Firmenblockade

Drohender Jobverlust: Essener Arbeiter blockieren ihre Firma

Entsetzt beobachtet Betriebsschlosser Selami Küplüce (62) den Abtransport der Maschinen bei der Firma IPP van Triel GmbH an der Ripshorster Straße in Essen-Dellwig. Seit 40 Jahren arbeitet Küplüce für die Firma.

Foto: Kerstin Kokoska

Entsetzt beobachtet Betriebsschlosser Selami Küplüce (62) den Abtransport der Maschinen bei der Firma IPP van Triel GmbH an der Ripshorster Straße in Essen-Dellwig. Seit 40 Jahren arbeitet Küplüce für die Firma. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Weil die Geschäftsleitung die Maschinen abtransportieren lassen wollte, blockierten Arbeiter der IPP van Triel in Essen das Gelände. Vergeblich.

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Schock für die Mitarbeiter der IPP van Triel in Dellwig: Am Donnerstag ließ die Geschäftsführung Maschinen vom Firmengelände an der Ripshorster Straße abtransportieren – während der Betriebsferien. „Da wird unsere Existenz verladen“, seufzt einer der Mitarbeiter, die herbeigeeilt waren, um das Gelände zu blockieren. Die IG Metall fürchtet, dass die Firma die Arbeit am Montag nicht wieder aufnimmt. Mit dem „heimtückischen Akt“ werde das Betriebsvermögen beiseite geschafft, „so dass die Belegschaft am Ende leer ausgeht“.

Nur zwei Jahre nach der vermeintlichen Rettung der Hammerschmiede ist das ein Schlag für die 45 Beschäftigten, die meist viele Jahrzehnte bei van Triel beschäftigt sind. „Auch deshalb ist die Enttäuschung so groß“, sagt Betriebsschlosser Selami Küplüce (62), der hier seit 40 Jahren arbeitet. Der frühere Familienbetrieb stellt u.a. Teile für die Ölindustrie her und musste 2015 Insolvenz anmelden.

Auf und Ab zwischen Insolvenz, Rettung, Kurzarbeit

Damals übernahm die britische IPP-Gruppe die Firma mit der Hälfte der Belegschaft und kündigte an, dass sich van Triel unter ihrer Leitung „erfolgreich entwickeln“ werde. Stattdessen habe eine „Odyssee für Kunden und Belegschaft“ begonnen, sagt IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Alfons Rüther. Seit einem Jahr gebe es bei IPP van Triel Kurzarbeit, seit Monaten befinde sich die Firma in Zahlungsschwierigkeiten. Auch ein Sozialplan „scheiterte an der Finanzierung“.

Darum wurden die Mitarbeiter hellhörig, als vor Weihnachten ein Aushang verkündete, der Arbeitgeber danke ihnen für die gute Leistung und stelle sie bis zum 8. Januar frei. „Der bezahlte Urlaub sei auch eine Entschädigung, weil wir kein Weihnachtsgeld erhalten hatten“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Dirk Neugebauer. Misstrauisch habe er gefragt, ob ein Verkauf der Maschinen geplant sei: „Das hat die Geschäftsführung verneint.“

Besorgte Mitarbeiter bewachten das Firmengelände

Geglaubt haben die Mitarbeiter das nicht. Das Weihnachtsfest hätten sie in Sorge verbracht, „seitdem waren wir jeden Tag hier, haben Wache gehalten“, erzählt Thomas Dilmann. Am Donnerstagmorgen schlug ein Kollege Alarm: „Die holen unsere Maschinen.“ Im Handumdrehen versammelten sich die Kollegen vor dem Werkstor. Die IG Metall versuchte, den Transport per einstweiliger Verfügung zu stoppen, „doch die bekamen wir nicht so schnell“, erklärt Rüther.

So werden die leistungsstärksten Maschinen abmontiert und auf Lkw mit holländischem Kennzeichen verladen. Dass dies der Schlussakkord für IPP van Triel ist, steht für alle Mitarbeiter fest: „Wie sollen wir ohne Maschinen arbeiten.“ „Montag stehen wir vor verschlossenen Toren!“ „In meinem Alter rutsch’ ich sofort in Hartz IV.“ „Wir haben zwei Kinder, mit dem Gehalt meiner Frau kommen wir nicht hin.“

Konzern verkauft Maschinen, weil Geld gebraucht wird

Er könne die Sorgen der Leute ja verstehen, sagt Geschäftsführer Florent Orain, aber Jobgarantien könne er nicht geben. „Sie sollen am Montag kommen, dann arbeiten wir weiter.“ Wie das gehen soll, sagt Orain nicht; den Verkauf der Maschinen habe ja nicht er beschlossen, sondern die Konzernleitung: „Wir brauchen das Geld.“ Und Thomas Dilmann braucht die CNC-Drehmaschine, die gerade verladen wird, an dem Koloss hängen noch Notizzettel und ein Kalender. „Das ist meine Maschine! Ich war schon dabei, als sie 1996 angeliefert wurde.“ Dilmann hat zwei Kinder, ist 49 Jahre alt und hat mehr als sein halbes Leben für van Triel gearbeitet: „Wenn ich am Montag komme, ist mein Arbeitsplatz ein Loch.“

>> VOR ZWEI JAHREN KAM IPP NOCH ALS RETTER

Mitte 2015 meldete die 1951 gegründete Hammerschmiede Hans van Triel Insolvenz an.

Ende 2015 kaufte die britische IPP-Gruppe die Firma, um sie als „IPP van Triel GmbH“ fortzuführen. Van Triel war zuvor Zulieferer für IPP. 50 Mitarbeiter wurden übernommen, 40 wechselten in eine Transfergesellschaft .

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