Städtepartnerschaft

Die „Vereinten Nationen“ von Tel Aviv zu Gast in Essen

Deutsch-israelische Begegnung (v.l.): Lara (19) besucht die Unesco-Schule in Essen, Joshua (16) und Maria (15) kommen aus der Partnerschule in Tel Aviv.

Deutsch-israelische Begegnung (v.l.): Lara (19) besucht die Unesco-Schule in Essen, Joshua (16) und Maria (15) kommen aus der Partnerschule in Tel Aviv.

Foto: Julia Tillmann

Essen.   Sie kommen aus Israel, stammen aber aus 50 Nationen: Nun sind einige der Schüler in ihrer ebenso multikulturellen Partnerschule in Essen zu Gast.

Sie fühlen sich als Geschwister, tief verbunden, obwohl tausende Kilometer zwischen ihnen liegen: die Bialik Rogozin Schule in Tel Aviv und die Unesco-Schule im Essener Südostviertel. Nun reisten wieder zehn Schüler aus Israel nach Essen, werden gemeinsam mit ihren Gastgebern Stadt und Umgebung erkunden – „und hoffentlich viel Spaß haben“.

So sagen es Joshua (16) und Maria (15), die von älteren Mitschülern gehört hatten, dass der Trip ins Ruhrgebiet keine trockene Bildungsreise sei, sondern eine spannende Zeit verspreche. Es sei toll, mal einen anderen Kontinent kennenzulernen, neue Leute zu treffen, finden sie.

„Ich hoffe, dass sie einen guten Eindruck mitnehmen – und hier ihren Spaß haben werden“, sagt Lara (19), die zu den Gastgebern vom Unesco-Aufbaugymnasium gehört. Sie habe Fotos von den früheren Austausch-Reisen gesehen, begeisterte Berichte gehört und freue sich schon auf den Gegenbesuch in Tel Aviv.

„Unsere Lehrer sind oft Mutter, Vater, Psychologe, Arzt“

Man mag bemängeln, dass der Spaß so sehr im Vordergrund steht bei den Schülern. Man kann es aber auch einfach als Ausweis einer neuen Gelassenheit sehen: Diese Jugendlichen gehen unbefangen aufeinander zu, sie kennen die Geschichte, sehen sich aber nicht in erster Linie als Botschafter der Versöhnung. Sie tauschen sich aus über einen Alltag, ein Aufwachsen, das mehr Gemeinsamkeiten kennt als Gegensätze.

Denn beide Schulen haben einen hohen Anteil von Schülern aus Zuwanderer-Familien. Sie werden von Kindern besucht, die anfangs oft mit der neuen Sprache hadern, deren Eltern sich im neuen Land noch nicht zurecht finden oder mit der Ungewissheit leben, ob sie bleiben dürfen. „Unsere Schüler stammen aus 50 verschiedenen Ländern und für manche Schüler sind wir Mutter, Vater, Psychologe und Arzt“, sagt Alon, der an der Bialik Rogozin Schule unterrichtet und sich wie seine Kollegin Julia nur mit Vornamen vorstellt. Sie ist schon oft in Deutschland gewesen, besucht regelmäßig Berlin, wo es eine große israelische Community gibt.

Sie kommen gern nach Essen, obwohl Berlin cooler ist

Obwohl Essen mit dem Coolness-Faktor von Berlin schwerlich mithalten kann, schwärmen beide von ihrer Partnerstadt: Die sei ruhig, relaxed und grün. „Aber das Geheimnis, das die Freundschaft unserer Schulen ausmacht, sind die Menschen.“ Das würdigte auch Bürgermeister Rudi Jelinek, der die deutsch-israelische Delegation am Dienstag im Rathaus empfing. Durch die seit 1992 bestehende Städtepartnerschaft seien sich viele Menschen nähergekommen und besonders der Schüleraustausch trage „zur kulturellen Begegnung und Wertschätzung bei“.

>>> EINE WOCHE ZU GAST IN ESSEN

  • Die Schüler aus Israel sind eine Woche lang in Essen und machen in dieser Zeit auch einen Ausflug nach Köln. Am Samstag besuchen sie das Aalto-Theater – eine Führung, die der Freundeskreis Theater- und Philharmonie e.V. ermöglicht hat.
  • Die Schüler verständigen sich übrigens auf Englisch miteinander.

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