Musik-Komödie

Die „Spice Boys“ im Stratmanns: Wenn Idole älter werden

Dreiviertel der „Spice Boys“ bei den Proben: Mariano Skroce, Frank Rafael Bosse, Sebastian Hartgenbusch (v.l.) in der gleichnamigen Komödie. Fotos:Ulrich von Born

Dreiviertel der „Spice Boys“ bei den Proben: Mariano Skroce, Frank Rafael Bosse, Sebastian Hartgenbusch (v.l.) in der gleichnamigen Komödie. Fotos:Ulrich von Born

Essen.   Die musikalische Komödie „Spice Boys“ startet in Stratmanns Theater. Autor Nadeem Ahmed erinnert an die Jugend in den 1990er Jahren.

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Es war das Jahrzehnt der Wiedervereinigung, des Musikfernsehens und der Boygroups. Den Idolen der Mädchenherzen hat Autor und Regisseur Nadeem Ahmed nach „Kopfball, Flanke, Tor“ eine musikalische Komödie in Stratmanns Theater gewidmet und sie nach den Spice Girls „Spice Boys“ genannt.

Ganz ehrlich: Weder Nadeem Ahmed noch Theaterchef Philipp Stratmann, beide frische 40, haben sich in ihrer Jugend für gecastete Talente wie die Backstreet Boys interessiert. Der eine stand auf Guns N’ Roses oder Salt ‘n’ Pepa, der andere bevorzugte ausschließlich Hardrock. Allerdings blieb der Kontakt durch die damaligen Freundinnen oder Ahmeds Schwester, die Take-That-Fan war, unvermeidlich. Jetzt gesteht er: „Das war super gemachte Musik. Aber wenn die lief, waren wir abgeschrieben.“ Philipp Stratmann hat ähnliche Erfahrungen gemacht und singt seit dem Probenstart der neuen Produktion laut mit.

Wie war es damals und heute mit dem schnellen Erfolg?

Tief ist Nadeem Ahmed dafür in die 1990er Jahre eingetaucht und hat 14 Ohrwürmer ausgesucht. Live sind „Back For Good“ „I Want It That Way“ oder der Klassiker „Step By Step“ zu hören. Drum herum erzählt er die Geschichte einer einst bekannten Boygroup, die sich wegen einer Liebesgeschichte entzweit hat. Obwohl die Zeit nicht spurlos an den Jungs vorübergegangen ist, wollen sie 20 Jahre später ihr Comeback auf einem YouTube-Kanal wagen. „Für mich ist es spannend zu zeigen, wie es damals war und heute ist mit dem schnellen Erfolg“, erklärt Ahmed.

Eitelkeiten, Eigenheiten und Befindlichkeiten machen das Unterfangen nicht leichter. Alex will immer im Mittelpunkt stehen. Diego strebt mit seinem Tamagotchi ins Guinnessbuch der Rekorde. Sam leidet noch unter dem Streit um die ausgespannte Freundin. Und Ben möchte beweisen, dass er selbst mit 42 sexy sein kann. Die Komik des Stücks zieht der Autor aber nicht aus der Überzeichnung der Figuren. „Es ist mir wichtig, dass es nie klamaukig wird. Die Jungs sollen natürlich auf der Bühne sein“, erklärt er. Für Lacher sollen Situationskomik und Erinnerungen an Moden und Technik sorgen, die einem heute absurd vorkommen.

Die Darsteller müssen also echte Alleskönner sein. Spielen, tanzen und singen sind für Christian Bartels und Frank Rafael Bosse, beide aus Stratmanns Ensemble, sowie die Neuankömmlinge Sebastian Hartgenbusch und Mariano Skroce kein Problem. Fast alle waren schon in Musicals engagiert und bringen Attraktivität wie altersbedingte Defizite für die Rollen mit.

Der Wiedererkennungseffekt steht bei den „Spice Boys“ klar im Fokus, nicht das Alter der Zuschauer. „Wenn sie dann noch wie bei ,Welcome Elvis’ mitsingen“, sagt Philipp Stratmann, „geht mir das Herz auf.“

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