15 Jahre Euro

Essener tauschten 2016 noch 2,2 Millionen Deutsche Mark um

Immer her damit: Gerd Wißing, Leiter der Bundesbank-Filiale an der Moltkestraße, beim Umtausch von D-Mark-Scheinen. Noch immer kommen täglich bis zu 20 Kunden und tauschen jeweils im Schnitt 443 D-Mark in Euro um.

Immer her damit: Gerd Wißing, Leiter der Bundesbank-Filiale an der Moltkestraße, beim Umtausch von D-Mark-Scheinen. Noch immer kommen täglich bis zu 20 Kunden und tauschen jeweils im Schnitt 443 D-Mark in Euro um.

Essen.  Eineinhalb Jahrzehnte nach Einführung des Euro kommen noch täglich gut 20 Kunden zur Bundesbank, um ihre alten Bargeld-Bestände zu wechseln.

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„Haste mal ‘ne Mark?“ – Den Spruch hat man in der Kettwiger Straße schon länger nicht mehr von Bettlern gehört, dabei könnten viele Essener darauf mit einem klaren „Und ob!“ antworten.

Auch eineinhalb Jahrzehnte nach Einführung des Euro kommen noch täglich durchschnittlich 20 Kunden in die Filiale der Bundesbank an der Moltkestraße 31, um hier ihre alten Bargeldbestände umzutauschen.

Nur bei der Bundesbank problemlos wechseln

Im vergangenen Jahr legte jeder von ihnen dabei „im Schnitt 443 D-Mark“ auf den Tresen, weiß Gerd Wißing, Filialleiter der hiesigen Bundesbank – dem einzigen Ort im Stadtgebiet, wo die Banknoten und Münzen noch ohne weitere Voraussetzungen eingetauscht werden können.

Zwar hat die eingetauschte Summe im Vergleich zum Vorjahr von 2,5 auf 2,2 Millionen D-Mark spürbar abgenommen, doch so wie’s scheint, gehen den Bundesbänkern auch in den kommenden Jahren die Wechselwilligen nicht aus.

Zwischen Karnap und Kettwig liegen 90 Millionen DM

Denn statistisch gesehen hortet jeder Essener noch 157,53 D-Mark, das wären über 90 Millionen D-Mark allein zwischen Karnap und Kettwig – bewahrt aus purer Nostalgie, aus Protest gegen die Euro-Einführung anno 2002, oder weil sie einfach unter der Matratze vergessen wurde.

Zutage gefördert werden die Scheinchen dann oftmals bei Haushalts-Auflösungen – Oma ist tot, ihr Bargeld lebt. Und wird von den Erben zur Bank getragen.

Die Sparkasse wechselt schon lange nicht mehr

Lange Zeit bot sich auch die Sparkasse Essen noch als Wechselstube an, doch der Service wurde „vor mehr als sechs Jahren eingestellt“, berichtet Sebastian Kirchner vom Marktführer unter den örtlichen Kreditinstituten. Seitdem schicken die Mitarbeiter vom III. Hagen die Umtauschwilligen ein Häuschen weiter zur Bundesbank.

So wie übrigens fast die gesamte Konkurrenz. Eine Ausnahme bildet in Essen die Geno-Bank: „Wir nehmen von unseren Kunden nach wie vor D-Mark entgegen, um diese bei der Deutschen Bundesbank in Euro einzutauschen – sowohl Hartgeld als auch Banknoten“, so Prokuristin Susanne Wilde. Dieser Service sei für die Kunden kostenlos.

C&A nimmt nach wie vor D-Mark an

Auch die Essener National-Bank bietet ihren Kunden diesen Service: „Wir tauschen noch immer um – aber nur Banknoten, keine Münzen und auch nur für unsere Kunden“, betont Sprecher Gregor Stricker. Die DM-Beträge werden in Euro umgerechnet und auf die Kundenkonten gutgeschrieben.

Wer nochD-Mark findet und sie verprassen möchte– auch das geht: Seit November 2004 läuft beim Modehaus C&A ununterbrochen die Aktion „Auf Mark und Pfennig“, bei der mit der alten Währung bezahlt werden kann. „Ein Ende ist nicht geplant“, erzählt C&A-Sprecher Thorsten Rolfes.

In 12 Jahren mehr als 50 Millionen DM

Der Zuspruch wechselt, genaue Zahlen für die Essener Filiale gibt es nicht. Immerhin: Deutschlandweit haben seit Aktionsbeginn alle Filialen zusammen mehr als 50 Millionen D-Mark eingenommen“, sagt Rolfes.

Praktisch: Bei C&A ist es auch möglich, einen Einkauf zum Teil in Euro und DM zu bezahlen, das Wechselgeld gibt es dann selbstverständlich nur in Euro.

Nicht zur Bank und nicht Shoppen? Dann Gutes tun!

Ein Einkauf teilweise in D-Mark und Euro war auch beim Vollsortimenter „Kaufland“ möglich, als der im Januar vergangenen Jahres aufforderte, die letzten Groschen zu mobilisieren. „Derzeit planen wir aber keine Wiederholung der Aktion“, gibt Andrea Kübler von Kaufland an.

Am Ende bleibt noch eine weitere Alternative: Die übrig gebliebenen Geldbestände großzügig den Bettlern zu geben: „Hier, haste mal ‘ne Mark!“


>> AUS DER D-MARK WURDE DER EURO

Der Euro wurde am 1. Januar 2002eingeführt. Es ist die gemeinsame Währung in 25 europäischen Staaten.

Mittlerweile können D-Mark-Bestände nur noch in den Bundesbanken umgetauscht werden, übrigens gebührenfrei, zeitlich und betraglich unbegrenzt.

Der Wechselkurs DM zu Euro ist festgelegt und ändert sich nicht. Für 1,95583DM bekommt man 1 Euro.


DerD-Mark-Umtauschlässt sich auch per Post abwickeln.

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