Nahverkehr

Die Essener Ruhrbahn tauscht die U-Bahn-Flotte aus

Die Dockland-Züge aus London in ihren besten Essener Zeiten. Das Foto zeigt eine dieser U-Bahnen bei der Eröffnung der Nordstrecke in Altenessen im September 2001. In wenigen Jahren kommt sie aufs Abstellgleis.

Die Dockland-Züge aus London in ihren besten Essener Zeiten. Das Foto zeigt eine dieser U-Bahnen bei der Eröffnung der Nordstrecke in Altenessen im September 2001. In wenigen Jahren kommt sie aufs Abstellgleis.

Foto: Ulrich von Born

essen.   Die Ruhrbahn in Essen kauft 77 neue U-Bahnen und Trams. Die Investition von über 245 Millionen Euro muss über Kredite finanziert werden.

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Die Ruhrbahn steht für eine ihrer größten Zukunftsinvestitionen in den Startlöchern. Sie wird ihre gesamte U-Bahn-Flotte austauschen, ebenso einen Teil der Straßenbahnen, die in die Jahre gekommen sind. Für die Fahrgäste heißt das mehr Komfort und Barrierefreiheit. In den U-Bahnen wird es erstmals eine Klimaanlage geben. In diesem Jahr zurrt das Verkehrsunternehmen die Anforderungen an die neuen Züge fest. In vier Jahren wird der Hersteller die ersten Linien-Fahrzeuge ausliefern. Die Projektleiter beziffern die Gesamtkosten für 77 Züge auf 245 Millionen Euro. „Das müssen wir über Kredite finanzieren. Fördermittel gibt es nicht mehr“, erklärt Ruhrbahn-Sprecherin Simone Klose.

Londoner U-Bahnen werden zu alt für Essen

Die Ruhrbahn kann die Neubestellungen nicht weiter hinausschieben. Schon jetzt kommt es bei Großveranstaltungen wie Messen zu Engpässen, weil keine Reserven vorhanden sind und die 30 bis 40 Jahre alten Bahnen immer häufiger in die Werkstatt müssen. Immer noch fahren hier alle 21 Londoner Dockland-Züge, die in den 80er Jahren für Essen umgebaut worden sind sowie 24 U-Bahnen der ersten „B-Serie“. Besonders ärgerlich gerade für ältere Fahrgäste sind aber die 25 Straßenbahnen aus der „M-Serie“, die den Südast (Linien 107/108 Richtung Bredeney) bedienen und bei denen der Einstieg nur über klappbare Trittstufen möglich ist. Diese und fünf weitere kastenförmige Trams werden durch Niederflurbahnen ersetzt.

Die Großaufträge für die Trams werden dieses Jahr, für die U-Bahnen 2019 ausgeschrieben. Bei den Straßenbahnen setzt man hier auf Bewährtes. „In die Entwicklung unserer Niederflurbahn NF2 ist viel Zeit und Geld investiert worden. Darauf bauen wir die neue Bahn auf“, betont Simone Klose. Die neue Tram hat auch schon einen Namen: NF4 (der Vorgänger NF3 fährt in Mülheim, ist aber baugleich mit der NF2). Dirk Leier von der Ruhrbahn-Fahrzeugtechnik plant den Kauf von 26 NF4-Bahnen in Essen – zum Stückpreis von 2,8 Millionen Euro. Die Auslieferung soll zwischen 2022 und 2024 erfolgen. Dann kann Essen eine Premiere feiern. Dann sind alle Straßenbahnen niederflurig. Die Fahrgäste können stufenfrei zusteigen. Bis dahin sind auch die U-Bahnhöfe Philharmonie, Rüttenscheider Straße und Martinstraße auf verschiedene Bahnsteighöhen ausgebaut, damit dort sowohl U-Bahnen als auch Niederflur-Trams stoppen können. Zur besseren Orientierung sind künftig die Halte-Knöpfe in den Bahnen beleuchtet. Und: Kurz vor dem Schließen der Türen gibt’s ein Warnsignal.

168 Millionen Euro kosten die U-Bahnen für Essen

In den 51 neuen U-Bahnen vom Typ „HF1“(168 Mio €) wird es mehr Platz für Radler, Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geben. Hier sind „Multifunktionsflächen“ geplant. Dafür sollen die Züge pro Wagen um zwei Meter verlängert werden. Die Zahl der Stehplätze würde sich im Zweier-Trakt um 60 auf 282 erhöhen. Die Zahl der Sitzplätze (144) bliebe konstant.

Michael Bartels, Sachgebietsleiter im Technischen Büro der Ruhrbahn, soll die neue U-Bahn ins Rollen bringen. 2023 rauscht die erste „HF1“ durch den Tunnel. Spätestens 2025 will Bartels die letzten alten Züge aufs Abstellgleis bringen. Ob sie verkauft oder verschrottet werden, steht noch nicht fest.

>>DOCKLAND-ZÜGE FUHREN ZUERST OHNE FAHRER

Die 21 Dockland-Züge P86 und P89 (erbaut 1986 und 1989) fuhren zuerst in London, waren aber für das Streckennetz nicht schnell genug.

Die U-Bahnen, die automatisch und ohne Fahrer in den Docklands fuhren, wurden nach Essen verkauft. Für die Evag-Fahrer mussten nachträglich Führerstände eingebaut werden.

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