Kriminalität

Diebe tricksen die Technik aus: Teure Autos in Essen geklaut

Beim Autodiebstahl bauen die Langfinger längst auf digitale Hilfsmittel.

Beim Autodiebstahl bauen die Langfinger längst auf digitale Hilfsmittel.

Foto: Kai Remmers

essen.   „Keyless Go“-Systeme: Polizei Essen meldet mehrere Diebstähle hochwertiger Autos im Süden der Stadt. In Sekundenschnelle sind die Wagen weg.

Keyless Go – das schlüssellose Schließsystem für Autos bietet nicht nur den Fahrern mehr Komfort, sondern auch Kriminellen: Noch nie war es offenbar so leicht, sich einen hochwertigen Wagen in Windeseile unter den Nagel zu reißen, um damit häufig auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

„Der Diebstahl von hochwertigen Autos mit Keyless-System ist ein zunehmendes Problem“, sagt Polizeisprecherin Judith Herold mit Blick auf die jüngsten Fälle, die den Essener Ermittlern gemeldet wurden: Neun teure Teslas, BMW und AMG Mercedes, teilweise im Wert jenseits von 100.000 Euro sind binnen weniger Wochen vor allem im Süden der Stadt mit einem denkbar simplen Trick gestohlen worden.

Binnen weniger Sekunden ist das Auto fahrbereit

Der basiert auf einem einfachen Funkwellenverstärker, der das Signal des „Schlüssels“ aus einem Haus oder einer Wohnung weiter transportiert. Der Sicherheitscode muss nicht wie früher von den Kriminellen entschlüsselt werden, sondern wird einfach aus dem Heim des Eigentümers bis zu seinem Auto verlängert. Der Wagen öffnet sich, als ob sich sein Besitzer nähert. Doch nun setzt sich der Dieb ans Steuer, der meist einen Komplizen zur Seite hat. Der hat kurz zuvor noch mit dem Funkwellenverlängerer so nahe wie möglich am Sender gestanden, während der zweite Kriminelle das durch die übermittelten Signale entsperrte Auto öffnete.

Binnen weniger Sekunden ist der Wagen in der Regel fahrbereit und die Täter mit ihrer hochwertigen Beute auf Rädern verschwunden. Möglichst schnell werden die geklauten Nobelkarossen über eine Grenze gebracht. Selbst von einem leeren Tank lassen sich die Gauner nicht mehr stoppen: Mittlerweile kann das für einen Neustart notwendige Keyless-Funksignal, das zuvor am Ort des Diebstahls empfangen wurde, gespeichert und beliebig oft wieder verwendet werden. Da spielt es keine Rolle mehr, dass der eigentliche „Autoschlüssel“ hunderte Kilometer weiter im Zuhause des Besitzers schlummert, für den meist erst am nächsten Morgen das böse Erwachen folgt – wenn er erfolglos nach seinem Auto sucht.

Autos aus Einfahrten und von Straße gestohlen

Dem kann man vorbeugen: Die Polizei empfiehlt, den Signalgeber mehrfach mit Alufolie zu umwickeln oder in eine Metallbox zu packen, um das Funksignal nicht nach außen dringen zu lassen. Wer mehr Sicherheit will und eine Garage zur Verfügung hat, sollte seinen Wagen nicht einfach auf der Straße abstellen. Denn gestohlen wurden vor allem Autos, die in einer Einfahrt oder im öffentlichen Raum standen.

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