Pfarreientwicklung

Essen: Das Aus für Kirche in Dilldorf macht Gläubige wütend

Die katholische Kirche St. Mariä Geburt in Essen-Kupferdreh-Dilldorf soll aufgegeben werden. Gemeindemitglieder zeigten sich auf einer Versammlung frustriert und wütend.

Die katholische Kirche St. Mariä Geburt in Essen-Kupferdreh-Dilldorf soll aufgegeben werden. Gemeindemitglieder zeigten sich auf einer Versammlung frustriert und wütend.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Essen-Kupferdreh.  Nach der Kirche St. Josef in Kupferdreh soll jetzt auch St. Mariä Geburt in Dilldorf aufgegeben werden. Katholiken fühlen sich überrumpelt.

Der Beschluss, die Kirche St. Mariä Geburt in Dilldorf zu schließen, bewegt nicht nur weiterhin die Gemüter, viele Gläubige fühlen sich schlichtweg überrumpelt. Ihrem Ärger und ihrem Frust machten sie bei einer Versammlung im Gemeindehaus St. Josef Luft.

Großer Aufruhr herrschte während der Zusammenkunft, bei der Pfarrer Gereon Alter sowie der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heinz Willing und Karl Grobbel, Vize-Vorsitzender des Kirchenvorstandes, auf dem Podium saßen. Sie ließen zunächst die Entscheidung Revue passieren, um sich dann den Fragen der Zuhörer zu stellen.

Gläubige fordern Finanzausgleich zwischen den Bistümern

Von einem Ungleichgewicht mit den benachbarten Bistümern sprach der ehemalige Kirchenvorstand Willy Franzen. So seien in Paderborn oder Köln reichlich Mittel vorhanden und im Rahmen des Bistumsfinanzausgleichs müsse dies den Essener Katholiken zugutekommen. Dem erwiderte Willing, dass es noch ärmere Bistümer in Deutschland gäbe und auch die vermeintlich besser gestellten Bistümer vor einem Strukturprozess stünden.

Ein anderer Kritiker fasste sich kurz und knapp: „Byfang ist mir einfach zu weit. Dann bleibe ich eben zu Hause und kehre der Kirche den Rücken.“ Denn nach der Schließung von St. Mariä Geburt bleibe nichts anderes übrig, als das nächstgelegene Gotteshaus St. Barbara im Nachbarstadtteil aufzusuchen. Besonders für ältere Menschen werde es schwierig, dorthin zu kommen, so die Sorge. In Anspielung auf die im Jahr 2015 abgerissene Kirche St. Josef gingen die Wogen hoch und aus dem Publikum hieß es: „Haben Sie gewürfelt und sich gedacht, die Kupferdreher würden das schon hinnehmen, da sie schon genug gebeutelt sind?“

An Festtagen platzt auch die evangelische Kirche aus allen Nähten

Zur vorgeschlagenen Alternative, eine ökonomische Lösung anzustreben und an den Gottesdiensten der evangelischen Gläubigen teilzunehmen, gab es pragmatische Bedenken: „Wir passen doch alle gar nicht in die Kirche, erst Recht nicht an bedeutenden Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern. Da platzt die Christuskirche doch auch so schon aus allen Nähten.“

Pfarrer Gereon Alter: „Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, sich angemessen zu versammeln. Ich könnte mir gut vorstellen, an Weihnachten auf der Dilldorfer Höhe ein großes Zelt aufzustellen. Dafür würde ich auch Geld in die Hand nehmen.“ Ein Vorschlag, der bei vielen für Kopfschütteln sorgte, da man ein Zelt nicht mit der besonderen Atmosphäre in einem denkmalgeschützten Gotteshaus vergleichen könne.

Gemeindemitglieder wollten an dem Prozess beteiligt werden

Ingbert Ridder, Mitglied des Gemeinderates: „Wir haben von nichts gewusst und waren sehr schockiert, daher haben wir unmittelbar danach erst einmal unsere Ämter ruhen lassen. Man hätte uns vorab informieren und an dem Prozess beteiligen sollen.“ Man sehe zwar auch die Gefahr, dass es so nicht mehr weitergehen könne, jedoch hoffe man auf einen gewissen Spielraum. Thomas Sonnenschein vom neu gegründeten Förderverein brachte es auf den Punkt: „Wir fordern die Rücknahme des Beschlusses und die Fortsetzung des Kirchenbestandes. Das Gotteshaus hat eine Schlüsselrolle für ganz Kupferdreh.“

Für die Vertreter der Pfarrei bleibt es jedoch zunächst dabei: Es sei niemandem leichtgefallen, die entsprechenden Entscheidungen zu treffen, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Aber mit einem „Einfach-weiter-so“ wäre man den künftigen Herausforderungen nicht gerecht geworden.

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