Prozess

Elf Jahre Haft für SM-Vergewaltiger: Video liefert Beweis

Der Angeklagte (Mitte) beim Prozessauftakt Ende März.

Der Angeklagte (Mitte) beim Prozessauftakt Ende März.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen  Das Video, das der Angeklagte von der Vergewaltigung gedreht hatte, sprach deutliche Worte. Jetzt muss der Essener für elf Jahre in Haft.

Der Mann, der eine 19-Jährige fesselte und knebelte, bevor er sie vergewaltigte, muss für elf Jahre ins Gefängnis. Noch im Saal ließ das Gericht den nur geringfügig vorbestraften Patrick S. direkt nach dem Urteil verhaften.

Das Video von 54 Minuten und 44 Sekunden Länge, das er selbst von der Tat gedreht hatte, verfehlte seine Wirkung auf die Richter der XVI. Strafkammer offenbar nicht. Sie überboten am Mittwoch sogar den auch nicht gerade milden Antrag von Staatsanwalt Phillip Linder, der neun Jahre Gefängnis gefordert hatte.

Video zeigte die Menschenverachtung

Aber es war nicht nur das Video, das deutlich die Grausamkeit und Menschenverachtung der Tat zum Ausdruck brachte. Es waren auch die Folgen der Tat. Die junge Frau, die der 28 Jahre alte Patrick S. am 24. Juni 2017 in seiner Wohnung im Wasserturmviertel mit SM-Praktiken rund eine Stunde lang gedemütigt, geschlagen und zum Sex gezwungen hatte, war schon vorher psychisch gestört. Sie leidet an einem atypischen Autismus, kann sich nur schwer im Alltag zurechtfinden. In Stresssituationen ist sie auch nicht zum Widerstand fähig.

Die Vergewaltigung hat sie, die schon früher in der Psychatrie behandelt wurde, wieder zurückgeworfen. Nicht öffentlich war sie vom Gericht am ersten Prozesstag kurz vernommen worden. Aber alle hörten es auf dem Flur, als die zierliche Frau nach ihrer Aussage in Tränen ausbrach. Richter Martin Hahnemann sprach im Urteil von einem „herzzerreißenden Schluchzen“.

Übernachtungsmöglichkeit angeboten

In der Düsseldorfer Altstadt hatten Täter und Opfer sich kennengelernt. Sie war dort mit einem Bekannten. Sie kamen mit dem Angeklagten und seinen Freunden ins Gespräch. Auf einmal war der Bekannte weg. Die 19-Jährige wusste nicht, wie sie nach Hause kommen sollte. Da bot ihr Patrick S. eine Übernachtungsmöglichkeit in seiner Essener Wohnung an.

Dort angekommen setzte er sich relativ schnell über die Ablehnung der Frau hinweg. Sie berichtete später, dass sie starr und unfähig zur Abwehr im Bett lag, als er sie auszog. Den Rest zeigt das Video. Zeigt die Sexualdelikte und die Körperverletzungen, zum Teil mit einer Reitgerte.

Menschenverachtende Sprüche

Richter Hahnemann zitierte eine besonders menschenverachtene Passage: Da lag die Frau gefesselt auf dem Bett mit einem Knebelball im Mund. Und der Angeklagte sagt ihr, er würde ja aufhören, wenn sie es ihm nur sage. Und als ein Wimmern hinter dem Knebel zu hören ist, sagt er, sie solle sich bemühen, deutlicher zu reden. Er könne sie nicht verstehen.

In seinem Leben hat er bislang wenig geschafft. Was er für Versicherungen habe, will Richter Hahnemann wissen. Der Angeklagte muss passen: „Das macht alles meine Mutter für mich, auch die Steuer.“ Er selbst sagt, dass er eher der Couchtyp sei. Aktiv ist er wohl vor allem in der Cosplay-Szene, in der die Teilnehmer mit Kostümen und bunter Schminke Manga- und Comicfiguren verkörpern. Regelmäßig finden dazu groß angelegte Treffen statt.

Zunächst als einvernehmlichen Sex geschildert

Im Verfahren hatte Patrick S. anfangs noch versucht, die Tat als einvernehmlich darzustellen. Erst als die 19-Jährige sich unterkühlt von ihm verabschiedet habe, hätte er gemerkt, dass da etwas falsch gelaufen sei.

Nachdem die Kammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Video gesehen hatte, zeigte er sich dann doch geständig. Vielleicht hatte dazu die Frage des Richters nach dem Video beigetragen: „Nur für den Fall, dass ich eine Sekunde unaufmerksam war: Wo sah man Zeichen der Einvernehmlichkeit?“

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