Vierlinge

Die süßen Vierlinge aus Essen feiern ihren ersten Geburtstag

Gruppenbild mit Vierlingen (v.l.): Vater Muhammad, Mutter Farah, Großmutter Rihab und Großvater Mouin sitzen mit Massa, Imad, Taim und Jad auf der Couch. Am 27. November feiern die Kinder ihren ersten Geburtstag.

Gruppenbild mit Vierlingen (v.l.): Vater Muhammad, Mutter Farah, Großmutter Rihab und Großvater Mouin sitzen mit Massa, Imad, Taim und Jad auf der Couch. Am 27. November feiern die Kinder ihren ersten Geburtstag.

Foto: Fabian Vogel / FUNKE Foto Services

Essen.  Vor einem Jahr kamen in Essen Vierlinge zur Welt. Das Mädchen und seine drei Brüder haben sich prima entwickelt und feiern jetzt Geburtstag.

Die Klingel im Haus ist defekt, die Tür steht weit auf im Mehrfamilienhaus am Von-Ossietzky-Ring 23 im Hörsterfeld in Essen. Insgesamt 32 Parteien wohnen hier unter einem Dach. Im dritten Stock hat die aus Palästina stammende Familie Manzlawi-Taraboulsi zu siebt ein Zuhause auf knapp 80 Quadratmetern. Auf dem flauschigen Wohnzimmerteppich liegen Imad, Jad, Taim und Schwesterchen Massa und strampeln munter mit Armen und Beinen. Alle strahlen. Stolz blicken Mutter Farah Manzlawi (25) und Ehemann Mohammed Taraboulsi (29) auf die Jüngsten. „Sie haben sich gut entwickelt“, sagt der Vater. „Alle sind gesund.“

Die erste Zeit mussten die winzigen Babys auf der Intensivstation verbringen

Am 27. November 2019 kamen die Frühchen um 13.07 Uhr, 13.09 Uhr, 13.10 Uhr und 13.11 Uhr zur Welt. Ein Team von etwa 30 Mitarbeitern, darunter fünf Kinderärzte, Kinderschwestern und Pfleger, standen im Elisabeth-Krankenhaus parat. Dariusz Michna, Chefarzt der Klinik für Neu- und Frühgeborene, erinnert sich gut an diese so besondere Geburt und die ersten kritischen Tage der Babys. Zunächst mussten die zwischen 1120 und 1480 Gramm leichten Kinder beatmet werden. Auf der Intensivstation der Klinik für Neu- und Frühgeborene wurden die Vierlinge einige Wochen in Wärmebettchen versorgt und über Magensonden ernährt. Ein Jahr später wiegen sie je knapp neun Kilo.

Inzwischen trinken die Kleinen selbstständig Milch aus ihren Fläschchen, essen erste Frucht- und Gemüsebreie. „Die kochen wir selbst“, sagt Hala Taraboulsi (38). Die ältere Schwester von Mohammed Taraboulsi ist dreifache Mutter und wohnt eine Etage höher. Sie hilft im Haushalt des Bruders mit und unterstützt die Schwägerin bei der Kinderpflege. Rital, die dreijährige Schwester der Vierlinge mag es, wenn die Tante mit ihr spielt. „Die Kleinen verlangen viel Aufmerksamkeit“, erklärt Mohammed Taraboulsi. „Das ist nicht immer leicht für sie.“ Oft müsse das Mädchen zurückstecken. Rital spricht bisher nur Arabisch, Kontakt zu deutschen Kindern hat sie wenig. „Leider haben wir keinen Kindergartenplatz bekommen“, bedauert ihr Vater. Nachfragen beim Jugendamt seien erfolglos verlaufen.

Die große Schwester musste ihr Kinderzimmer an die Vierlinge abtreten

Wegen Corona sei ohnehin alles schwieriger. Auch was mögliche Sprachkurse für Farah Manzlawi angeht, die vor sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland flüchtete und aus Palästina stammt. Im Gegensatz zu ihrer Schwägerin mit B1-Level im Kurs, kann sich die Mutter der Vierlinge kaum auf Deutsch verständigen.

Zwischen den drei Brüdern in den hellblauen Strickanzügen wirkt die kleine Massa ganz in Rosé wie eine Prinzessin. Nach dem Trinken robben die Babys vom Teppich auf das graue Stoffsofa zu. Sie versuchen sich, mit den Händchen am Rand hochzuziehen. Rital schaut interessiert zu. Auch sie hat sich schick gemacht mit einem glitzernden Party-Hütchen im Haar für den Besuch zum ersten Geburtstag der Vierlinge. Sie schlafen in Ritals früherem Zimmer in drei Reisebettchen nebeneinander. Das vierte steht bei den Großeltern, die abwechselnd immer ein Baby zu sich nehmen. Rital musste ins Elternschlafzimmer umziehen, wo sie ein eigenes Bett hat. Ihre Spielsachen stehen noch bei den Jüngsten. Sie zeigt uns das pinke Dreirad an der Tür. „Damit fährt sie gern herum“, sagt ihre Tante, Hala Taraboulsi.

Ein Ausflug der ganzen Familie ist kaum möglich

Gemeinsame Ausflüge zu siebt unternimmt die Familie selten. Sollen alle Kinder nach draußen, braucht es etwa zwei Stunden Vorbereitung. Ein Auto und genügend Kindersitze besitzt die Familie. Wenn endlich alle angezogen sind, komme oft in letzter Minute ein Windelwechsel dazwischen. Apropos: Bei den Drogeriemärkten in Steele ist die Familie seit einem Jahr Stammkunde. Rund 16 Windeln pro Tag verbraucht das Quartett. Die Waschmaschine und der Trockner in der Küche laufen täglich.

Auch wenn das junge Elternpaar seit einem Jahr weniger und unruhiger schläft, die Kinder altersgemäß oft weinen oder schreien – sein reicher Kindersegen bringt es nicht aus der Ruhe. Die Verwandtschaft sei immer da und eine Riesen-Hilfe. „Darüber sind wir sehr froh!“, betont Mohammed Taraboulsi. Er arbeitet nach wie vor als Pizzabäcker in Horst. Noch reiche der Platz in der Wohnung . Doch spätestens zum zweiten Geburtstag der Kleinen würde die Familie gern umziehen. Am liebsten ins Grüne, wo die Kinder viel draußen spielen können.

Den ersten Geburtstag will die Familie in Corona-Zeiten privat feiern. Im Wohnzimmer steht bereits eine Eins aus bunten Luftballons. Rital freut sich schon auf leckere Sahnetorte und Süßigkeiten. Dazu sind Tante Hala und die Großeltern Rihab und Mouin natürlich auch eingeladen.

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