Kunst im öffentlichen Raum

Die Plastik „Das Tuch“ bereichert den Skulpturenpark Kettwig

Strahlt trotz der Schwere des Materials Leichtigkeit und Bewegtheit aus: Norbert Pielsticker mit seinem Objekt „Das Tuch“.

Strahlt trotz der Schwere des Materials Leichtigkeit und Bewegtheit aus: Norbert Pielsticker mit seinem Objekt „Das Tuch“.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Kettwig.  Die Plastik „Das Tuch“ von Norbert Pielsticker wurde der Öffentlichkeit übergeben. Mehr über das neue Objekt des Kettwiger Skulpturenparks.

„Was lange währt, wird endlich gut.“ Dieser alte Sinnspruch trifft es sicher am besten, wenn von der Skulptur „Das Tuch“ die Rede ist. Am Freitagnachmittag wurde das Kunstwerk von Norbert Pielsticker offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Die vier Meter hohe Plastik aus Gusseisen steht auf der ehemaligen Bleichwiese direkt zwischen Mühlengraben und Promenadenweg – als Erinnerung an die Tuchmachervergangenheit des Ortes. Der Skulpturenpark Kettwig, der eigentlich mehr einen Skulpturenpfad entlang der Ruhr und im historischen Stadtkern darstellt, ist damit wieder um ein Kunstwerk reicher geworden.

Mehr als 80 Förderer ermöglichten die Realisierung des Projektes

Ein Kunstwerk, das viele Förderer hat. Neben der Bezirksvertretung IX, die die letzten 3800 Euro dazu gegeben hat „und damit den Spendensack zugemacht hat“, wie es Heinz Schnetger als Schirmherr des Skulpturenparks am Freitag formulierte, sind es vor allem an die 80 Einzelpersonen, Firmen und Institutionen, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Pielstickers künstlerische Idee finanziert und in den vergangenen Monaten umgesetzt werden konnte.

Seit nunmehr 2016 wirbt der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) Kettwig unter dem Motto „Zwei Neue für Kettwig“ darum, den Bestand des Skulpturenparks mit seinen 14 Objekten zu erweitern. 50.000 Euro sind pro neuem Objekt angesetzt. Mehrere Benefizkonzerte, Spendenaktionen und letztlich der Erlös von zwei Kunstauktionen im Alten Bahnhof Kettwig versetzten den Heimat- und Verkehrsverein schließlich in die Lage, eines der Kunstwerke zu realisieren.

Neben Pielstickers „Das Tuch“ soll später noch das Objekt „Fisch vermählt“ von Miriam Giessler und Hubert Sandmann als Kunst im öffentlichen Raum wirken. Vorgesehen ist ein Standort an der Ruhrbrücke. Doch da demnächst die Brückensanierung ansteht, wurde zunächst die gusseiserne Skulptur von Norbert Pielsticker in Angriff genommen.

Das Aufstellen der Skulptur war eine kniffelige Angelegenheit

Dass dies gar nicht so einfach zu bewerkstelligen war, daran erinnerte Peter Marx vom HVV am Freitag – und dankte den beteiligten Unternehmen. Nicht nur das Aufstellen des vier Meter in die Höhe ragenden Objektes durch den Baumdienst Skibba sei eine Maßarbeit gewesen, auch das Erstellen des Fundaments habe seine Tücken gehabt. Das Team von Rainer Alt Bauunternehmung habe aber schnell eine Lösung parat gehabt: Ein separater flacher Pumpwagen und 70 Meter Schlauch transportierten schließlich den Beton vom Promenadenweg aus durch den Fußgängertunnel passgenau in die vorbereitete Grube auf der Wiese.

Künstler Norbert Pielsticker hatte zuvor jeden Schritt der Entstehung seines Kunstwerkes begleitet. Nach einem nur wenige Zentimeter großen Formstück war in der Duisburger Modellfabrik per 3-D-Animation die Vorlage für ein Styropormodell in der späteren Originalgröße erstellt worden. Dies wurde dann präzise ausgefräst.

Ein aufregender Moment für den Künstler

Dieses fragile Stück konnte später in der Krefelder Gießerei Siempelkamp in eine Form mit Quarzsand eingebracht werden. Die Form wurde mit flüssigem Eisenerz aufgefüllt, wobei das Styropor verbrannte. Mehrere Tage dauerte es dann noch, bis das Werkstück so runtergekühlt war, dass es aus der Form befreit werden durfte. Ein für den Kettwiger Künstler sehr aufregender Moment, wie er unserer Redaktion erzählte.

Nun am Freitag wirkte Norbert Pielsticker nach all der Anspannung der vergangenen Wochen gelöst. Im Plauderton berichtete er den auf der Bleichwiese versammelten Freunden und Gönnern von der Sympathie zum stählernen Material: „Mein Vater war Gießer und in den Ferien habe ich natürlich viel Zeit in der Fabrik verbracht.“ Zu erleben, wie aus einer auf Papier gezeichneten Idee ein großes Kunstwerk wird und die Zusammenarbeit mit den Beteiligten habe ihm richtig Spaß gemacht.

Dem Publikum gab er mit auf den Weg: „Das Kunstwerk ist selbsterklärend. Sie müssen nun damit klar kommen. Ich hoffe, Sie haben genauso viel Spaß damit wie ich.“

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