Jazzkonzert

Django Bates in Essen: Großes Kino für anspruchsvolle Ohren

Hat viel mit Musik am Hut: Tastenkönner Django Bates.  

Hat viel mit Musik am Hut: Tastenkönner Django Bates.  

Foto: Nick White

Essen.  Spektakulärer Konzertabend: Django Bates und das Jugendjazzorchester sorgen für einen Weltklasse-Auftritt in der Essener Philharmonie.

Es ist der bedeutendste Durchlauferhitzer der heimischen Musikszene, das kurz BuJazzO genannte „Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland“. Dem Gastspiel in der Essener Philharmonie hätte man angesichts der überragenden Qualität der jungen Musiker mehr Publikum gewünscht.

Die Karriere etlicher Jazzstars hat in diesem Orchester begonnen

Nicht jedem, der dort seit 1987 spielte, ward Erfolg vergönnt. Aber so ziemlich jeder, der heute hierzulande ein Jazzstar ist, begann seine Karriere in dieser alterslosen Bigband. Denn alle zwei Jahre wechselt die Besetzung komplett, was immer wieder frischen Wind bringt. Die 64. Arbeitsphase des BuJazzO endete nun mit einem grandiosen, freilich verblüffend schwach besuchten Konzert in der Philharmonie.

Was der unglaublich souverän spielende Nachwuchs dort unter Leitung des britischen Tastenasses Django Bates präsentierte, war ganz großes Kino für anspruchsvolle Ohren. Denn in brillant inszenierten Arrangements gab es als „Forty Years Outside The Box“ ein überwältigend klangfarbenreiches Potpourri aus der Feder des 59-jährigen Tausendsassas.

Mal groovte es afrikanisch, mal wurde den Beatles gehuldigt

Der fütterte am Keyboard seine harmonisch oft schrägen, rhythmisch wilde Haken schlagenden Stücke mit flirrendem Irrwitz genüsslich an. Während sich Flöten an Trompeten rieben, Gitarre und Drums gleich im Doppelpack für Power sorgten und der obligate BuJazzO-Chor dem quirligen Vergnügen flächige Vokalisen auflegte. Mal groovte es afrikanisch, wurde „New York, New York“ zerfetzt, immer wieder Bates’ unbändiger Humor zelebriert, reihum in starken Soli jubiliert und gleich doppelt den Beatles gehuldigt.

Ein famoses Wechselbad großer Emotionen, strotzend vor raffinierten Details, die das BuJazzO mit reifem Selbstbewusstsein cool kredenzte. Nach gut zwei Stunden befand man atemlos staunend: Eine spektakulär orchestrierte Sternstunde opulenter Jazzkunst allererster Güte. Und hofft nun auf einen Tonträger von Django Bates mit dem formidablen BuJazzO, das an diesem Abend locker die globale Bigband-Elite toppte.

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