Bergbauschäden

Eltern beklagen massiven Schiefstand von Grundschulgebäude

Mutter Saskia Söhrmann spricht von einem „gesundheitsgefährdenden Zustand“, dem ihr Sohn täglich ausgesetzt sei.

Mutter Saskia Söhrmann spricht von einem „gesundheitsgefährdenden Zustand“, dem ihr Sohn täglich ausgesetzt sei.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   In Essen-Schonnebeck steht ein Gebäude mit zwei Grundschulen schief. Eltern klagen: Unsere Kinder haben deshalb Kopfschmerzen und Verspannungen.

In Schonnebeck steht ein Schulgebäude aus der Jahrhundertwende, doch eigentlich steht es nicht, sondern es neigt sich: Der 21 Meter breite Koloss ist auf der rechten Seite 60 Zentimeter höher als auf der linken. Das liegt an den Folgen des Steinkohlebergbaus. Zollverein ist direkt um die Ecke. Jetzt fürchten Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder, und ein Gutachten empfiehlt schwangeren Pädagoginnen, den Bau komplett zu meiden.

„Mein Sohn klagt regelmäßig über Kopfschmerzen und Verspannungen“, berichtet Mutter Saskia Söhrmann (37), deren Kind (8) die dritte Klasse der Schillerschule besucht. „Die Kinder verbringen täglich acht Stunden in dem Gebäude, das ist nicht zumutbar.“ Saskia Söhrmann, Mitglied der Schulpflegschaft, betont, dass sie im Namen „vieler Väter und Mütter spricht“.

Mehrere schiefe Schulen in Essen

Natürlich sind schiefe Häuser in Essen keine Seltenheit – auch die Schiller- und Johann-Michael-Sailer-Schule, die beide in dem Gebäude untergebracht sind, sind nicht Essens einzige schiefe Schulen. Auch die Realschule an der Gelsenkirchener Straße oder das Gymnasium Nord-Ost an der Katzenbruchstraße sind seit Jahren unverändert betroffen.

Doch die Verhältnisse an der Immelmannstraße hätten sich „seit Anfang 2017 deutlich verschlimmert“, sagt Saskia Söhrmann. „Türen und Tafeln fallen von alleine zu, die Kinder sitzen schief, und runde Stifte rollen vom Tisch. Wie soll man sich da noch konzentrieren können?“ Allein die Schillerschule wird von 200 Kindern täglich besucht.

Schon 2014 wurde die Unfallkasse informiert

Das Thema ist den zuständigen Behörden seit Jahren bekannt. Schon 2014 wurde nach Angaben von Beteiligten die Unfallkasse informiert. In diesem Sommer fanden Ortstermine mit Architekten und der Ruhrkohle AG statt, das Ergebnis: ein Gutachten, das den Schiefstand erneut bestätigt, aber auch zum Schluss kommt, dass seit 35 Jahren sprichwörtlich keine Bewegung mehr im Thema ist. Ein hinzugezogenes Institut für Gesundheitsvorsorge, das Düsseldorfer Unternehmen BAD, empfiehlt den Verantwortlichen: Schwangere sollten das Gebäude nicht betreten, und überhaupt sei es für einen Schulbetrieb nicht geeignet. „Man kann es eigentlich nur abreißen und neu bauen“, findet Saskia Söhrmann. Pläne dafür gibt es aber nicht.

Die Stadt wartet unterdessen ab: „Wir haben die entsprechenden Schreiben noch nicht erhalten“, sagt Regine Möllenbeck, die Chefin des Schulverwaltungsamtes. Erst Anfang 2018 beschloss der Rat, dass die beiden untergebrachten Schulen einen Anbau hinterm Haus erhalten sollen; der Rohbau ist längst fertig. Was einige Beteiligte nicht davon abhielt, die örtlichen Politiker und auch den Oberbürgermeister in Kenntnis zu setzen – mit der Bitte um sofortige Abhilfe.

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen

Doch die scheint nicht in Sicht, auch wenn jeder, der das Gebäude betritt, sofort massiv irritierende Gefühle erlebt, die an Schwindel und extreme Gleichgewichtsschwankungen erinnern. „Es passiert oft“, sagt die Mutter, „dass Kinder von der Treppe fallen oder stolpern, weil sie einen Rucksack oder einen Turnbeutel auf dem Rücken haben. Kein Mensch kann bei diesen Verhältnissen normal fortbewegen.“

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