Integration

Einbürgerungsfeier bedeutet für viele das Ankommen in der neuen Heimat

Der gebürtige Kosovo-Albaner Fatmir Azemi freut sich mit seiner Frau Fetije, dass er den alten Pass jetzt entsorgen kann.

Der gebürtige Kosovo-Albaner Fatmir Azemi freut sich mit seiner Frau Fetije, dass er den alten Pass jetzt entsorgen kann.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Sie kommen aus der Türkei, aus dem Irak, aus Afghanistan und Nigeria: 424 Essener sind seit September 2011 deutsche Staatsbürger geworden. Mit der dritten Einbürgerungsfeier im Ratssaal begrüßte Oberbürgermeister Reinhard Paß die neuen Bundesbürger. Für viele beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt.

Ruhe. Endlich wird jetzt Ruhe einkehren. Darauf freut sich Fatmir Azemi am meisten. Vor der Einbürgerungsfeier im Ratssaal ist der 31-jährige Kosovo-Albaner aufgeregt: Heute bekommt er endlich seinen deutschen Pass.

Azemi ist einer von 80 neuen deutschen Staatsbürgern, die am Dienstag von Oberbürgermeister Reinhard Paß feierlich als neue Essener begrüßt wurden. „Sie stehen heute im Mittelpunkt, Sie senden das Signal nach Außen, dass Sie sich in Deutschland wohl und in Essen Zuhause fühlen“, begrüßte Paß die gut 80 neuen Staatsbürger, die der Einladung zur dritten Einbürgerungsfeier gefolgt waren. Fatmir Azemi ist mit seiner Frau Fetije gekommen, für beide ist es ein besonderer Tag. „Das ist für mich der letzte, entscheidende Schritt auf einer langen Treppe“, ist Azemi sichtlich gerührt. Seit 1993 lebt er in Deutschland, Anfang 2000 zog er nach Essen.

Den alten Pass gleich entsorgt

Immer habe er sich anders behandelt gefühlt, bei Bewerbungen, bei Behördengängen, im alltäglichen Leben. „Jetzt hat das alles ein Ende, jetzt kehrt Ruhe ein.“ Den alten Pass hat er dabei, nach der Feier will er ihn entsorgen. „Den will ich nicht mehr haben, der hat mir nur Ärger gemacht.“ Wirklich angekommen in Deutschland wird er sich erst fühlen, wenn er den deutschen Pass tatsächlich in den Händen hält. „Vorher glaube ich das nicht“, ist der Kosovo-Albaner aufgeregt vor dem Moment, in dem er zum deutschen Staatsbürger wird.

Von September bis Ende des Jahres wurden 424 Menschen in Essen Bundesbürger. Die vielen Kinder im Ratssaal spiegeln die Altersstruktur wider: 40 Prozent der neuen Bundesbürger sind jünger als 20 Jahre. So auch Mohammed Rafeh Zabih, für den der Tag seiner Einbürgerung gleichzeitig auch sein zehnter Geburtstag ist. Spontan stimmt das Essener Gitarrenduo Bernd Steinmann und Stefan Loss „Happy birthday“ an, der gesamte Ratssaal singt mit, vom Oberbürgermeister gibt es zu der Einbürgerungsurkunde noch einen Kinogutschein.

Ein neuer Lebensabschnitt

Auch Kafayat Cynthia Azeez wird am Abend noch feiern: „Natürlich feiern wird das, mit der ganzen Familie.“ Für sie fange heute ein neuer Lebensabschnitt an, sagt die 17-jährige Schülerin. „Ich hätte nicht gedacht, dass das von der Stadt so offiziell begangen wird“, zeigt sich die gebürtige Nigerianerin von der Feierstunde beeindruckt, „ich dachte, das wäre nur ein formaler Akt.“ Samit Fetic freut sich, dass sich genau dies geändert hat.

„Ich habe meine Einbürgerungsurkunde 1995 noch ganz unspektakulär über den Schreibtisch gereicht bekommen und freue mich, dass es heute für Sie eine schöne Zeremonie ist“, sagte der Vorsitzende des Integrationsrates in seiner Rede. Die Aushändigung des deutschen Passes sei kein Endpunkt, sondern vielmehr ein Teilabschnitt des Lebens in Deutschland, betonte Fetic und forderte die Neubürger auf, sich aktiv ins Stadtleben einzubringen: „Gehen Sie in die Vereine und Parteien und bringen Sie neue, bringen Sie Ihre Standpunkte ein!“

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