St. Elisabeth-Kirche

Ein Pastor im Ruhestand mit Krippenbauer-Diplom

Dieses farbenfrohe Bild einer Krippe stammt aus Tansania.Fotos:Socrates Tassos

Dieses farbenfrohe Bild einer Krippe stammt aus Tansania.Fotos:Socrates Tassos

Essen-Frohnhausen.   Bernhard Alshut wurde vor 43 Jahren zum Priester geweiht. Seitdem sammelt und baut er Krippen. 112 stellt er zurzeit in Elisabeth-Kirche aus.

Wer das Wohnzimmer von Bernhard Alshut in Witten-Bommern betritt, dessen Blick fällt unweigerlich auf die Ikonen an der linken Wand und die Engelsfiguren an der rechten Wand über dem Klavier, die ein Original-Notenblatt eines Chorals aus dem 14. Jahrhundert einrahmen. Und auch die leere Krippe, die eineinhalb Meter neben dem großen Flachbildfernseher auf einem schlichten Drittel eines Tapeziertischs ruht, ist nicht zu übersehen. „Auf den Tisch kommt noch ein schönes Tuch“, betont Bernhard Alshut.

Bernhard Alshut ist 72 Jahre alt und Priester im Ruhestand. Seit Beginn seines Priesterlebens interessiert er sich für Krippen. „Das ist 43 Jahre her“, sagt er. Seine letzte Station als Pastor war St. Elisabeth in Frohnhausen. 2013 musste er dort aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Nach einem Krankenhausaufenthalt zog er nach Witten. Der Kontakt nach Frohnhausen ist geblieben. Das Interesse an seinen Krippen auch. In diesem Jahr sind in St. Elisabeth 112 aus Afrika, Asien und Südamerika zu sehen.

Der Ruf des Krippenbauers eilt ihm voraus

Der Ruf des Krippenbauers eilte ihm voraus, als er vor 19 Jahren nach St. Elisabeth kam und 14 Jahre blieb. „Ich wurde gleich gefragt, ob ich nicht eine Ausstellung machen könnte.“ Die erste in Frohnhausen fand im Gartenhäuschen hinter dem Pfarrhaus statt. Als später in der Kirche einige Bänke entfernt wurden („Von dort aus konnte man den Altar nicht sehen.“), wurden die Krippen dort ausgestellt.

„Bei 600 habe ich aufgehört zu zählen“

Bernhard Alshut besitzt nicht nur viele Krippen („Bei 600 habe ich aufgehört zu zählen.“), viele von ihnen hat er in der angebauten Garage, die er seine Krippenhütte nennt, selbst gebaut. Dass er dafür ein Händchen hat, besitzt er Schwarz auf Weiß. „Ich habe mich in Innsbruck zum Krippenbaumeister ausbilden lassen – mit Zertifikat.“ Sein Meisterstück war eine Krippe, die einem Bergwerk aus den Anfängen des Bergbaus nachempfunden war. Zwei Kumpel-Figuren inklusive. Für jemand, der in Gelsenkirchen geboren wurde, eine Selbstverständlichkeit.

Asien, Afrika und Südamerika – von dort kommen die Krippen, die zurzeit in St. Elisabeth zu sehen sind. „Besonders die aus Südamerika sind meist sehr farbenfroh.“ Klassische Krippen werden aus Holz oder Ton gefertigt. In Afrika, zum Beispiel in Tansania, darf es auch das dunkle Ebenholz sein.

Mohnkapsel und Nussschale

Wie die Alshutsche Sammlung zeigt, gibt es auf der Welt auch Krippen, die von der gängigen Vorstellung abweichen. Genannt seien hier die Mohnkapsel aus Ungarn oder die Nussschale aus Ecuador, in denen geschickte Hände die Szene vom Stall in Bethlehem unterbrachten. Der Künstler, der Maria, Josef und das Jesuskind in einen ausgehöhlten Kirschkern setzte, schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde.


Daran scheiden sich vermutlich ebenso die Geister wie an dem Design-Modell einer italienischen Firma. Maria, Josef und das Jesuskind ähneln frappierend einem Salz-und-Pfeffer-Streuer-Set. Figuren fertigt Bernhard Alshut nicht selbst an. Entweder kauft er sie auf seinen Reisen durch Europa oder sie werden ihm von Freunden geschenkt.

Die Krippe für Weihnachten 2019 hat er schon im Kopf

Für die Krippe im eigenen Wohnzimmer hat er italienische Figuren ausgesucht, die in einer Plastikdose auf dem Tisch stehen. Sie tragen schöne farbige und detailgetreue Kleider.

Bernhard Alshut ist im Ruhestand – und dann doch wieder nicht. Auf seiner Visitenkarte ist „Pastor I.B.D.“ zu lesen. „I.B.D.“ steht für „in besonderem Dienst“. Fünf Gottesdienste wird der 72-Jährige über Weihnachten unter anderen in Witten-Buchholz und -Herbede leiten und damit Kollegen entlasten.


Zeit, die Krippe mit den italienischen Figuren anzuschauen, wird er sich aber nehmen. Für Weihnachten 2019 will er eine neue Krippe bauen. Eine Idee habe er schon im Kopf. Sollte es mit der Umsetzung nicht klappen, würde sich bestimmt eine Lösung finden lassen.

Eine genügend große Auswahl an Krippen hat er ja.

>>> Vom schwarzen Jesuskind und den Antilopen

„Wir gehen immer davon aus, dass Jesus ein Europäer gewesen sei. Die christliche Kunst und unsere Weihnachtskrippen verstärken dieses Denken.“ Das ist auf dem Flyer zur Krippen-Ausstellung in St. Elisabeth zu lesen.

Dieses Bild trugen Missionare auch lange Zeit von Europa aus in die Welt und versuchten ihre Sicht zu verbreiten. Bernhard Alshut unterstreicht das mit einem Beispiel. In einigen Gegenden Afrikas gebe es keine Schafe. Missionare sagten den Einheimischen lange Zeit, dass zu einer Krippe unbedingt Schafe gehörten. „Wie sollten Menschen Schafe schnitzen, die noch nie eines gesehen haben?“, fragt Bernhard Alshut rhetorisch. Das Ergebnis war, dass Antilopen statt Schafe an der Krippe standen, in der auch kein hellhäutiges, sondern ein schwarzes Jesuskind lag. Man dürfe nichts aufzwingen, so Bernhard Alshut.

In der Fachsprache heißt das Inkulturation. Der Begriff umschreibt die Berücksichtigung der jeweiligen Eigenart der Kultur, in die das Christentum vermittelt wird.

Das macht auch den Reiz der Krippenausstellung in St. Elisabeth aus. Da hocken dann neben der aus einem Stück gefertigten Krippe aus Chile auch schon mal zwei Lamas vor Maria und Josef.

>>> Ausstellung eröffnet am 1. Feiertag

Die Ausstellung in der Kirche St. Elisabeth, Frohnhauser Straße 398/Ecke Spittlerstraße, ist vom 25. Dezember 2018 bis zum 20. Januar 2019 täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Besondere Führungen sind auf Anfrage bis zum 2. Februar 2019 möglich. Anmeldungen: Pastor Bernhard Alshut (0163-6600780), Familie Koch (766693) und Familie Potztal (751139).

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