Ehrenmord

Ehrenmord-Prozess: Der Clan sprach das Todesurteil aus

Start im Ehrenmord-Prozess: Die Tante (mitte) der 18-Jährigen im Gespräch mit ihrem Anwalt und einer Dolmetscherin.

Start im Ehrenmord-Prozess: Die Tante (mitte) der 18-Jährigen im Gespräch mit ihrem Anwalt und einer Dolmetscherin.

Foto: Kai Kitschenberg

Essen.  Wegen ihres Verhältnisses sprach das "Familiengericht" eines Clans die Todesstrafe gegen zwei junge Menschen aus. Brutaler Angriff in Essen.

Ruhiger als vom Landgericht Essen befürchtet, ist am Dienstag vor dem Schwurgericht der “Ehrenmord-Prozess” gestartet. Angeklagt sind 13 Mitglieder einer Familie.

Auch zwei Frauen aus dem syrisch-kurdischen Familienclan sitzen auf der Anklagebank. Sie weinen. Die Schwestern Muzgin M. (39) aus Viersen und Gulistan A. (47) aus Naumburg an der Saale greifen oft zum Taschentuch. Ob sie ihr eigenes Schicksal betrauern? Denn ihnen wirft Staatsanwältin Birgit Jürgens gemeinschaftlichen versuchten Mord vor, obwohl sie gar nicht am Tatort waren. Sie sollen die Männer der Familie angetrieben haben, durch eine Bluttat die vermeintlich verlorene Familienehre wiederherzustellen. Im Ermittlungsverfahren hatten sie das bestritten. Doch Zeugen aus dem Clan hatten den "dicken, runden Frauen" Hetze vorgeworfen.

Wegen Verhältnis: "Familiengericht" sprach Todesstrafe aus

Laut Anklage war die "Ehre" dadurch beschmutzt worden, dass ein 19-jähriger Essener ein Verhältnis mit einer verheirateten 18 Jahre alten Schülerin aus dem Clan hatte. Ursprünglich seien beide vom "Familiengericht" mit der Todesstrafe bedacht worden. Gegen die Schülerin sei das aber abgemildert worden. Am Tattag habe ein Onkel die junge Frau zur Sicherheit aber bei sich verborgen.

Acht Männer aus der Familie sollen in der Nacht zum 31. Mai vergangenen Jahres nach Essen gefahren sein. Auf der Steeler Straße hätten sie den 19-Jährigen entdeckt und auf einem Hinterhof übel verprügelt. Mit Holzlatten hätten sie auf ihn eingeschlagen, ihn auch getreten. Einer der Angeklagten habe ihm mit einem Messer in den Bauch gestochen.

Erst als eine Nachbarin rief, dass die Polizei komme, hätten sie aufgehört und seien geflüchtet. Schwer verletzt hatte das Opfer sich zur Straße gerettet, Notoperationen retteten sein Leben. Auf versuchten Mord lautet die Anklage, vier Angeklagten wird Beihilfe vorgeworfen. Videos, die von den Schlägern aufgenommen wurden, zeigen die blutige Tat und gelten als wichtigstes Beweismittel.

Angeklagter im Saal von Polizei bewacht

Die Saatsmacht zeigt am Dienstag Flagge. Die Justizwachtmeister werden von vielen Polizisten unterstützt. Neun Polizeitransporter stehen vor der Tür. Einer der Angeklagten, der bereits bei der Polizei ein Geständnis abgelegt hatte, ist im Zeugenschutzprogramm, wird besonders bewacht. Vermummte Polizisten sitzen neben ihm.

Ein Anwalt, der Kölner Johannes Daners, kritisiert in seiner Eröffnungserklärung Polizei und Staatsanwaltschaft, ohne näher ins Detail zu gehen. Seine Ankündigung ist aber klar: "Die Anklagevorwürfe werden sich nicht bestätigen.

Geständnisse angekündigt

Richter Jörg Schmitt fragt, welche Angeklagte sich äußern wollen. Drei kündigen Geständnisse an, der Rest will schweigen. Und schließlich geht es noch um die Frage, ob die Anklage korrekt übersetzt wurde. Das wird erst einmal überprüft. Falls erhebliche Fehler festgestellt werden, ist das Verfahren gefährdet.

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