Ausstellung

Eine Galerie in Essen zeigt die längste Bibel der Welt

Chris Brackmann (l.) und Jesus Lopez (r.) stellen die Wiedmann-Bibel in ihrer Galerie aus

Chris Brackmann (l.) und Jesus Lopez (r.) stellen die Wiedmann-Bibel in ihrer Galerie aus

Essen-Südviertel.   Bei „Jesus Chris“ im Südviertel ist die Wiedmann-Bibel zu sehen. Auf 30 Quadratmetern sind 3333 Bilder des Künstlers ausgestellt – virtuell.

Wenn eine Galerie „Jesus Chris“ heißt, dann bietet es sich ja geradezu an, zur Vorweihnachtszeit ein christliches Thema zu wählen. So zumindest dachten die beiden Galeristen und Designer Chris Brackmann und Jesus Lopez. Und fanden ein ganz und gar außergewöhnliches Ausstellungsthema: In der kleinen Galerie an der Witteringstraße 83 können Besucher die Wiedmann-Bibel zum ersten Mal in NRW virtuell und real erleben.

Diese Bibel hat eine ganz besondere Geschichte: Der Kirchenmaler und Musiker Willy Wiedmann (1929-2013) widmete sich 16 Jahre lang der Darstellung des Alten und Neuen Testamentes. Der Stuttgarter malte in einem eigens entwickelten Stil, der Polykonmalerei, 3333 Bilder, die er zu einem 1,2 Kilometer fortlaufenden Leporello (Faltbuch) zusammenfügte. Nach seinem Tod fand sein Sohn Martin das Vermächtnis auf dem Dachboden. Er realisierte den Druck der Bilderbibel, digitalisierte sie und konzipierte eine Ausstellung, die er seitdem durch die ganze Welt schickt. So wurden schon Kathedralen und Kirchen mit den verschiedensten Medien bespielt, 50 Monumente in den USA mit den Bildern angestrahlt, die Bibel beim Kirchentag in Magdeburg entfaltet.

In der virtuellen Realität durch die Bibel

Dass diese opulente Bibeldarstellung jetzt in einem gerade mal 30 Quadratmeter großen Ausstellungsraum im Südviertel gelandet ist, mag nur auf den ersten Blick verwundern. „Martin Wiedmann fand die Idee sofort klasse. Besonders, weil ein ganz anderes, jüngeres Publikum zu uns kommt und die Bibel mal nicht in einem konservativen Rahmen gezeigt wird“, erklärt Chris Brackmann. Mit Jesus Lopez betreibt er seit März eine Art öffentliches Kunsthaus, das den beiden Grafikdesignern auch als Atelier dient.

Dort wirken die bunten Wiedmann-Bilder auf die Besucher unglaublich progressiv, witzig und schräg. Da tummeln sich Heilige und Sünder, taucht auch schon mal der dicke Zeh von Willy Wiedmann am Rand auf, gibt es erotische und gewalttätige Szenen.

20 Kilo schweres Exemplar in der Galerie zu sehen

Um als Besucher das gesamte Werk erfassen zu können, wurde bei „Jesus Chris“ ein interaktives Touchscreen-Terminal aufgebaut, das sämtliche Bücher abbildet. Als weiteren Höhepunkt gibt es eine ausgefeilte Virtual-Reality-Anwendung, die den Betrachter mit einer Brille in die Welt des Alten und Neuen Testaments eintauchen lässt.

Zudem liegt eine 20 Kilo schwere gedruckte Wiedmann-Bibel aus. Zwölf Bibel-Bahnen mit je vier Metern Länge durchziehen den Raum, aber auch kleine Drücke können bewundert werden. „Wir sind auf jeden Fall total gespannt, wie das bei unseren Gästen ankommt“, sagt Jesus Lopez. Aber eigentlich zweifelt er nicht. „Wir präsentieren das auf unsere ganz eigene Art: Greifbar, geerdet, ungezwungen“, verrät er das Erfolgsrezept.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben