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Die perfekte Strecke für winterliche Fahrradtouren in Essen

Unser Radreporter Martin Spletter empfiehlt: Sachte treten, lange rollen lassen, keine abrupten Lenk- und Bremsmanöver - so kommt man auch über Schnee und Eis.

Unser Radreporter Martin Spletter empfiehlt: Sachte treten, lange rollen lassen, keine abrupten Lenk- und Bremsmanöver - so kommt man auch über Schnee und Eis.

Foto: Olaf Fuhrmann

Essen.   Unsere Radtour des Monats: Warum sich Essens alte Bahntrassen so gut für Radfahrten eignen – selbst bei Eis und Schnee. Und was ärgerlich ist.

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Im Winter Fahrrad fahren? Darauf kann es nur eine Antwort geben, und die heißt: Ja! Natürlich brauchen Sie vernünftige Handschuhe und eine Mütze unterm Helm. Ansonsten sind Essens alte Bahntrassen wie gemacht für Winter-Touren, denn sie haben sachte Kurven und kaum Steigungen. Das heißt, man kann auch bei Eis und Schnee fahren. Sie müssen einfach rollen lassen und auf abrupte Lenk- und Brems-Manöver verzichten. Dann passiert auch nichts.

Skurrile Stadtlandschaften – hinter der A42 tut sich die Schurenbachhalde auf

Radfahren bei eisiger Kälte

Fahrradfahren bei eisiger Kälte: Rad-Reporter Martin Spletter hat den Wintertest gemacht und ist 40 Kilometer durch Essen gefahren.
Die perfekte Winter-Radtour durch Essen

Unsere Rundtour starten wir in Altenessen-Süd. Die Helenenbahn-Trasse, die am Kaiser-Wilhelm-Park entlangführt, liefert erste gute Aussichten auf die Stadt, denn sie liegt tatsächlich erhöht auf einem Damm. Noch ein Vorteil am Winterradeln: Das Grün links uns rechts ist licht, die Trassen bieten in dieser Jahreszeit mehr Ausblicke als üblich. In Altenessen-Nord wird es dann einigermaßen skurril, weil wir hautnah erleben, wie die A42 die Stadtlandschaft zerschneidet. Kaum drunterhergefahren, erschließt sich die Schurenbachhalde in ihrer vollen Schönheit – der Weg an der Nordseite entlang ist komplett zugefroren, hier kommt nie Sonne hin. Wer jetzt Angst hat, mit dem Rad auf dem Eis auszurutschen, kann sicherheitshalber auch etwas Luft aus den Reifen lassen – für mehr Haftung.

Der Nordsternweg gehört sicher zu den interessantesten Routen

Der Nordsternweg, der hier beginnt, gehört sicher zu den interessantesten Routen im gesamten Stadtgebiet. Wir rollen unter wuchtigen Güterbahnbrücken entlang und schauen auf unendliche Kleingartenkolonien. Wir staunen über die Zechenhäuser der Meerbruchstraße, die wie gemalt in der Wintersonne liegen. Es gibt so viele Quartiere hier, die museale Romantik ausstrahlen, bis uns der Zollverein-Weg direkt an Schacht 3/7/10 entlangführt.

So ein markantes Fördergerüst, bildschön, wieso ist das eigentlich so viel weniger berühmt als der große Bruder, Schacht 12? Hier sind der „Handwerkerpark“ und das Mitmach-Museum „Phänomania“ beheimatet. Und noch so eine unbekannte Schönheit: Katernbergs Kraspothstraße ist gesäumt von Zechenhäusern, „Vierspänner“, wie sie in Fachdeutsch heißen, sie stehen in Reih’ und Glied.

Ein Ärgernis: freilaufende Hunde. Denn sie gehören auf Radwegen angeleint

Schnurgerade führt der Zollvereinweg von Nord nach Süd und schließt im Schatten des Mechtenbergs in Kray an die Kray-Wanner Bahn an, die wir auf unserer Rundtour nur kurz streifen. Am Tag unserer Fahrt ist dies übrigens die einzige Stelle, die tatsächlich gestreut ist – aber, wie gesagt: Wer vorausschauend fährt, kommt auf den Bahntrassen auch ohne Winterdienst aus. Es sei denn, die freilaufenden Hunde, die auch auf Radwegen angeleint gehören, kommen einem in die Quere – ein Ärgernis!

Ab Kray hat unsere Rundtour dann eine große Lücke – es gibt keine Trassenverbindung bis nach Freisenbruch, wir wurschteln uns so durch. Überhaupt empfiehlt sich, diese Tour ausschließlich mit Karte zu fahren, denn die Trassen, vor allem deren Zugänge, sind nur selten klar gekennzeichnet. Selbst mit Karte ist’s nicht immer leicht.

Ohne Karte ist diese Tour schwierig zu fahren – selbst mit Karte sucht man manchmal

Die Veltenbahn zum Beispiel, die an der Alleestraße in Freisenbruch beginnt – die muss man auch erst mal finden. Dabei führt sie ausgesprochen hübsch durch Waldgebiet in Horst bis ganz hinunter nach Steele, von dort weist die Ruhr den Weg. Die Wintersonne glitzert auf dem Wasser, das Ruhrtal schillert in zartem Raureif – Radfahren ist auch immer ein bisschen Urlaub vor der Haustür. Von hier ist es jetzt ein Leichtes, über die Grugatrasse weiterzufahren, erstmals wird es etwas anstrengend, denn in Richtung Westen steigt sie ganz sachte an.

Wie unser Fazit aussieht

Wir lassen die Grugahalle links liegen, fahren weiter über die Stadtgrenze nach Mülheim-Heißen, bis die Strecke in Frohnhausen an die Trasse Rheinische Bahn anschließt. Dort geht es zurück in Essens Mitte, an der Uni im Nordviertel endet unsere Rundtour.

Fazit: Auf alten Trassen die Heimat neu entdecken – kein schlechter Plan für die kalten Monate.

>> ESSEN, DEINE BAHNTRASSEN: EINE ÜBERSICHT

  • Die Populärste: Die Gruga-Trasse gilt als besonders beliebte Strecke, weil sie sehr praktisch den Westen mit dem Osten verbindet. Führt von Steele an der Ruhr über Bergerhausen und Rüttenscheid bis nach Mülheim-Heißen. Die Trasse ist jedoch arm an interessanten Aussichten. Leicht ansteigend nach Westen hin.
  • Die Jüngste: Die „Rheinische Bahn“ verbindet die Uni über Altendorf bis nach Mülheim, mit direktem Abzweig nach Borbeck. Sie gibt es seit 2010 und gilt als Referenz, weil sie ein Teilstück des gesamten RS1 werden soll, dem Radschnellweg von Duisburg bis Hamm.
  • Die Kurze: Der Helenenbahndamm läuft am Kaiser-Wilhelm-Park in Altenessen entlang. Gute Möglichkeit, komfortabel von Altenessen-Süd bis zur berühmten Schurenbachhalde zu gelangen.
  • Die Unbekannte: Die Veltenbahn verbindet Freisenbruch mit Steele. Erst kürzlich mit Asphalt ausgelegt, benannt nach „Fett Velten“, einem früheren Industriebetrieb.
  • Die Interessante: Der Nordsternweg führt von der Schurenbachhalde bis nach Zollverein, liefert tolle Aussichten in Katernberger Quartiere.
  • Die Schnelle: Der Zollvereinweg führt schnurgerade durch Schonnebeck nach Kray. Sehr gut zu fahren.
  • Die Kurvige: Die Kray-Wanner Bahn liegt am Mechtenberg. Wichtig auch als Zubringer nach Bochum.

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