Spiel

Escape-Spiel: Agenten lösen Rätsel in Essen-Rüttenscheid

Spurensuche: Volontärin Kirsten Gnoth ist mit  dem, Tablet und einem Agentenkoffer auf geheimer Mission in Essen-Rüttenscheid unterwegs. Das „Escape Room“-Konzept für draußen ist neu.

Spurensuche: Volontärin Kirsten Gnoth ist mit dem, Tablet und einem Agentenkoffer auf geheimer Mission in Essen-Rüttenscheid unterwegs. Das „Escape Room“-Konzept für draußen ist neu.

Foto: Socrates Tassos

Rüttenscheid.   Das Konzept eines „Escape-Rooms“-Spiels gibt es nun auch für draußen. Als Agenten müssen Spieler Rätsel in Essen-Rüttenscheid lösen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein gedankenkontrollierender Virus verbreitet sich über die ganze Welt. Der Nachbar könnte betroffen sein, die Frau beim Bäcker, vielleicht sogar Sie selbst. Aktiviert wird das Virus übers Handy. Doch es gibt ein Gegenmittel – mitten in Rüttenscheid. Es zu finden, ist gar nicht so leicht. Wer selbst einmal versuchen möchte, die Welt zu retten, der kann das beim neuesten Rätsel-Spiel vom „Team Escape Essen“ in Rüttenscheid.

Weil die Rätsel-Zimmer im Girardethaus angesichts sommerlicher Temperaturen öfter leer bleiben, haben sich die Veranstalter eine Outdoor-Variante des bekannten „Escape-Room“-Konzepts überlegt. Bei „Operation Mindfall“ haben die frischgebackenen Geheimagenten zwei Stunden Zeit, um bei einer Art moderner Schnitzeljagd Missionen zu erfüllen.

Ein Agentenkoffer geht mit auf Tour durch Essen

Skeptisch betreten der Fotokollege und ich den Fahrstuhl. Es geht hinunter ins Erdgeschoss des Girar­dethauses. Vor wenigen Minuten haben wir den Berufszweig gewechselt und sind nun als Agenten undercover unterwegs. Über meiner Schulter baumelt ein schwarzer Koffer, in der Hand halte ich einen Tablet-Computer, auf dem unser erstes Missionsziel rot leuchtet.

Erstmal einen Blick in den Koffer werfen. Das hatten uns die Spielleiter Steffen Trzensky und Hannah Linnemann – pardon, die IT-Spezialisten des Hauptquartiers – als Tipp mit auf den Weg gegeben.

Zwei Stunden haben die Spieler Zeit

Schnapp, die Schlösser springen auf. Im Inneren sind kleine Ampullen mit Flüssigkeiten, ein Ausweis, eine Lampe und ein merkwürdig anmutender Apparat, der nur mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Die Uhr auf dem Tablet tickt. Es geht los.

„Man muss bei dem Spiel zwar nicht rennen, trödeln sollten die Agenten in den zwei Stunden aber auch nicht. Immerhin sind es elf Stationen und ein Finale“, erklärt Steffen Trzensky, stellvertretender Filialleiter von „Team Escape Essen“.

Lebelose Gegenstände werden plötzlich lebendig

Das erste Ziel liegt nur wenige hundert Meter von unserem Startpunkt entfernt. Wir müssen Laura mitten auf der Rüttenscheider Straße finden. Die sympathische Brünette ist unsere virtuelle Unterstützung. Denn Steffen und Hannah können per GPS zwar sehen, wo wir gerade sind, helfen können sie aber nicht. „Das macht alles das Programm. Man kann sich Tipps holen oder ganze Rätsel lösen lassen.“

Beim Rätsel um Laura müssen wir selbst knobeln, und siehe da: Aus einem der Schaufenster einer Fahrschule strahlt sie uns an. Doch wie nehmen wir Kontakt auf? Trzensky: „Das ist eine Besonderheit. Einige Rätsel funktionieren mit augmented reality.“ Diese erweiterte Form der Realität lässt leblose Plakate oder Codes auf dem Tablet lebendig werden. Schnell gescannt, und schon gibt uns Laura ein kurzes Briefing zur Mission.

Fünf Kilometer legen die Agenten zurück

Einmal in die Rolle eingefunden, ist es gar nicht so schlecht, ein Geheimagent zu sein. Einen Anlaufpunkt nach dem anderen steuern wir an. Vom Messeparkplatz über die Rü bis zur Alfredstraße – auf dem Fußweg zwischen den einzelnen Missionen bleibt Zeit, sich umzusehen und den Stadtteil näher kennen zu lernen. Immerhin sind es rund fünf Kilometer, die wir während des Spiels zurücklegen.

Bei sommerlichen Temperaturen steht aber selbst Agenten mit dem kühlsten Kopf irgendwann der Schweiß auf der Stirn. Insgeheim wünschen wir uns eine tragbare Klimaanlage und kriegen etwas viel besseres. Ein herrlich kühles Foyer.

Wo das erfrischende Missionsziel liegt und was genau wir dort machen müssen, bleibt natürlich ein Geheimnis. Eines ist allerdings klar: Es ist einer der Höhepunkte.

„Wir haben schon länger eine Partnerschaft mit dem Escape Room und fanden die Idee super, das Spiel nach draußen zu verlegen. Deshalb machen wir bei dem Ganzen auch mit. Außerdem kann der normale Betrieb weiterlaufen“, erklärt Ulrich Schreiber, der seit Kurzem fast täglich Agenten an seinem Arbeitsplatz in der Nähe der Messe begrüßt.

Ohne „Mitwisser“ geht es nicht

Ohne „Mitwisser“ wie Schreiber wäre das Agenten-Abenteuer gar nicht möglich. Immerhin stellen diese ihre Schaufenster oder Arbeitsplätze zur Verfügung. „Es ist auch spannend für sie, wenn immer jemand vorbei kommt. Die Menschen mit ins Boot zu holen, hat super funktioniert“, sagt Hannah Linnemann, Geschäftsführerin und Filialleiterin.

Einige Rätselrunden später klingelt das Tablet plötzlich. Fragende Blicke zum Fotografen. Er zeigt auf die Uhr. Neun Minuten nur noch. Vor einer Reihe von Briefkästen bleiben wir stehen. Das Gesuchte muss sich im Inneren verstecken. Ein Schloss trennt uns vom Inhalt. Ich frage den Kollegen nach dem Schlüssel. Er sucht seine Taschen ab – nichts. Ich suche in meinen – nichts. Wir durchwühlen den Koffer – nichts. Wo ist der Schlüssel?

Der Fotograf lacht: „Er liegt noch in seinem Versteck. Wir haben ihn nicht mitgenommen.“ Die Uhr zählt bis Null herunter. Die nächste Mission ist wohl die schwerste. Wir müssen unserem Chef beibringen, dass sich das Virus durch unsere Schusseligkeit ausbreiten kann. Damit können wir die Karriere als Agenten wohl wieder an den Nagel hängen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben