Schrottimmobilie

Essen: Altenheim steht zehn Jahre leer – und nichts passiert

Seit zehn Jahren wohnt hier kein Senior mehr: Das ehemalige SenVital-Altenheim an der Helmut-Käutner-Straße hinter den Cinemaxx-Türmen.

Seit zehn Jahren wohnt hier kein Senior mehr: Das ehemalige SenVital-Altenheim an der Helmut-Käutner-Straße hinter den Cinemaxx-Türmen.

Foto: Remo Tietz / WAZ FotoPool

Essen.  Im Jahr 2010 zogen die letzten Senioren aus einem Altenheim in der Weststadt aus. Das Haus steht seitdem leer. Daran ändert sich vorerst nichts.

Im Jahr 2010 zogen die letzten Bewohner aus dem „Senvital“-Seniorenzentrum in der Weststadt aus. Seitdem steht der rote Klinkerbau an der Helmut-Käutner-Straße hinter den Cinemaxx-Türmen leer. Dass sich an dieser Situation etwas ändert, ist vorerst nicht in Sicht.

Gegenüber vom ehemaligen Altenheim liegt die letzte Freifläche in der Weststadt, die – wie berichtet – bald mit Büros bebaut werden soll. Nebenan, wo jetzt noch „Druck Kaiser“ sitzt, will die Wohnungsbaugesellschaft LEG neue Wohnungen bauen, wenn ab dem Frühjahr 2021 der Druckbetrieb seinen Firmensitz nach Frillendorf verlegt.

Sparkasse wurde wiederholt freigesprochen

Allein: Keinerlei Bewegung ist zu erkennen bei einer der jüngsten Bauruinen Essens. Ihre Geschichte vereint ausgesprochen unglückliche Umstände bei der baulichen Entstehung mit durchaus fragwürdigen Geschäftsmethoden in der Immobilienbranche, die folgenreiche Konsequenzen bis heute haben.

Das Gebäude gehört bis heute einem Immobilienfonds: „Seniorenzentrum Am Colosseum Dirk Iserlohe KG“. Iserlohe (damals „E&P“, heute „Honestis“) ist ein Kölner Immobilienunternehmer, der der Sparkasse Essen das Objekt abkaufte und auch von der Sparkasse für rund 15 Millionen Euro finanzieren ließ. Die Firma „SenVital“ betrieb dort ab 2005 ein Altenheim, aber zwei Jahre später wurden erste Baumängel sichtbar – versteckte Löcher im Beton, auch in tragenden Teilen. Iserlohe bemühte sich bis 2013, die Sparkasse wegen Betrugs zu verklagen: Angeblich hätten verantwortliche Sparkassen-Mitarbeiter von den Mängeln gewusst, so die These von Iserlohes Anwälten.

Zwei Niederlagen vor Gericht

Doch die war nicht haltbar – die Sparkasse wurde von allen Betrugsvorwürfen freigesprochen. Nichtsdestotrotz strengte Iserlohe eine Schadensersatzklage an, über deren Höhe verschiedene Angaben mal kursieren – mal ist von 40, mal von 55 Millionen Euro die Rede. Im Juni 2017 urteilte das Landgericht, dass „schuldhaftes Verhalten der Sparkasse“ oder gar „arglistige Täuschung“ nicht feststellbar seien. Das Argument der Zivilkammer: Weil es die Sparkasse selbst war, die Iserlohe einen Kredit eingeräumt hatte für den Kaufpreis, könne sie kein Interesse daran haben, dass das Projekt scheitere.

„Die „Immobilienzeitung“ sprach von „Luftschlössern“

Iserlohes deutschlandweite Geschäftspraktiken waren seinerzeit regelmäßig Thema kritischer Berichte. Im Branchenblatt „Immobilienzeitung“ war von „Luftschlössern“ die Rede.

Das ehemalige Altenheim in der Weststadt steht unterdessen weiter leer. Der Stadt sind die Hände gebunden, kontrolliert regelmäßig, ob das Gebäude noch „verkehrssicher“ ist, also keine herabfallenden Steine oder andere Bauteile Fußgänger gefährden könnten. Langfristig, hieß es schon vor zehn Jahren in einem Gutachten, sei die Statik des Hauses gefährdet. Das heißt, es kann nur abgerissen werden, um einem Neubau Platz zu machen.

Im Mai geht die juristische Auseinandersetzung weiter

Nach dem letzten Urteil 2017 hat Iserlohe Berufung eingelegt. Seine Schadensersatzklage wird Anfang Mai, also rund zwei Jahre später, vor dem Oberlandesgericht Hamm verhandelt. Es werden viele Beteiligte zu Wort kommen müssen, das heißt: Wieder ist mit einem sehr langen Verfahren zu rechnen.

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