Tarifstreit

Eltern fordern Streik-Ende in der Kita des Essener Klinikums

Protest gegen den Verdi-Streik in der Kita des Klinikums: Fabian Helfritz , Anke Herrmann und Stefan Goer (v.li.).

Foto: STEFAN AREND

Protest gegen den Verdi-Streik in der Kita des Klinikums: Fabian Helfritz , Anke Herrmann und Stefan Goer (v.li.).

Essen.   Seit neun Wochen ist die Kita der Uniklinik im Notbetrieb, was Eltern zunehmend in die Verzweiflung treibt. Die Kinder und sie selbst litten.

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Im Windschatten des großen Verdi-Streiks am Uniklinikum gibt es Betroffene, die bisher öffentlich noch kaum im Fokus standen: Eltern und Kinder der dortigen Betriebskindertagesstätte. „Seit neun Wochen wird unsere Kita bestreikt“, sagt die Assistenzärztin Anke Herrmann. Für Vollberufstätige ist das eine nur schwer zu meisternde Situation, die umso dramatischer wird, je länger sie dauert. Gemeinsam mit anderen Eltern hat Herrmann nun einen offenen Brief an die Gewerkschaft geschickt mit der dringenden Forderung, den Streik zu beenden.

Warum wird überhaupt eine Kita bestreikt, wenn es bei der Tarifauseinandersetzung doch in der Hauptsache um das Thema Personalmangel im medizinischen Bereich und in der Pflege zu gehen scheint? Verdi zufolge sind keineswegs nur die medizinischen Abteilungen im Klinikum unterbesetzt, auch die Betriebs-Kita leide unter „schlechten personellen Voraussetzungen“, die es kaum möglich machten, dem Erziehungsauftrag gerecht zu werden. „Aus diesem Grund hat die Gewerkschaft auch die Erzieher und Erzieherinnen zum Streik aufgerufen“, heißt es in einer Verdi-Mitteilung. Man habe aber den Eindruck, dass „der größte Teil der Eltern“ solidarisch hinter dem Ausstand stehe.

Verquickung zwischen medizinischem Bereich und der Kita wird als merkwürdig empfunden

Anke Herrmann und ihre Mitstreiter wollen sich ausdrücklich „nicht auf eine Seite schlagen“ beim großen Streik im Klinikum, finden die Verquickung mit der Kita und den ganz anders gearteten Problemen dort aber etwas merkwürdig. Ob eine Mehrheit der Eltern Verständnis habe, bezweifeln sie. 150 Kinder werden von der Klinikum-Kita betreut, den offenen Brief an die Gewerkschaft haben 31 Mütter, Väter oder Elternpaare unterzeichnet. Seit der Brief in der Welt sei, kämen ständig neue Eltern hinzu, die es ebenfalls satt hätten, dass ihre Kinder und sie selbst Leidtragende des Tarifstreits sind.

In der ersten Zeit habe man sich noch helfen können, habe Großeltern aufgeboten, Urlaubstage genommen und mit Vorgesetzten Kulanzregelungen gefunden. „Inzwischen ist das weitgehend ausgereizt“, sagt Anke Herrmann. Der nächste Schritt, nämlich unbezahlten Urlaub zu nehmen, sei für viele finanziell einfach nicht gangbar. Auch die Kinder litten, hätten Verlustängste, Alpträume, nässten sich ein und hätten Angst vor der Kita, weil in den Notgruppen die Betreuer und die Zusammensetzung der Kinder ständig wechselten.

Von neun regulären Kita-Gruppen bleiben derzeit maximal vier für den Notbetrieb

Von neun Gruppen kämen derzeit drei bis vier pro Woche zustande. „Am Mittwoch wird uns mitgeteilt, für welche Kinder in der nächsten Woche Platz ist.“ Eltern, die leer ausgehen, müssten sehen wie sie klarkommen. Manche hätten ihre Kinder schon wochenlang nicht mehr gesehen, weil die Betreuung durch entfernt wohnende Großeltern die einzige Chance biete, den Beruf weiter auszuüben.

Verdi sieht sich als falschen Adressaten für den Brief: „Die Verfasser sollten ihren Frust gegenüber dem Klinikumsvorstand geltend machen“. sagt Henrike Eickholt, kommissarische Geschäftsführerin von Verdi Essen. „Sobald es einen Entlastungstarifvertrag gibt, sind die Streiks beendet.“

Vorstand will Leiharbeiter in der Kita einsetzen – Personalrat berät noch

Personalratsvorsitzende Alexandra Willer sagt, der Vorstand sei zwecks Linderung der Elternnot an Verdi herangetreten mit dem Vorschlag, während des Streiks Leiharbeiter in der Kita einzusetzen. Willer: „Dazu haben wir uns noch keine Meinung gebildet.“ Verdi will kommende Woche zu einer Elternversammlung einladen und dort um Verständnis werben für den Streik.

Bei Anke Hartmann und anderen ist die Bereitschaft dazu nach neun langen Wochen aber aufgebraucht. „Der Kita-Streik trifft uns und unsere Kinder hart, aber erhöht den Druck auf den Arbeitgeber allenfalls unmaßgeblich.“ Verdi verspiele durch dieses Vorgehen unnötig Sympathien und die Bereitschaft zur Solidarität.

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