Stadtbibliothek

Direktor möchte Essener Stadtbibliothek auch sonntags öffnen

Zentralbibliothek im Wandel: Die chinesische Studentin Hu arbeitet an ihrem Laptop im Stillarbeitsbereich zwischen Büchern in der Essener Stadtbibliothek an der Hollestraße. Unser Bild entstand im April 2019.

Zentralbibliothek im Wandel: Die chinesische Studentin Hu arbeitet an ihrem Laptop im Stillarbeitsbereich zwischen Büchern in der Essener Stadtbibliothek an der Hollestraße. Unser Bild entstand im April 2019.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Bibliotheks-Stärkungsgesetz lässt die Sonntagsöffnung der Bibliotheken zu. Ihr Direktor begrüßt dies – und wird unterstützt von den Grünen.

In das starre Öffnungszeiten-Schema der Essener Bibliotheken kommt ordentlich Bewegung. Möglich macht dies das einstimmig vom Landtag verabschiedete „Bibliotheksstärkungsgesetz“, das die Ausleihe künftig auch an Sonntagen zulässt. Eine Liberalisierung, in der der Direktor der Essener Stadtbibliothek Klaus-Peter Böttger eine große Chance sieht. „Die Menschen haben sonntags mehr Zeit, daher begrüße ich persönlich die Sonntags-Öffnung.“

Wie der Direktor denken auch die Essener Grünen. In einem Antrag für den Kulturausschuss am 6. November machen sie sich für die Sonntags-Öffnung öffentlicher Bibliotheken stark. „Es wird Zeit, städtische Bibliotheken endlich mit Theater, Museen, Kinos und kirchlichen Bibliotheken gleichzustellen, die an Sonntagen geöffnet sind“, sagt Lisa Mews, kulturpolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion. Da dieser Schritt einen „erheblichen personellen und finanziellen Mehraufwand“ bedeute, sei die Stadt Essen auf die finanzielle Förderung des Landes angewiesen.

Klaus-Peter Böttger will nun prüfen, wie sich das Bibliotheksstärkungsgesetz en detail auf Essen anwenden ließe. Spontan schwebt ihm eine Öffnung am Nachmittag von 14 bis 18 Uhr vor. Neulich hat er auf einer Studienreise erfahren, wie es die niederländischen Nachbarn regeln. „Sie haben ihre Bibliotheken sogar an allen sieben Tagen in der Woche geöffnet.“ Ein anderes Beispiel dafür, dass es auch sonntags gut funktionieren kann, ist die Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin, eine der größten in Deutschland. Sie biete sonntags ein spezielles Familienprogramm an und habe an Nachmittagen 1500 Besucher im Haus. „Das zeigt, dass der Bedarf sonntags da ist“, schlussfolgert Böttger.

Ab Frühjahr 2020 öffnet die Zentralbibliothek auch montags – als „Open Library“

Im Falle der Sonntagsöffnung müsse man prüfen, welche Dienste die Bibliothek anbiete und ob sie mit eingeschränktem Personalaufwand zu stemmen sei. Zum Vergleich: An einem regulären Werktag mit neun Stunden Öffnungszeit von 10 bis 19 Uhr setzt die Zentralbibliothek (Gildehof, Hollestraße 3) im Publikumsdienst zwölf Mitarbeiter in zwei Schichten ein.

Auch ohne das Bibliotheksstärkungsgesetz werden die Öffnungszeiten in Essen ausgeweitet. Mit Einführung des digitalen Modells „Open Library“ im Frühjahr nächsten Jahres werde die Zentralbibliothek auch montags öffnen. Ohne Personal und mit automatisierter Dienstleistung können Essener ab 16 Jahren dann Bücher ausleihen.

Mit jährlich 1,1 Millionen Besuchern ist die Zentralbibliothek samt den angeschlossenen 16 Stadtteilbibliotheken zwischen Altendorf und Werden die am meisten besuchte Kultureinrichtung in Essen. In den letzten Jahren betrug das Besucherplus zwischen zwei und fünf Prozent. Die Zahl der Ausleihen liegt insgesamt bei knapp unter drei Millionen, davon entfallen 1,6 bis 1,7 Millionen allein auf die Zentralbibliothek an der Hollestraße.

Der generelle Trend: Während es mit den Besucherzahlen stetig bergauf geht, nehmen die Ausleihen ab. Klaus-Peter Böttger sieht darin keinen Widerspruch. Bibliotheken entwickeln sich seiner Ansicht nach immer mehr zu einem dritten Ort. „Die Leute kommen nicht nur zur Ausleihe in Bibliotheken, sondern um sich zu treffen oder um mit Medien zu arbeiten.“

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