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Die Kugeln der Essener Billardunion Nord 01 rollen wieder

Sie spielen Billard mit Leidenschaft: ) Heinz Wennmann (82 Jahre), Peter Tabor (59 Jahre,Vorsitzender) und Helga Wennmann (79 Jahre) stehen am Billardtisch im Vereinsheim in Vogelheim.

Sie spielen Billard mit Leidenschaft: ) Heinz Wennmann (82 Jahre), Peter Tabor (59 Jahre,Vorsitzender) und Helga Wennmann (79 Jahre) stehen am Billardtisch im Vereinsheim in Vogelheim.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Vogelheim.  Auf den Wiederbeginn der Saison freuen sich die Mitglieder der Billardunion Nord 01 aus Vogelheim. Bis 2019 war der Verein in der Bundesliga.

Corona hat auch der Billardunion Nord 01 die Saison vermasselt. Doch langsam kommen die roten, gelben und weißen Kugeln im Vereinsheim an der Vogelheimer Straße 104 wieder ins Rollen.

„Jetzt läuft alles wieder an, das Training und hoffentlich auch der Betrieb in den Ligen bei den Wettkämpfen“, sagt Peter Tabor. Der 59-Jährige ist ein alter Hase in der Sportart, aber längst nicht der Älteste des im Mai 2001 entstandenen Vereins. Drei Billard-Clubs aus Essen und Gladbeck hatten sich damals unter neuem Namen zusammengetan. Und gemeinsam etliche Erfolge eingefahren, auf Landes- und Bundesebene. Davon erzählen viele glänzende Pokale auf einem Regal über der Küchenzeile.

In der Billardunion wird Karambol gespielt

Sechs Billardtische mit blauem Wolltuch stehen den Mitgliedern im rund 200 Quadratmeter großen Raum fürs Training bereit. Der lange Raum im Hinterhof war früher Tanzsaal der Gaststätte „Sponheuer“, geführt von den Schwestern Gerti und Christine, als der Bergbau noch richtig groß war. „Die Theke stand am Wochenende voller Stauder“, erinnert sich Tabor. Erst Ende der 1970er rollten hier die ersten Bälle. Denn so werden die Kugeln auch genannt, die mit den Queues gestoßen werden. Aber nicht versenkt: Bei der Billardunion wird Karambol gespielt. Auf Tischen ohne Löcher.

„Billard ist nicht gleich Billard“, sagt Sportwart Ulrich Merten. Der 54-Jährige aus Holsterhausen war früher beim American Football aktiv. Seit 2002 schiebt er in der Freizeit lieber ruhig die weiße oder gelbe Kugel. „Bis 2014 war ich im Rüttenscheider Billardverein, der hat sich aber aufgelöst.“

Bekannte Billard-Spieler kommen aus Essen

Billard hat in Essen Tradition. „Ein Urgestein, im Norden unvergessen, ist Ernst Klein. Er war in allen Szene-Lokalen zuhause. Auch Helmut Groß aus Werden und Werner Crämer waren Essener Billard-Cracks“, so Tabor. Pool und Snooker seien hierzulande die bekannteren Billardvarianten, erklärt er. In Holland oder Belgien finde man fast in jedem Lokal einen Carambolage-Tisch, ebenso in Frankreich. Die Sprache des Billards ist ohnehin Französisch. Angefangen beim „Billard“ (bille= kleine Kugel), über den „Effet“ (Drall) bis hin zum „Queue“ (Stock). Auf internationalen Wettkämpfen sind die Ansagen oft auf Französisch. So bedeutet „Pour trois“ auf Deutsch „noch drei Punkte“.

Ganz im Essener Norden, an der Grenze zu Vogelheim, sind schon Sportler aus ganz NRW angetreten, ob im Einzel oder in Vierer-Teams. „Wir richten regelmäßig die Landesmannschaftsmeisterschaft Dreiband aus. Da waren bis zu 80 Leute im Saal.“ Tabor greift sein Queue. Ein Geschenk zum 50. Geburtstag – ein Modell aus Ahornholz, mit Intarsien verziert. Konzentriert peilt er die weiße Kugel an. Sie soll von der linken Tischecke zur rechten gelangen. Dort liegen der gelbe und der rote Ball. Mit einem „Klack“ rollt sie los.

Sportspezifische Abstands- und Hygieneregeln werden in Coronazeiten umgesetzt

Beim Karambol gilt es, mit dem Spielball die anderen beiden Kugeln nach bestimmten Regeln zu treffen. Beim „Dreiband“ etwa muss der Spieler seine Kugel so anstoßen, dass sie die beiden anderen berührt, aber auch dreimal an der Bande anschlägt, bevor sie den letzten Ball trifft. Klingt kompliziert und ist auch so.

„Erfolge stellen sich langsam ein. Man braucht schon Geduld“, weiß Heinz Wennmann, der in Altenessen seit „Ewigkeiten“ viel Freizeit verbringt. 1955 hat der gebürtige Gladbecker den Sport für sich entdeckt. „Mit Heinz kam das Billard“, fügt Ehefrau Helga hinzu. Sie teilt das Hobby seit Jahrzehnten mit ihm. Selbst spielt sie nicht, ist aber im Verein die gute Seele. Und kümmert sich um Getränke und Verpflegung, wenn nicht gerade Corona ist.

Die Billardtische werden für den Spielbetrieb vorgeheizt

Das Virus verlangt auch der Billardunion einiges ab. Im Dialog mit dem Essener Sportbund wurden sportspezifische Abstands- und Hygieneregeln umgesetzt. „Wer zu welcher Uhrzeit trainiert, muss derzeit in Listen festgehalten werden“, berichtet Tabor. Immer nur zwei dürfen an einem Tisch stehen und nur feste Paare gegeneinander spielen. Schnupperstunden gibt es nicht, aber Tabor hofft auf weitere Lockerungen.

Seit 2002 ist der IT-Berater „mit Begeisterung“ Vorsitzer der Billardunion. Über einen VHS-Kurs war er 1983 zum Billard gekommen. Jedes Mitglied hat rund um die Uhr Zugang zum Vereinsheim. Die Billardtische werden für den Spielbetrieb vorgeheizt. Alles perfekt, bis zum Outfit bei Wettbewerben. Das stammt aus den 1950er und 60er-Jahren, als Karambol-Billard noch in der Kneipe ums Eck zuhause war. Schwarze Hose, weißes Hemd mit Weste. So wollen sie bald wieder in Turnieren antreten, spätestens aber 2021. Dann feiern die Altenessener Billardsportler ihr 20-Jähriges.

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