Runder Geburtstag

Essen: 100-Jähriger freut sich auf den Ostsee-Urlaub

Der ehemalige Bergmann Heinrich Groß feierte im Kreise seiner Familie in Essen-Rellinghausen den 100. Geburtstag. Mit seiner Nichte Gudrun Klemen zeigt er ein Foto von seiner verstorbenen Frau Ilse.

Der ehemalige Bergmann Heinrich Groß feierte im Kreise seiner Familie in Essen-Rellinghausen den 100. Geburtstag. Mit seiner Nichte Gudrun Klemen zeigt er ein Foto von seiner verstorbenen Frau Ilse.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Rellinghausen.  Ehemaliger Bergmann aus Essen-Rellinghausen ist mit seinem Leben zufrieden. Die Leidenschaft des 100-Jährigen war viele Jahre das Billardspiel.

Seinen 100. Geburtstag hat Heinrich Groß mit rund 40 Gästen verbracht, jetzt freut sich der Senior auf einen Ostsee-Urlaub mit seiner Nichte. Der ehemalige Bergmann ist geistig und körperlich noch fit und lebt seit über 60 Jahren in seiner Wohnung an der Frankenstraße. Familie, Beruf, Hobby: Der Jubilar erinnert sich an viele schöne Begebenheiten.

Die große Leidenschaft von Heinrich Groß war der Billardsport, noch immer ist er Mitglied beim BC Rellinghausen 41. „Spielen kann ich nicht mehr, dazu sind die Hände nicht mehr ruhig genug, aber manchmal schaue ich noch beim Training vorbei, um die anderen zu treffen“, sagt der Rellinghauser, der bis auf kleinere Wehwehchen und Knieprobleme – „eine Kriegsverletzung, ich war zwei Jahre in Russland“ – für sein Alter noch ziemlich fit ist.

Der 100-Jährige hat ausschließlich in Essen-Rellinghausen gewohnt

Seinem Stadtteil ist der 100-Jährige immer treu geblieben. „Ich habe hier immer gern gewohnt“, sagt er. „Nach der Volksschule bin ich 1935 als 14-Jähriger zum Pütt gekommen, bin mein ganzes Berufsleben Bergmann gewesen“, blickt er zurück. Auch sein Vater hatte schon auf der Zeche gearbeitet. „Ich hatte keine große Chance auf einen anderen Beruf, damals waren die Nationalsozialisten an der Macht und ich war nicht in der Hitler-Jugend oder beim Jungvolk.“https://www.waz.de/staedte/essen/stadtteil-check/so-hat-rellinghausen-im-essener-stadtteil-check-abgeschnitten-id216186319.html

Bereut habe er seine Entscheidung für den Bergbau nie. Er habe viele unterschiedliche Dinge gemacht, die Kameradschaft sei gut gewesen – und die Rente nach 40 Jahren Bergbau könne sich sehen lassen. Zum Glück sei ihm unter Tage nie etwas Schlimmes passiert. Gearbeitet habe er auf den Zechen Prinz Friedrich, Gottfried Wilhelm, Carl Funke und Pörtingsiepen.

Im Juli 1948 habe er geheiratet, erinnert sich Heinrich Groß ganz genau. Seine Frau Ilse habe er über deren Vater im Billardverein kennengelernt. „Die Tochter hat mir sofort gut gefallen. Damals gab es keine große Hochzeit, man hatte ja wenig Geld“, blickt der Senior zurück. Als seine Frau sehr krank wurde, habe er sie vier Jahre lang bis zu ihrem Tod 2003 gepflegt – und unter ihren Anweisungen sogar ein bisschen kochen gelernt. Auch sein Sohn sei bereits verstorben, 2010 im Alter von 62 Jahren. Durch all diese Schicksalsschläge hat sich Heinrich Groß nicht unterkriegen lassen. „Es geht mir ganz gut, auch wenn es natürlich nicht mehr so ist wie mit 20“, sagt er und lacht.

Nichte hilft dem Senior beim Einkaufen

Enkelkinder habe er nicht, aber zwei Nichten. So habe er Hilfe in der Wohnung und beim Einkaufen. „Freitags ist Onkeltag“, sagt Nichte Gudrun Klemen (75). Dann begleite sie den Onkel zum Einkauf. „Als es neulich so heiß war, ist er ausnahmsweise mal zu Hause geblieben“, erklärt sie. Nach dem Einkauf gehe man schon mal einen Kaffee trinken, ein Eis essen oder ins Restaurant. „Allein gehe ich fast nicht mehr heraus, auch aus Angst, zu fallen“, sagt der 100-Jährige. Deshalb trinke er auch nur noch alkoholfreies Bier. „Das was früher anders“, erinnert er sich an Zeiten mit den alten Kumpels. „Viele sind leider nicht mehr da“, bedauert der Senior, der gern mal gemütlich eine Zigarre auf dem Balkon raucht.

Der Rellinghauser gilt bei seinen Verwandten als großzügig

Nach dem Geburtstagstrubel freut sich Heinrich Groß auf ein paar erholsame Tage an der Ostsee. „Mein Sohn bringt uns nach Grömitz, und wenn er uns wieder abholt, machen wir erst mal eine Tour zu den interessanten Orten dort oben wie zum Timmendorfer Strand“, sagt Nichte Gudrun Klemen, die ihren Onkel schon als Kind als ausgesprochen großzügig kennengelernt hat. „Er hatte immer mal eine Mark für uns.“

„Ich bin rundum zufrieden“, sagt Heinrich Groß. „Und außerdem: Was kommt, das kommt. Man kann es ja doch nicht ändern.“

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