Judo-Stadtmeisterin erklären. „Man muss geschickt sein“, meint Paula. Braucht man auch Kraft? „Nur ein bisschen“, so die verblüffende Antwort. Beim Mittwochstraining mit 25 Kindern in der Turnhalle an der Holteyer Straße zeigt die kleine Sportlerin, was in ihr steckt und gibt gleich Vollgas beim Warmmachen. Wieviel Freude ihr der Sport bereitet, ist offensichtlich.

Höfliche Verneigungen vor und nach den Übungen

Fröhlich absolviert sie eine Judo-Rolle nach der anderen und bringt fürs Zeitungsfoto Judoka Enny Bruns (7) in Sekundenschnelle durch geschicktes Taktieren auf der Matte zu Fall. Die Jüngere nimmt es gelassen. Die Kinder haben gelernt, wie sie fallen müssen, ohne sich wehzutun. Vor und nach den Übungen verneigen sich die Mädchen höflich voreinander.

In ihrer Grundschulklasse hat Paula, die erst seit zwei Jahren Judo macht, die Urkunde von der Stadtmeisterschaft gezeigt und den Applaus ihrer Mitschüler geerntet. Nur knapp hat sie das vom Trainer ausgesetzte Belohnungseis verpasst. Dafür hätte sie die neue Kontertechnik anwenden sollen. Leider gab es im Kampf keine Gelegenheit dazu. Doch zuhause durfte Paula ein paar Süßigkeiten extra essen.

180 Judoka machten bei den Stadtmeisterschaften mit

Insgesamt 180 Judoka machten bei den Stadtmeisterschaften an einem Wochenende mit. Ausgetragen wurde das sportliche Event vom DJK Eintracht Borbeck, aus dem schon viele Judo-Talente hervorgegangen sind. „Hier in Burgaltendorf wird Judo seit 2009 angeboten. Es ist damit eine recht junge Sportart in der langen Vereinsgeschichte und steckt praktisch noch in den Kinderschuhen“, betont Werth. Er leitet die 76 Mitglieder zählende Abteilung seit rund fünfeinhalb Jahren und zwinge keinen, an Wettkämpfen teilzunehmen.

Jonas Winkelhardt, Träger des grünen Gürtels, hatte den Mut dazu. „Den braucht man auch“, weiß der zehnjährige Realschüler, seit vier Jahren Judoka. 2017 wurde er Stadtmeister in seiner Gruppe, diesmal hat er den Vizetitel bei den U13 ergattert. „Man weiß vorher nie, gegen wen man antritt.“ Den ersten Kampf konnte er noch für sich entscheiden. „Doch beim zweiten Gegner bin ich durch einen Griff des anderen hingefallen und nicht mehr hochgekommen“, berichtet er.

Das nächste Turnier ist am 25. Januar

Bei kleineren Misserfolgen wie diesen tröstet eine andere Weisheit aus Asien: „Orientiere dich an den Besseren“, heißt die goldene Judo-Regel, läuft alles nicht ganz rund. Trainer Werth ist jedenfalls sehr zufrieden mit den Leistungen der Kinder: Der TVE stellte 2019 nicht nur zwei Stadtmeisterinnen, sondern erzielte im Judo insgesamt zwei zweite und drei dritte Platzierungen. „Das ist für uns super, da wir eher Breitensport orientiert sind“, lobt er.

Ein tolles Ergebnis erreichte auch Pauline Jacke, Stadtmeisterin in der U13 bis 33 Kilo. Die Elfjährige geht in die 6. Klasse am Überruhrer Gymnasium. Zum Judo kam sie über die Mutter, die früher selbst Kampfsport trieb und wollte, dass sich ihre Tochter verteidigen kann. Jetzt bereiten sich einige junge TVE-Judoka auf den 25. Januar vor. Dann findet das Kreiseinzelturnier in der Halle an der Gustav-Hicking-Straße statt – der traditionelle Auftakt des Wettkampfjahres für den Nachwuchs.

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