Schul-Neugründung

Die kuriose Geschichte von Essens neuer, alter Realschule

Stefanie Brix leitet die neue Realschule an der Gelsenkirchener Straße. Es ist die frühere Schirrmann-Schule.

Stefanie Brix leitet die neue Realschule an der Gelsenkirchener Straße. Es ist die frühere Schirrmann-Schule.

Foto: STEFAN AREND

Essen.   Nach sechs Jahren als Zweigstelle hat die alte Schirrmann-Realschule in Essen ihre Eigenständigkeit zurückerhalten. Das ist bisher beispiellos.

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57 Jahre lang war sie eine eigenständige Realschule, dann sechs Jahre lang zur Zweigstelle degradiert – und jetzt ist der Neustart geglückt: Die frühere Richard-Schirrmann-Realschule gegenüber von Zollverein ist wieder eine selbstständige Realschule. Somit ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden in der ungewöhnlichen Geschichte des Hauses, die in prominenter Lage direkt gegenüber Zollverein liegt.

Faktisch handelt es sich um eine Neugründung – die neue, alte Realschule ist somit die jüngste ihrer Art im Stadtgebiet. Die letzte Neugründung einer Realschule ist 15 Jahre her – es war 2003 die Realschule Überruhr.

Der Vorgang ist mehr als ein Verwaltungsakt

Dieser bislang beispiellose Vorgang ist mehr als ein reiner Verwaltungsakt: „Man merkt den Schülern einen gewissen Stolz an“, sagt Essens Schuldezernent Muchtar Al Ghusain. Und eine neue Leiterin gibt es auch: Während am Montag im Schulgebäude noch die Handwerker unterwegs waren, erhielt Stefanie Brix ihre Ernennungsurkunde – zuvor leitete sie die Hauptschule Bischoffstraße (Altenessen), davor war sie lange an der Hauptschule Katernberg. „Der Norden Essens braucht gute Angebote für Schulplätze im Bereich der Sekundarstufe I“, sagt die Pädagogin. „Ich bin sicher, dass wir hier ein solches Angebot schaffen.“

Besonders im Norden sei es wichtig, dass es verhältnismäßig kleine Schulen gebe, in denen Lehrer eine entsprechend persönliche Bindung zu den Kindern und Jugendlichen aufbauen könnten. Die neue, alte Realschule beschäftigt derzeit etwa 20 Pädagogen, eine Sozialarbeiterin, und unterrichtet werden rund 370 Schüler.

Die frühere Richard-Schirrmann-Realschule hatte regelmäßig mit schlechten Anmeldezahlen zu kämpfen spätestens, als 1986 Schacht 12 von Zollverein dichtmachte. Im Jahr 2012 wurde sie zur Zweigstelle der Krayer Dinnendahlschule. Viele befürchteten, dass dies der endgültige Untergang sei – doch es war das Gegenteil: „Die Anmeldezahlen gingen in die Höhe, eine stabile Dreizügigkeit wurde erreicht, die pädagogische Arbeit konnte neuen Schwung aufnehmen“, attestiert Holger Heneweer von der Bezirksregierung. So ging der Plan von Stadt und Land auf, die Schule nicht gleich zu schließen, sondern mit einer so genannten „Dependance-Lösung“ einen Standort zu retten. Gleiches passierte übrigens 2016 mit der Kettwiger Realschule, die seitdem Zweigstelle der Einstein-Realschule (Rellinghausen) ist und nach allem, was man hört, gute Chancen hat, langfristig auch wieder selbstständig zu werden.

Idee: Schule soll „Realschule Zollverein“ heißen

Der Schriftzug „Dependance Dinnendahl-Realschule“ ist übrigens längst entfernt, derzeit heißt die neue, alte Schule „Realschule an der Gelsenkirchener Straße“. Das soll so nicht lange bleiben: Während sich Bezirkspolitiker bislang immer dafür ausgesprochen hatten, den alten Namen Schirrmann zu reaktivieren – so hieß der Gründer des Deutschen Jugendherbergswerks –, hat die Schule eine ganz andere Idee: „Realschule Zollverein“ könnte das Haus künftig heißen, seiner Lage wegen, direkt gegenüber des Weltkulturerbes. Eine Entscheidung steht aber noch aus.

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