Voodoo-Kunst

Die Umzugspläne des Soul-of-Africa-Museums sind gescheitert

Henning Christoph präsentiert seine Sammlung derzeit auf viel zu kleinem Raum an der Rüttenscheider Straße.

Henning Christoph präsentiert seine Sammlung derzeit auf viel zu kleinem Raum an der Rüttenscheider Straße.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Standort für das Voodoo_Museum an der Martinstraße wird nun abgerissen. Sammler Henning Christoph hofft weiter auf eine Entscheidung der Stadt.

Fast acht Jahre dauert nun schon das Tauziehen um die Zukunft des Soul-of-Africa-Museums (SOA) in Rüttenscheid. Seither wurde für die herausragende Sammlung, die bislang auf kleinem Ausstellungsraum an der Rüttenscheider Straße gezeigt wird und das Lebenswerk des Essener Fotografen und Ethnologen Henning Christoph präsentiert, immer wieder ein Umzug an die Martinstraße in Rüttenscheid diskutiert. Doch nun scheint das Vorhaben endgültig vom Tisch.

Soul-of-Africa-Museum: Eine letzte Frist von Innogy ist abgelaufen

Denn auch bei RWE-Tochter Innogy, die SOA-Betreiber Christoph das ehemalige Schalthaus an der Martinstraße über Jahre als Museumsimmobilie freigehalten hatte, scheint man inzwischen die Geduld verloren zu haben. Eine letzte Frist, in der Innogy noch einmal um verbindliche Zusagen und klare Förder-Signale aus der Politik gebeten hatte, ist Ende Mai abgelaufen. Nun könnten bald die Bagger anrollen, um mit dem Bau der seit langem geplanten und notwendigen Trafostraße auf dem Gelände zu beginnen, erklärt Westnetz-Sprecherin Angie Kreutz.

Wohin mit den Göttern, Geistern und Ahnenfiguren?

Henning Christoph will den Rückzug von Innogy nicht kritisieren. Das Unternehmen habe jahrelang Geduld bewiesen und ihm das auffällig bemalte Schalthaus in Rüttenscheid zu besonders günstigen Mietkonditionen überlassen wollen. Umbaupläne waren in den vergangenen Jahren bereits vorgestellt und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden. Stiftungen hatten zumindest mehrere Hunderttausend für den Aufbau der Ausstellung zugesagt. Am Ende konnte seitens des SOA allerdings nicht einmal der zehnprozentige Eigenanteil der mit knapp einer Million bezifferten Umbaukosten aufgebracht werden, nachdem ein Sponsor abgesprungen war. Nun steht der 75-Jährige Afrika-Experte einmal mehr vor der Frage, ob das Aus an der Martinstraße das endgültige Ende aller Umzugspläne bedeutet. Oder ob die Suche nach einem neuen Platz für Mama Wati und all die anderen Götter, Geister und Ahnenfiguren aus Mali oder Kamerun noch einmal von vorne beginnt.

Schon seit Jahren wird neben der Rüttenscheider Immobilie schließlich auch ein möglicher Umzug in die Essener Nordstadt diskutiert. Befürworter des Projekts sehen dort weitaus bessere Chancen, Städtebaufördermittel für das ungewöhnliche Ausstellungsprojekt abzurufen. Der Plan, Fördermittel aus dem Investitionspaket „Soziale Integration im Quartier“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung nach Rüttenscheid zu lenken, ist zuletzt jedenfalls gescheitert. Es habe aus unterschiedlichen Gründen keine Bewilligung des Förderbescheids gegeben, heißt es seitens der Stadt.

Aus dem Museum soll ein Begegnungs- und Kulturzentrum Afrika werden

Henning Christoph will die Hoffnung nicht aufgeben, er hält das Soul of Africa-Museum in Tagen des Black Lives-Matter-Protestes für aktueller denn je und will sein Museum zu einem Begegnungs-, Informations- und Kulturzentrum Afrika erweitern. Vor allem will der betagte Sammler eines: „Endlich eine Entscheidung, ob Essen das Museum noch haben möchte oder nicht.“ Ansonsten, fürchtet nicht nur Grünen-Politiker Rolf Fliß, Mitglied im SOA-Kuratorium, könnten diese zahllosen, über Jahrzehnte zusammengetragene Exponate aus der Welt des Voodoo bald in verschiedenen Museen verstreut sein. „Wenn die SOA-Macher nicht so sehr an Essen hängen würden, wäre die Sammlung längst weg“, glaubt Fliß. „Das Ruhrgebiet verkennt einmal mehr seine Schätze.“

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