100 Jahre Polizeipräsidium

Die Nachkriegszeit begann mit dem Schutz vor Plünderungen

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Essen. „Die in Groß-Essen verbliebenen Angehörige der Schutzpolizei einschließlich Polizei-Reserve melden sich sofort im Rathaus Essen bei Major Bergau.” Mit diesem Ukas des amerikanischen Militärkommandeurs begann im April 1945 die Nachkriegsgeschichte der Essener Polizei.

Einsatzschwerpunkte der ersten Jahre waren die (meist vergebliche) Bekämpfung des Schwarzmarktes, der Ernteschutz vor Plünderern und die Bewachung von Parteigrößen, die die Straßen räumen mussten. Die Entnazifizierung der Polizei, in den ersten Nachkriegsjahren lief lasch: Polizisten wurden überwiegend als Mitläufer eingestuft. Treppenwitz der Ortsgeschichte: Der Polizist Karl Schilling, Naziopfer im KZ Buchenwald, wurde aussortiert. Die Kriminalräte Eweler und Bartsch dagegen, erweislich Mitglieder in SS und SD, wurden wieder eingestellt. Beide stiegen in den 50-er Jahren bis zum Kripochef auf.

1953 wurde Hermann Knoche Essens erster Polizeipräsident in der neu strukturierten Landespolizei. Ab 1960 wurden die Funkstreifen eingeführt und die Polizeireviere durch sechs Schutzbereiche abgelöst. Heute ist die Polizei in vier Inspektionen sortiert: Nord, Mitte, Süd und (seit 2007) Mülheim.

Siebziger waren die Jahre der Spezialisierung

Die 70-er Jahre waren das Jahrzehnt der Spezialisierung nach dem „Deutschen Herbst” 1977, in der die Essener Polizei die Spezialeinheiten SEK, MEK und Verhandlungsgruppe aufbaute und für den Einsatz überall in NRW vorhielt. In den 80-er Jahren musste die Polizei den Besuch von Papst Johannes Paul II. und den Flugzeugabsturz in den Ruhrwiesen abarbeiten und geriet heftig unter öffentlichen Beschuss durch die Erschießung des 14-jährigen Kemal C., das Gladbecker Geiseldrama und die brutale Festnahme zweier Unbeteiligter nach dem Mord am Polizisten Adalbert Bach in Mettmann. Parallel dazu begann die erste von mehreren Organisationsreformen der Behörde, die in den 90-er Jahren in fast jedem Schutzbereich zu dem Stoßseufzer führte: „Lasst uns doch einfach nur unsere Arbeit machen!” 1994 geriet die Polizei durch den „Essener Kessel” beim EU-Gipfel in die Schlagzeilen.

Mit Polizeipräsident Michael Dybowski (1988 - 2000) begann in den 90-er Jahren auch die Ordnungspartnerschaft mit der Stadt, die allerdings erst 2001 so genannt wurde. Mit einem gemeinsamen Konzept aus Hilfsangeboten und Druck wurden soziale Pro-blemzonen wie der graue Automarkt ums Autokino oder die Drogenszene am Hauptbahnhof angegangen. Dieses Konzept setzte Polizeipräsident Herbert Schenkelberg (2000 - 2006) ebenso fort wie seine NachfolgerinStephania Fischer-Weinsziehr, die erste Frau an der Spitze des Präsidums.

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