Turmuhr

Die Turmuhr am historischen Rathaus Heisingen tickt wieder

Hoch oben am Turm des Alten Rathauses haben Industriekletterer die restaurierte Uhr wieder angebracht.

Hoch oben am Turm des Alten Rathauses haben Industriekletterer die restaurierte Uhr wieder angebracht.

Foto: André Hirtz

Essen-Heisingen.   Nach jahrelangem Stillstand zeigt die Uhr am Alten Rathaus die Uhrzeit. Verzichtet wird auf das Glockenspiel: mit Rücksicht auf Nachbarn.

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Die Turmuhr am Alten Rathaus in Heisingen ist restauriert und dank neuer Uhrwerke voll funktionstüchtig: Seit Donnerstag, 20. September, 15 Uhr, zeigt sie wieder die richtige Uhrzeit an. Ein Zustand, den es zuletzt vor rund 40 Jahren gegeben habe, erinnern sich manche Heisinger. Jetzt waren Industriekletterer im Einsatz, um gut gesichert die Ziffernblätter, Uhrwerke und Zeiger hoch oben anzubringen. Die Stadt übernahm die Kosten von rund 10 000 Euro.

Eine Rathausuhr, die tatsächlich auch die Uhrzeit anzeigt, das wünschten

sich die Heisinger schon lange in ihrem Dorf. An ihrer Seite wussten sie Bürgerschaft und auch Politik – dennoch passierte lange nichts. Für die Reparatur der Uhr machten sich dann vor allem Bezirksbürgermeister Manfred Kuhmichel und Bezirksvertreter stark. Vor knapp einem Jahr stellte die SPD den Antrag, die Stadt möge die Kosten für eine Wiederherstellung ermitteln.

Zeiger der Turmuhr waren beschädigt

Handeln musste die Stadt ohnehin, nachdem festgestellt worden war, dass die Zeiger der Turmuhr beschädigt sind und herabfallende Teile Passanten verletzten könnten. Die Uhr wurde also abgenommen. Diese aus Sicherheitsgründen einfach nicht wieder aufzuhängen, war keine Alternative, denn das Rathaus ist denkmalgeschützt. Die Turmuhr war bei dem Bau von 1910/11 von Anfang an vorgesehen, so dass ein Turm ohne Uhr nicht mehr den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprochen hätte.

Also landete die Turmuhr beim Borbecker Unternehmen Zeitdienst Sorge, das unter anderem spezialisiert ist auf Groß- und Industrieuhren. Die Mitarbeiter warten, reparieren und restaurieren viele historische Uhren deutschlandweit: „In Essen waren es unter anderem die Uhr am Schloss Borbeck oder auch die am Deutschlandhaus“, nennt Vertriebsleiter Günter Budzyn Beispiele, zu denen nun auch die Heisinger Rathausuhr zählt.

Ursprüngliche Bemalung entdeckt

Das Spannende bei der Restaurierung war, dass die Experten beim Abtragen der Oberfläche des Ziffernblattes die ursprüngliche Bemalung entdeckten. „Diese muss nach dem Zweiten Weltkrieg übermalt worden sein“, vermutet Günter Budzyn. Also musste erneut das Denkmalschutzamt hinzugezogen werden. Der Experte empfahl, den Ursprungszustand herzustellen und lobt die kooperative Zusammenarbeit mit dem städtischen Hochbauamt und auch der Denkmalbehörde während der Restaurierungsphase. Die Kosten habe der neue Auftrag nur unwesentlich erhöht. Das Ergebnis: Das Ziffernblatt – mit einem Durchmesser von 1,53 m – wurde nicht nur entrostet und grundiert, es hat auch seine anfänglichen Elemente wie die Kreise um die Zahlen wieder.

Verantwortlich für die Arbeitsschritte und auch für die Montage und Inbetriebnahme war Systemtechniker Kevin Löbbert vom Zeitdienst Sorge, der zunächst vom Boden aus beobachtete, wie die Kletterer die jeweils rund 30 Kilogramm schweren Ziffernblätter an Vorder- und Rückseite des Turmes platzierten. Es folgten die rund ein Meter langen Zeiger und die neuen Uhrenwerke. Diese sind ausgetauscht worden, da es die deutlich günstigere Variante gewesen ist.

Theoretisch funktioniert das Glockenspiel

Nun können die Heisinger die Uhrzeit am Alten Rathaus endlich wieder ablesen. Hören werden sie allerdings nichts, auch wenn einige auf das schöne Glockenspiel hofften. „Technisch könnte die Uhr wieder schlagen, ob stündlich oder vier Mal jede Stunde“, sagt Günter Budzyn. Mit Rücksicht auf die Nachbarn wird darauf jedoch verzichtet.

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