Essener Tafel

Ein zielführender wie gesichtswahrender Beschluss

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

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Essen.   WAZ-Redaktionsleiter Frank Stenglein zum angekündigten Ende des Aufnahmestopps für Ausländer bei der Essener Tafel.

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Die Essener Tafel setzt in wenigen Wochen um, was sie immer angekündigt hat: Sie hebt den Aufnahmestopp für Ausländer auf. Ersetzt wird dies bei Bedarf durch andere Restriktionen, die ähnliche Wirkung entfalten würden, so dass die von Tafel-Chef Jörg Sartor weiterhin gewünschte Nutzer-Balance wohl auch künftig sicherzustellen ist. Mit der Bevorzugung von Senioren und Alleinerziehenden sind automatisch jene jungen Männer in der zweiten Reihe, die Probleme bereiteten und das Gros der ausländischen Kunden ausmachten.

Das ist eine gesichtswahrende Lösung, die weniger Angriffsfläche bietet als die alte. Freunde der Willkommenskultur mögen sich damit trösten, dass der Anteil der Ausländer unter den Tafel-Berechtigten auch künftig fast doppelt so hoch sein dürfte, verglichen mit ihrem Anteil unter den Essener Hartz-IV-Empfängern. Fremdenfeindlichkeit sieht anders aus.

Mittlerweile sind differenzierte Töne zur Essener Tafel zu hören – bis in die Bundes-SPD

Es fällt auf, dass nach der ersten Aufregung mittlerweile bis in die Bundes-SPD hinein differenziertere Töne zur Essener Tafel zu hören sind. So warb die frühere Familienministerin und heutige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dafür, mit Leuten wie Sartor zu reden statt sie von Ferne auf dem hohen Ross sitzend zu verurteilen. Sie verknüpfte dies mit der Forderung, ohne falsche Tabus über die Folgen einer Zuwanderungspolitik zu reden, ohne die der Tafel-Streit in dieser Form nie entstanden wäre.

So bleibt festzuhalten: Dank seiner Knorrigkeit und Beharrlichkeit, aber auch wegen seiner klaren Ablehnung radikaler Trittbrettfahrer hat Jörg Sartor einiges erreicht, natürlich ohne das in dieser Breite je gewollt oder gar geplant zu haben. Selten jedenfalls hat sich ein politischer Amateur, der er ja ist, so klug und nervenstark durch ein mediales Minenfeld bewegt. Allein dafür gebührt Sartor Respekt.

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