Verkehr

Elterntaxis vor Essener Schule: Kinder „sauer wie Zitronen“

| Lesedauer: 3 Minuten
Emil (2. Klasse) steht in gelber Warnweste, mit Stopp-Kelle und einem gelben Brief, der aussieht wie eine Zitrone, vor der Käthe-Kollwitz-Schule. Dort gibt es jeden Morgen gefährliche Situationen, weil Eltern unbedacht anhalten.

Emil (2. Klasse) steht in gelber Warnweste, mit Stopp-Kelle und einem gelben Brief, der aussieht wie eine Zitrone, vor der Käthe-Kollwitz-Schule. Dort gibt es jeden Morgen gefährliche Situationen, weil Eltern unbedacht anhalten.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Kinder der Käthe-Kollwitz-Grundschule verteilen morgens schriftliche Appelle an Eltern in ihren Autos. Denn oft ist gefährliches Chaos.

Mit einer besonderen Aktion machen derzeit Kinder der Käthe-Kollwitz-Grundschule Auto fahrende Eltern auf gefährliche Situationen aufmerksam. Jungen und Mädchen von der zweiten bis zur vierten Klasse verteilen morgens vor Unterrichtsbeginn große, gelbe Briefe, die aussehen wie Zitronen.

Auf den Briefen stehen Sätze wie: „Durch gefährliches Parken gefährdet Ihr unsere Sicherheit! Ihr solltet doch eigentlich unsere Vorbilder sein!“

Gefährlich: Zwischen Parkplatz und Straße ist der Bürgersteig mit Kindern

Die Käthe-Kollwitz-Grundschule mit rund 380 Kindern gehört zu den größten Grundschulen im eng bebauten Rüttenscheid. Unmittelbar vor dem historischen Gebäude aus roten Ziegeln gibt es eine Reihe Parkplätze für Lehrerinnen und Lehrer. Sind die morgens noch frei, halten dort gern Väter und Mütter, die ihr Kind auf dem Weg zur Arbeit an der Schule absetzen wollen. Zwischen Parkplatz-Reihe und Christinenstraße ist ein breiter Bürgersteig, der vor allem zwischen 7.45 und 8.10 Uhr – um 8.15 Uhr beginnt die Schule – dicht bevölkert ist von Jungen und Mädchen, die zu Fuß oder mit dem Roller zur Schule kommen. „Die Probleme entstehen vor allem dann, wenn die Väter und Mütter rückwärts raussetzen und dann nicht sehen können, ob hinter ihrem Fahrzeug gerade ein Kind entlangläuft“, berichtet Stefanie Müller, die seit 2015 die Grundschule leitet.

Warum jetzt die Zitronen-Aktion, Frau Müller? „Weil wir sauer sind“, sagt die Pädagogin – und betont, dass die Maßnahme mehr sein soll als bloße Ermahnung, sondern mit einem gewissen Augenzwinkern die Botschaft transportieren soll: „Liebe Väter und Mütter, parkt bitte weiter weg.“

„Wir hatten es heute eilig“: Das sei kein Argument, findet die Schulleiterin

„Ich habe in den letzten Jahren bereits sehr viele Elternbriefe verfasst, und die Polizei ist auch häufig hier“, berichtet Stefanie Müller. Die Situation sei auch im Vergleich zu früheren Jahren etwas besser geworden, jedoch: „Viele Eltern schaffen immer noch jeden Morgen gefährliche Situationen durch ihr unachtsames Halten.“ Ganz davon abgesehen, dass die Christinenstraße ohnehin so eng ist, dass zwei Fahrzeuge kaum aneinander vorbeifahren können, ohne dass mindestens ein Auto über Teile des Schul-Bordsteins rollen muss. Wer die Situation an einem beliebigen Morgen nur eine Viertelstunde lang auf sich wirken lässt, der stellt fest: Ein Wunder eigentlich, dass hier noch nicht mehr passiert ist.

Die Zitronen-Aktion ist von der Schule lange geplant worden: „Die Kinder haben in Rollenspielen eingeübt, dass sie die Zettel zwar freundlich verteilen, sich aber nicht auf Diskussionen einlassen sollen“, berichtet die Schulleiterin. Das häufigste Argument fürs gefährliche Parken, das sie seit Jahren hört: ,Wir hatten es leider eilig heute Morgen.’ „Dabei“, gibt Müller zu bedenken, „ist das überhaupt kein Argument.“

Wo Autos stattdessen halten sollten

Wenn die Kinder schon mit dem Pkw zur Schule gebracht werden müssten, böte sich als kurzer Haltestopp viel besser die Rüttenscheider Straße an: „Dann können die Kinder die letzten Meter durch den Christinenpark laufen.“ Gegen acht Uhr morgens könne man die Rüttenscheider Straße auch noch einigermaßen stressfrei befahren und in Höhe des Christinenparks halten.

Ziel der Aktion sei, dass das „Team Zitrone“ langfristig überflüssig wird – und die Zahl der Väter und Mütter, die morgens unbedacht vor der Schule parken und regelmäßiges Park-Chaos auslösen, gegen null geht. „Dann“, sagt die Schulleiterin, „hätten wir unser Ziel erreicht.“

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