Obdachlosigkeit

Ein Zelt soll die Menschen in Essen vor der Kälte retten

Elke Zbiera und Christopher Söhn vom DRK im Notschlafzelt für Obdachlose in Essen-Borbeck.

Elke Zbiera und Christopher Söhn vom DRK im Notschlafzelt für Obdachlose in Essen-Borbeck.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Das DRK hat in Essen- Borbeck angesichts der sibirischen Temperaturen ein beheiztes Zelt aufgebaut. Ruhrbahn hält U-Bahnhöfe geschlossen

Der Wetterbericht verspricht für die nächsten vier Wochen sibirische Kälte: Auf minus sechs, sieben Grad können die Temperaturen in den Nächten fallen. Auch tagsüber soll das Thermometer kaum über den Gefrierpunkt steigen. Die nächsten Wochen dürften für die Menschen, die auf der Straße leben, zum Überlebenskampf werden. Wie viele letztendlich in Essen hart „Platte machen“, in Hauseingängen, auf Abluftschächten oder unter Brücken ihr Nachtlager mit Schlafsäcken, Decken oder Altkleidern richten, kann nur geschätzt werden: „In der Innenstadt dürften es vielleicht 15 sein“, heißt es bei der Wohnungslosenberatung im Sozialzentrum von Caritas und Diakonie an der Lindenallee.

Bei der Kälte ist die Schlange länger geworden

Initiativen wie der Verein „Fair Sorger“, die sich dreimal in der Woche abends an der Gertrudiskirche in der nördlichen Innenstadt mit heißem Tee, einer kräftigen Suppe und warmer Kleidung um die Menschen kümmern, spiegeln aktuell ein anderes Bild: „So um die 100 Menschen kommen schon zu uns“, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Rita Fröhlich-Eberl. Ob die alle „Platte“ machen? „Da sind viele, von denen wir wissen, dass sie draußen schlafen.“ Gerade jetzt bei der Kälte sei die Schlange länger geworden: „Wir spüren das sofort.“

Das Deutsche Rote Kreuz hat auf die erste ernsthafte Kältewelle des Winters reagiert: Freitagabend bauten die Helfer der DRK-Bereitschaft auf dem Gelände des Katastrophenschutzes am Wolfsbankring in Borbeck das 50 Quadratmeter große Übernachtungs-Zelt auf. 15 Schlafplätze auf Feldbetten bieten wohnungslosen Menschen hier Schutz vor der klirrenden Kälte, dafür sorgt die Diesel-Feldheizung, die warme Luft ins Zelt bläst. Schon in der ersten Nacht nutzen vier Essener das Angebot. In den Wochenend-Nächten schliefen jeweils sieben Frauen und Männer in der Unterkunft. „Wir freuen uns natürlich, dass unsere Kältehilfe gut angenommen wird“, sagt „Zelt-Chefin“ Elke Zbiera vom DRK-Kreisverband Essen, die im dritten Jahr die Hilfe organisiert. „Die Erfahrung zeigt, dass wir bei der Kälte bald ausgebucht sein werden.“

Selbst die Hunde bekommen einen Schlafplatz

Die DRK-Hilfe ist beliebt: Die Schlafplätze in den Feldbetten sind mit Schlafsäcken ausgestattet, in einem separaten Aufenthaltsraum gibt es neben Tee und Kaffee eine warme Mahlzeit und morgens ein Frühstück. Geduscht werden kann in den Räumen der Bereitschaft. Hunde, die mitgebracht werden, dürfen sich nicht nur über einen warmen Schlafplatz und Futter freuen.

Zudem bietet das DRK in Kooperation mit der Ruhrbahn, dem Verein „Essen packt an“ und der Diakonie einen „Shuttle“ an: Wer will, kann sich melden und wird nach Borbeck gefahren, dies wird privat organisiert. Am nächsten Morgen erhalten die Menschen ein Ruhrbahn-Ticket für die Rückfahrt in die Stadt.

„Die U-Bahnhöfe bleiben geschlossen“

Weiter will die Ruhrbahn in ihrer Hilfe aber nicht gehen: „Die U-Bahnhöfe bleiben geschlossen. Sie stellen ein zu hohes Sicherheitsrisiko dar, da sich Menschen in den Tunnelanlagen schlafen legen könnten.“ Nach Betriebsschluss, so die Ruhrbahn, werden die U-Bahnhöfe deshalb abgeschlossen.

Dort verweist man auf die Notübernachtungsstelle an der Lichtstraße, die Diakonie und Caritas für die Stadt betreiben. Auch dort bekommt man die Kälte zu spüren: Von 40 Übernachtungen stieg die Zahl der Menschen, die Schutz suchen, auf 52: „Das wird nicht das Ende sein.“

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