Einladung zum Betrug Finger weg von Spendendosen

Seit 1998 das Sammlungsgesetz gekippt wurde, fehlt die Kontrolle von Spendendosen.In Essen wurden die Namen zweier Kliniken missbraucht. Strafrechtlich ist Kriminellen kaum beizukommen

Für diesen Zweck spendete ein Rentnerehepaar aus Überruhr gern eine größere Summe: Eine freundliche Dame hatte an der Haustür geklingelt, gab vor, für krebskranke Kinder im Elisabeth-Krankenhaus zu sammeln. Später wurde das Ehepaar misstrauisch, hakte bei der Klinik nach. Ergebnis: Dort wusste man von nichts - Betrug! Gerade in den besonders spendenträchtigen Tagen vor Weihnachten in Essen kein Einzelfall.

"Seit 1998 das Sammlungsgesetz aufgehoben wurde, haben Betrüger mit Sammelbüchsen leichtes Spiel", sagt Peter Hennig, Vorsitzender der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder. Eine seriöse Organisation, die seit Jahren mit der Uniklinik zusammenarbeitet, um krebskranke Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Bis dahin musste jede Sammlung mit einer Dose vom Ordnungsamt genehmigt und anschließend die Verwendung der Gelder für einen gemeinnützigen Zweck nachgewiesen werden. Heute gibt es keine Kontrollen mehr.

Auch im Namen der Uniklinik wurde in den vergangenen Wochen Missbrauch getrieben. "Gerade erst wurde auf dem Essener Weihnachtsmarkt angeblich für das Spielzimmer der Kinderkrebsstation gesammelt. Dabei haben wir das zu 100 Prozent finanziert", sagt Hennig. Für die Polizei ist die strafrechtliche Verfolgung schwierig. "Wer will und kann für ein oder zwei Euro nachvollziehen, was mit dem Geld passiert ist?", sagt Polizeisprecherin Tanja Horn. Mit anderen Worten: Falls das Geld versickert, fällt es niemandem auf.

Erschwerend hinzu kommt die Umkehr der Beweislast. So wollte die Uniklinik gegen zwei Vereine vorgehen, die angeblich für die Klinik an Haustüren und in Fußgängerzonen mit Dosen sammelten. "Wir hätten beweisen müssen, dass Geld veruntreut wird. Aber woher sollen wir wissen, was in deren Dosen gelandet ist?", sagt Uni-Klinik-Sprecher Burkhard Büscher. Die Klinik verzichtete auf eine Anzeige.

Die Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder mahnt deshalb zur Vorsicht: "Wir sammeln grundsätzlich nicht mit Spendendosen", sagt Schatzmeister Klaus-Peter Heine.Die Essener Polizei rät, auch kleine Summen generell nur per Überweisung an seriöse Hilfsorganisationen zu spenden. Anhaltspunkte für seröse Hilfsorganisationen sei ein bekannter Name sowie eine professionelle Internetpräsenz. Zudem sollte der Verein berechtigt sein, Spendenquittungen auszustellen. "Andernfalls wird das Geld oft versickern", sagt Polizeisprecherin Tanja Horn. Ein Beispiel hat Klaus-Peter Heine parat. Er habe sich 2006 auf eine Anzeige einer Bielefelder Organisation gemeldet, die vorgibt, mit Spendendosen für krebskranke Kinder zu sammeln. "Fünf Euro Stundenlohn wurden mir geboten, nebst zehn Prozent Beteiligung an der gespendeten Summe." Man könne sich ausrechnen, dass kein Cent an krebskranke Kinder gehe.

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