Erdogan-Graffiti

Erdogan-Graffiti an Wänden ärgern Anwohner im Essener Norden

„Du bist alles oder nichts. Du bist Türke oder Bastard“, steht in Türkisch auf einem der Pfeiler an der Kreuzung Bonnekamp-/Kraspothstraße.

„Du bist alles oder nichts. Du bist Türke oder Bastard“, steht in Türkisch auf einem der Pfeiler an der Kreuzung Bonnekamp-/Kraspothstraße.

Foto: Dietmar Mauer

Essen-Katernberg.   Die vielen Graffiti stören die Anwohner in Essen-Katernberg. Auch die Initialen des türkischen Präsidenten Erdogan auf Wände gesprüht.

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Die Pfeiler der Brücke des Nordsternradweges an der Kreuzung Bonnekampstraße/Kraspothstraße übten schon immer einen großen Reiz auf Sprayer aus. In jüngster Zeit prangen an den besagten Pfeilern die türkische Nationalflagge mit Halbmond und Stern sowie Wörter in türkischer Sprache.

Gut 100 Meter weiter das gleiche Bild. Die hohe, gelbgrundierte Mauer, die das Gelände des Betreuungszentrums Zollverein (Fachabteilungen Eingliederung und Gerontopsychiatrie) zur Grundstraße abgrenzt, wurde auf ein paar Quadratmetern schwarz übermalt und mit Sätzen verunstaltet.

Türkische Graffiti: Anwohnerin ist sauer

„Wenn es künstlerisch schön wäre, okay, aber so verunstalten sie den Stadtteil“, sagt eine Katernbergerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie betont, dass viele ihrer Nachbarn es so sehen und die Sprüche weghaben wollten. Anrufe beim Ordnungsamt hätten bisher nichts genutzt.

Hinzu kommt wohl auch, dass kaum ein Deutscher den Sinn der türkischen Sätze versteht. Diese Zeitung ließ sie daher von einem Muttersprachler sinngemäß übersetzen. Demnach ist zu lesen: „Wir sind in Afren einmarschiert. Frag den Großen“ – gemeint soll der türkische Staatspräsident Erdogan sein, dessen Initialen R.T.E. ebenfalls aufgesprüht sind. „Du bist alles oder nichts. Du bist Türke oder Bastard“, lautet ein weiterer Spruch. Und dann heißt es noch: „Was die Türken schaffen, das wird man sehen.“

RVR möchte die Sprüche von den Wänden entfernen

Auf Nachfrage bei der Stadt Essen bestätigte Sprecherin Jasmin Trilling, dass die Fälle dem Ordnungsamt gemeldet worden seien. „So wie sie dem Ordnungsamt beschrieben wurden, hatte dieses aber keine rechtliche Handhabe, die Eigentümer aufzufordern, es zu entfernen“, sagt Jasmin Trilling. Eine Handhabe habe die Stadt dann, wenn es zum Beispiel zu Aufforderungen zu Straftaten oder konkreten Bedrohungen komme oder strafbare Motive wie Hakenkreuze angebracht würden. „So aber liegt es beim Eigentümer, ob er etwas dagegen tut oder nicht“, sagt die Sprecherin der Stadt.

Das Flurstück mit der Radwegebrücke gehört zum Verantwortungsbereich des Regionalverbandes Ruhr (RVR). „Auch uns ist dieser Fall bekannt“, bestätigt RVR-Sprecher Jens Hapke. Es sei ein dauerhaftes Problem an den Radtrassen. „Wir werden uns auch um dieses kümmern“, verspricht Jens Hakpe, der allerdings die Katernberger um ein wenig Geduld bittet. „Die Entfernung wird nicht gleich nächste Woche geschehen. Da dazu mit Flüssigkeiten gearbeitet wird, muss die Witterung erst wärmer werden.“

>>> „Je eher das weg ist, umso besser“

„Graffiti gab es immer mal, aber in dieser Form hatten wir das noch nicht. Je eher das weg ist, umso besser“, sagt Michael Zühlke, Bürgermeister des Bezirks VI. Und das habe nichts mit der Sprache zu tun.

„Ich weiß nicht, was das soll. Wahrscheinlich will man damit einige Leute provozieren.“ Dass im Stadtteil allgemein verstärkt gesprüht würde, könne er hingegen nicht sagen.

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