Organisierte Kriminalität

Drogenrazzia: Polizei schlägt in Essen und Gelsenkirchen zu

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Mittels einer Rampe hat eine SEK-Einheit die Mauer eines Firmengeländes an der Emscherstraße in Essen-Altenessen überwunden.

Mittels einer Rampe hat eine SEK-Einheit die Mauer eines Firmengeländes an der Emscherstraße in Essen-Altenessen überwunden.

Foto: Justin Brosch

Essen/Gelsenkirchen.  Über 400 Beamte sind am Dienstagabend im Einsatz gegen eine Brande von Drogenhändlern. SEK stürmt Firmengelände und durchsucht Wohnungen.

Mittels einer fahrbaren Riesen-Rampe überwindet eine schwer bewaffnete Spezialeinheit eine meterhohe Mauer an der Emscherstraße in Essen-Altenessen, seilt sich ab und stürmt ein dortiges Firmengelände: Polizei und Staatsanwaltschaft Essen haben am Dienstagabend gleich an mehreren Orten in der Stadt und auch in Gelsenkirchen zu einem massiven Schlag gegen die organisierte Rauschgift-Kriminalität ausgeholt.

Über 400 Beamte, mehrere SEK-Einheiten, Hundertschaften, ein Hubschrauber und ein Panzerwagen waren neben der Spezialrampe im Einsatz. Insgesamt elf Objekte, davon drei Gewerbehallen, in denen nach Erkenntnissen von Ermittlern Drogen im großen Stil umgeschlagen worden sein sollen, sowie acht Wohnungen mutmaßlicher Beschuldigter vor allem im Essener Norden standen auf der gerichtlich genehmigten Durchsuchungsliste der Einsatzkräfte. Um 21.02 Uhr twitterte die Polizei Essen: Der Einsatz werde sich vermutlich bis in die Nacht hinein ziehen.

Festnahmen kurz nach dem Start der Polizeiaktion

Unter anderem an der Emscherstraße und an der nahen Eickwinkelstraße hatte es bereits kurz nach dem Start der Polizeiaktion eine Reihe von Festnahmen gegeben. Es waren im Vorfeld „mehrere Haftbefehle“ erwirkt worden. Auch ein abgelegenes Haus mitten in einem Wäldchen an der Eickwinkelstraße wurde zum Ziel der Fahnder. Dort stießen sie auf mehrere Haustiere wie Hunde und Ziegen. Das Veterinäramt der Stadt Essen wurde alarmiert.

Wie es in einer ersten Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei hieß, handelt es sich um ein „umfangreiches Verfahren wegen des bandenmäßigen Handelns mit Betäubungsmitteln und Verstoß gegen das Waffengesetz“.

Die Schwerpunkte der Durchsuchungen lagen in den Stadtteilen Altenessen, Katernberg und Kray. Ein Hubschrauber sicherte die Aktion aus der Luft, bei der Beamte der Staatsanwaltschaft, der Polizei, des Ordnungsamtes und des Zolls eingesetzt waren, um Beweis- und Tatmittel sicherzustellen sowie die Haftbefehle zu vollstrecken.

Hinweise auf eine Bewaffnung der Beschuldigten

Da im Vorfeld des Zugriffs Hinweise vorlagen, dass ein Teil der Beschuldigten gewaltbereit sein soll und zudem möglicherweise über Waffen verfügen könnte, wurden die Spezialeinsatzkräfte eingesetzt.

Nach dem Zugriff, der das Ergebnis von intensiven und monatelangen Ermittlungen ist, müssen nun die Durchsuchungsergebnisse ausgewertet werden. Eine Bilanz des Großeinsatzes ist erst in den nächsten Tagen zu erwarten, hieß es am Abend seitens der beteiligten Behörden.

Die Razzia vom Dienstagabend reiht sich eine in ganze Reihe von konzertierten Aktionen der Essener Strafverfolger gegen Drogenkriminelle in diesem Jahr: Im Januar fanden Ermittler, die in Borbeck und Freisenbruch ebenfalls mit Spezialeinheiten samt Panzerwagen, einem Hubschrauber und Hundertschaften angerückt waren, mehrere Dutzend Kilogramm mutmaßlicher Drogen, etwa 50.000 Euro Bargeld und eine Drogenplantage.

Waffenwerkstatt und Munition wurden entdeckt

Ein funktionsfähiges Sturmgewehr, ein Präzisionsgewehr sowie mehrere Handfeuerwaffen wurden ebenfalls entdeckt. Auch eine mutmaßliche Waffenwerkstatt und Munition konnten die Polizisten sichern. Fünf mutmaßliche Drogen- und Waffenhändler im Alter von 28 bis 48 Jahren wurden hinter Gitter geschickt.

Drei Monate später stellten Drogenfahnder rund 600 Cannabispflanzen bei einer Drogenrazzia auf einem Hinterhof an der Altendorfer Straße sicher. Drei Verdächtige wurden bei dem Zugriff vorläufig festgenommen. Ermittlungserkenntnisse aus einem weiteren Verfahren hatten zu diesem Zugriff geführt.

Schwunghafter Handel mit Marihuana und Kokain

Im Dezember des vergangenen Jahres war einer kriminellen Gruppierung aus mindestens acht Verdächtigen das Handwerk gelegt worden. Sie sollen einen schwunghaften Handel mit Marihuana und Kokain im dreistelligen Kilobereich überwiegend auf Essener Stadtgebiet betrieben haben.

240.000 Euro Bargeld wurden bei diesem Zugriff am 6. Dezember sichergestellt. Es konnten mehr als 70 Kilogramm Marihuana, über ein Kilogramm Kokain und über 100 Gramm Amphetamine aus dem Verkehr gezogen werden. Zudem fanden die Ermittler eine PTB-Waffe und einen Schießkugelschreiber.

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