Schadstoff-Belastung

Dicke Luft: Die Stadt Essen will die Mobilitäts-Wende

2018 könnten sechs weitere Mobilitätsstationen eröffnet werden. Kunden hätten die Wahl zwischen ÖPNV, Leihrädern und E-Mobilen.

Foto: Socrates Tassos

2018 könnten sechs weitere Mobilitätsstationen eröffnet werden. Kunden hätten die Wahl zwischen ÖPNV, Leihrädern und E-Mobilen. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die hohen Schadstoffwerte an viel befahrenen Straßen zwingen die Stadtzum Handeln. Mit einem „Masterplan“ will die Verwaltung gegensteuern.

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Durch die „Dieselaffäre“ ist politisch Druck im Kessel. Auch Essen ist gehalten, mehr für die Verbesserung der Luftqualität zu tun. Zählt die Stadt doch zu jenen 28 Regionen, in denen die Belastung durch Stickoxide zu hoch ist. 2016 lagen die Werte an fünf von zehn Messstellen über dem erlaubten Grenzwert. Auch die Daten für 2017 versprechen keine Besserung. Die Konsequenz daraus kann laut Simone Raskob nur so lauten: „Wir müssen den Wandel in der Mobilität hinkriegen.“

Essens Umweltdezernentin setzt dabei auf den Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“, den die Bundesregierung im September gemeinsam mit der Autoindustrie aufgelegt hat. Eine Milliarde Euro gilt es zu verteilen. Die Stadt Essen will davon so viel wie möglich abgreifen und setzt dabei auf einen „Masterplan für nachhaltige Mobilität“. Einen ersten Entwurf hat die Verwaltung nun vorgelegt.

„Wir müssen den Wandel in der Mobilität hinkriegen“

Besonders viel Luft nach oben sieht die Verwaltung beim Ausbau des Radverkehrs. Laut einer Haushaltsbefragung aus dem Jahr 2011 nutzen nur fünf Prozent der Essener das Rad als bevorzugtes Verkehrsmittel. Auch wenn der Anteil inzwischen nach Einschätzung der Experten heute höher sein dürfte, ist Essen von dem selbstgesteckten Ziel eines 25-Prozent-Anteils noch weit entfernt. Um sich dieser Zielmarke möglichst schnell anzunähern, sollen Lücken im Radwegenetz geschlossen werden. Ausgesuchte Straßen sollen von Radfahrern als „starke Stadtteilverbindungen“ bevorzugt genutzt werden können, auch zu Lasten des Autoverkehrs. Die Verwaltung nennt beispielhaft die Rüttenscheider Straße.

Den Nahverkehr will die Stadt ausbauen, den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel erleichtern – etwa durch den Ausbau von Leihstationen und Car-Sharing-Angeboten. Schon im kommenden Jahr könnten zu den bestehenden zwei Mobilstationen weitere sechs hinzukommen, sagt Simone Raskob. Kunden hätten dann nicht nur am Landgericht und am S-Bahnhof Steele die Wahl zwischen öffentlichem Nahverkehr, Fahrrad und Leihauto.

Stadt will Lade-Infrastruktur für E-Autos ausbauen

Konsequent ausgebaut werden soll auch die Infrastruktur für Elektro-Mobile. Bei den bis zu 100 Ladestationen, die zwei Anbieter 2018 einrichten wollen, will die Stadt Essen es nicht belassen. Das Aufstellen von Ladepunkten soll grundsätzlich per Satzung erleichtert werden. „Wer eine Ladestation errichten will, rennt bei uns offene Türen ein“, sagt Rainer Wienke vom Amt für Straßen und Verkehr.

Die Stadt will selbst mit gutem Beispiel voran gehen und den eigenen Fuhrpark soweit möglich nach und nach auf E-Mobilität umstellen, auch wenn das Jahre dauern wird, wie Raskob einräumt.

Ein Programm für die nächsten zehn bis 15 Jahre

Apropos: Auch zwei politische Dauerbrenner hat die Verwaltung in den Entwurf für den Masterplan aufgenommen: Da wäre der Deckel für die A 40 zwischen Frohnhausen und Holsterhausen und der Ausbau der A 52 durch den Essener Norden, dieser allerdings komplett in Tunnellage. Für Diskussionsstoff dürfte also gesorgt sein.

In einem ersten Schritt will die Stadt in Berlin 240 000 Euro loseisen, um Planungskosten zu decken. Der Masterplan, mit dessen Erstellung ein externes Büro beauftragt werden soll, würde in 15 Monaten vorliegen. Der Plan selbst ist für einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren ausgelegt.

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