Mineralien-Museum

Ein Museumsbesuch zwischen Sternenstaub und Haifischköttel

Neue Sichtweisen: Museumsleiterin Ulrike Stottrop und Mitarbeiter Carsten Berndt betrachten spezielle Ausstellungs-Exponate mit der 3D-Brille.Fotos:Kerstin Kokoska

Neue Sichtweisen: Museumsleiterin Ulrike Stottrop und Mitarbeiter Carsten Berndt betrachten spezielle Ausstellungs-Exponate mit der 3D-Brille.Fotos:Kerstin Kokoska

Essen.   Mineralien-Museum präsentiert sich neu überarbeitet. Ausstellung mit steinalten Exponaten führt in die Gegenwart – und bis in die Toilettenräume

Wenn sich ein Haus voller steinalter Geschichte fit für die Zukunft macht, dann räumt es nicht nur ein paar Vitrinen aus und stellt einige Exponate um. Im Mineralien-Museum in Kupferdreh soll der Besucher zwischen Werkzeugen aus der Jungsteinzeit, dicken Steinkohlebrocken und dem versteinerten Harnstein vom Leguan auch immer wieder den Bezug zur Gegenwart finden: Wenn sich neben dem Jahrtausende alten Mammutknochen eine hochmoderne Hüftprothese findet, deren Beschichtung aus eben jenem Biomaterial besteht, das auch Gerüst aller Wirbeltiere ist. Oder neben einer Auswahl glitzernder Konfliktmineralien aufgelistet wird, wie viele wertvolle Rohstoffe von Kobalt über Wolfram, Silber und Platin für den Bau eines einziges Mobiltelefones verwendet oder auch verschwendet werden, wenn das Gerät nach kurzer Zeit wieder ausgetauscht wird.

Dass Mineralien und Gesteine eben nicht nur Teil unserer Erd- und Kulturgeschichte sind, sondern auch ein Garant für Wachstum und Wohlstand, „Motor der Zivilsation“, aber auch Auslöser von Krieg und geopolitischen Krisen, von all dem erzählt die überarbeitete Ausstellung, die nach mehrmonatiger Umgestaltung am Sonntag wieder eröffnet wird.

Mit vergleichsweise kleinem Budget (30 000 Euro gab die Bezirksvertretung, 50 000 Euro kam aus dem Museumstopf) wurde das traditionsreiche Haus an der Kupferdreher Straße als lebendiger Ort der Vermittlung neu aufgestellt. Museumsleiterin Ulrike Stottrop und ihre Mitstreiter zeigen mit neuen Ideen, ungewöhnlichen Sichtweisen und großem wissenschaftlichem Sachverstand, dass die Forschung über die Bausteine unseres Lebens immer weitergeht. Selbst wenn am Ende nur ein Haufen Exkremente bleibt und im Mineralien-Museum damit künftig sogar der Toilettengang zum Bildungsgang wird. Dort warten nun ein 30 Millionen Jahre alter Schildkröten-Köttel und Haifisch-Kot auf die Besucher und lehren uns, dass auch im Museum manchmal eben zählt, was hinten herauskommt.

Fossilienjagd und Dinoparty

So sind es eben nicht nur die farbenprächtigen Mineralien, schimmernden Kristalle und kostbaren Fossilien, die dieses als Außenstelle des ehemaligen Ruhrlandmuseums umgewidmete Schulgebäude so anziehend machen. Rund 10 000 Gäste kommen jährlich. Die meisten davon Familien, vor allem aber Kinder und Jugendlichen, die das museumspädagogische Angebot mit Fossilienjagd und Dinoparty nutzen. Rund 300 Angebote pro Jahr bezeugen die kreative Vielfalt. „Das Gros sind Kindergeburtstage, da sind wir führend“, erklärt Ulrike Stottrop. Aber nicht nur diese Zielgruppe sorgt für steten Zulauf. Die Arbeitsgemeinschaft Mineralogischer Museen habe schon angefragt, wie man so viele Besucher in ein Museum mit einem vermeintlich „trockenen Thema“ locken könne, freut sich Stottrop.

Um die Sammlung auch künftig lebendig zu erhalten, hat man einiges umgestellt. Wo früher „Mammut, Mensch und Feuerstein“ die Gäste begrüßten, fällt der Blick nun auf einen Spiralnebel. „Die Mineralogie spielt jetzt als durchgehendes Thema eine Rolle“, erklärt Ulrike Stottrop. So trifft man auf „Mineralien in Flora und Fauna“ und kostbare Sedimente. Manches vertraute Ausstellungs-Highlight wie die Vitrine voller Ammoniten oder die Kristallkammer bleiben vertraute Hingucker. Mit einem kleinen Exkurs über „die kristalline Welt in uns“ vermittelt man auch komplexere Sachverhalte in bioanorganischer Chemie und schafft Bezug zu aktuellen Forschungsergebnissen, die vor allem der Biologe und langjährige Mitarbeiter Carsten Brandt seit Jahren international verfolgt

Steinerne Schätze treffen neue Technik: So geben Röntgenaufnahmen, die in Zusammenarbeit mit dem Krupp-Krankenhaus entstanden, nun Aufbau und „Innenleben“ vom Melonenschnecke und Löwentatze preis. Und mit Hilfe der 3D-Brille kann man Einzellern sogar beim Ausbilden von mikroskopisch winzigen Biomineralien zusehen.

Ein Projekt in Partnerschaft mit der Bürgerschaft

Das Mineralien-Museum wird seit 1984 als Außenstelle des ehemaligen Ruhrlandmuseums in Partnerschaft mit der Bürgerschaft Kupferdreh betrieben und vom Ruhr Museum fachwissenschaftlich betreut und museumspädagogisch bespielt.

Öffungszeiten: di bis so (10-18 Uhr). Der Eintritt ist frei.

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