Europawahl in Essen

Die Essener Grünen erleben ihren „Sunday for future“

Die Essener Grünen jubeln auf ihrer Wahlparty im „Felis“ an der Kastanienallee

Die Essener Grünen jubeln auf ihrer Wahlparty im „Felis“ an der Kastanienallee

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Jubel bei den Essener Grünen, gedämpfte Stimmung bei der CDU und eine Linke, die einen Fingerzeig für Kommunwahl sieht: Eindrücke vom Wahlabend.

Die Stimmung im grünen Hauptquartier „Felis“ an der Kastanienallee könnte an diesem Europawahlabend besser kaum sein: Die Grünen überraschen als zweitstärkste politische Kraft in Deutschland und in Essen gleichermaßen. Vor Ort landen sie nur knapp hinter den Christdemokraten, aber recht deutlich vor der SPD, zeigt ein Blick auf das vorläufige amtliche Endergebnis. „Wir freuen uns wahnsinnig über das großartige Abschneiden“, sagte der grüne Essener Bundestagsabgeordnete Kai Gehring am Telefon, als die erste Hochrechnung eine erste Einschätzung möglich machte.

Der Wahlsonntag sei aus grüner Sicht ein „Sunday for future“. Der Klimaschutz sei mit Unterstützung der „Friday for future“-Bewegung bis an die Wahlurnen getragen worden. Das Abstimmungsergebnis zeige den Wunsch der Wähler, die „deutlich grüner ticken“, nach deutlich mehr Umweltschutz. Aber auch die grünen Inhalte für eine transparente Demokratie und Weltoffenheit gegen rechte Hetze seien inzwischen Top-Themen einer Zeit, in der „die Menschen spüren, dass es Veränderungen braucht“.

„Die Volksparteien haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt“

Die Grünen seien nun eine mittelgroße Partei, deren Themen in der Mitte der Gesellschaft längst angekommen sind, während „die Volksparteien die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben“, so Gehring: „Wir sehen den Auftrag, bei unseren Zielen zu bleiben.“ Nicht schwarz malen, sondern grün gestalten, hieße die Herausforderung. Für die Essener Grünen sei die Abstimmung bei der Europawahl sicherlich ein gutes Vorzeichen für die Kommunalwahl 2020.

Schwarz malen will die Essener CDU ebenfalls nicht, auch wenn Parteichef Matthias Hauer von einer „gedämpften Stimmung“ spricht, was für das Essener, aber auch das deutschlandweite Abschneiden der Christdemokraten gelte. Fast minus sechs Prozent vor Ort sei eben kein Grund zur Freude, selbst wenn das vorläufige lokale Ergebnis besser sei als das in Land und Bund. Das Thema Klima sei wahlentscheidend gewesen, ist Hauer überzeugt, es sei an die Stelle des Sozialen und der Sicherheit getreten. „Wir müssen unsere Position da klarer machen und kommunizieren.“ Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) sieht in dem Ergebnis „wenig Aussagekraft für die Kommunalpolitik“, rechnet aber damit, dass die Grünen im Stadtrat jetzt mit mehr Rückenwind ihre Themen verfolgen: „Für die AfD wachsen die Bäume auch in Essen trotz des prominenten Kandidaten Guido Reil nicht in den Himmel.“

Die Linke sieht in dem Abschneiden einen Fingerzeig für die Kommunalwahl

Daniel Kerekes, Vorstandssprecher der Essener Linken, wertet das Abschneiden seiner Partei, die durchaus „hinter den Erwartungen“ zurückblieb, durchaus als einen Fingerzeig für die anstehende Kommunalwahl in Essen. Für die Essener SPD, deren Protagonisten am Wahlabend abtauchten, sei ihr Abschneiden allerdings eine „große Warnung“. Die Stimmung bei den Linken im Heinz-Renner-Haus sei jedenfalls „ganz gut“, meinte Kerekes, der mit der Unterstützung „vieler aktiver junger Leute“ nun nach vorne blicken will. Für den nächsten Urnengang müsse die Linke ihren „Markenkern schärfen“ und „das Soziale noch stärker mit dem Umweltgedanken verbinden“. Nein, nicht nur die Grünen wissen, was zur Zeit zieht: der Klimaschutz.

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