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Ein Jahr freier Eintritt: Folkwang verdoppelt Besucherzahlen

Jetzt kommen viele, die vorher der Eintritt vom Museumsbesuch abgehalten hat: Folkwang-Direktor Tobia Bezzola freut sich über eine sehr erfolgreiche Bilanz dank einer Krupp-Spende, die für fünf Jahre gilt.

Jetzt kommen viele, die vorher der Eintritt vom Museumsbesuch abgehalten hat: Folkwang-Direktor Tobia Bezzola freut sich über eine sehr erfolgreiche Bilanz dank einer Krupp-Spende, die für fünf Jahre gilt.

Foto: WAZ

Essen.  Vor einem Jahr startete das Folkwang-Museum damit, für den Besuch der Ständigen Sammlung kein Geld mehr zu nehmen. Auch Schulen profitieren.

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Ein Sonntagmittag, kurz vor zwölf. Draußen nieselt’s bei knapp 20 Grad. Perfektes Museumswetter. Harald Benthen steht zwischen zwei Meisterwerken und staunt: „Tolle Kunst, die hier hängt. Eigentlich müssten sich die Leute doch in den Sälen drängen!“

Wie dem Mann aus Moers ist es vor einigen Jahren auch Museums-Direktor Tobia Bezzola gegangen. Da war er nun Chef eines Museums voller Meisterwerke, doch die großzügigen Räume der Ständigen Sammlung mit ihren großartigen Gemälden von Monet bis Gauguin blieben zu häufig leer. Das hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich geändert. Seit die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im vergangenen Jahr den Eintritt ins Museum dank einer großzügigen Millionenspende für alle Besucher kostenfrei gemacht hat, haben sich die Besucherzahlen mehr als verdoppelt. An diesem Wochenende ist das erste Jahr der insgesamt fünfjährigen Pilot-Projekts vorbei, das international Schlagzeilen gemacht hat. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

"Dafür würden wir auch bezahlen"

Neben dem internationalen Renommee, den Diskussionen, in denen das Essener Museum Folkwang nun als bundesweiter Vorreiter angeführt wird, zeugen vor allem die Zahlen vom Erfolg. Im ersten Jahr haben nach Museumsangaben mehr als 100.000 Besucher das Angebot genutzt. Vielleicht der größte Erfolg: Durch den freien Eintritt sind vor allem mehr Kinder und Jugendliche (Zuwachs +186 % und +98 %) ins Museum gekommen. Nicht nur Schulen haben das Angebot lebhaft angenommen. Auch die Volkshochschule hat unlängst berichtet, dass durch den freien Eintritt nun viele Kurse das Museum Folkwang für Exkursionen nutzen können.

Dörte Bartsch, die in Mönchengladbach unterrichtet, findet das Angebot deshalb besonders gut: „Ich habe schon überlegt, mit meiner Klasse wiederzukommen.“ Für Philipp und Caroline Diekmeyer ist der freie Eintritt vor allem auch ein sehr familienfreundliches Angebot. Das Paar aus Köln, das den Wochenendbesuch im Ruhrgebiet auch für einen Folkwang-Abstecher nutzt, hat vom kostenfreien Eintritt bislang gar nichts gewusst. „Die Kunst ist so großartig, dafür würden wir auch bezahlen“, sagt Philipp Diekmeyer. „Aber wenn wir mit unseren drei Kindern unterwegs sind, dann schlägt der Eintritt schon ins Kontor.“ Dem Kölner gefällt außerdem die Möglichkeit, so öfter mal auf einen kurzen Abstecher ins Museum machen zu können. „Wenn es so ein Angebot in Köln gäbe, dann würde ich vielleicht auch mal während der Mittagspause ins Museum Ludwig gehen.“

"Schöner als gedacht"

Auf diesen Effekt hat Museums-Direktor Tobia Bezzola gehofft. „Der freie Eintritt wirkt“, freut sich Bezzola. „Die kostenfreie Öffnung unserer Sammlung ist ein entscheidender Faktor, um Schwellen abzubauen und immer mehr Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern.“ Wir erleben täglich, dass einzelne Jugendliche, aber auch Schulklassen im Haus unterwegs sind, und sie kommen jetzt aufgrund des freien Eintritts noch häufiger. „Besonders freut mich, dass nach wie vor viele Menschen aus der Region das Angebot nutzen.“

Auch Elke und Dietmar Poggi aus Mülheim hat der freie Eintritt dazu gebracht, dem Museum Folkwang endlich mal einen Besuch abzustatten. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dafür sonst Geld ausgeben würde“, überlegt Elke Poggi. Erst mal vor Ort, „finde ich es schöner als gedacht“, sagt die Mülheimerin. Folgebesuch nicht ausgeschlossen.

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