Sozialkaufhaus

Diakonieladen besteht seit 20 Jahren in Essen-Altendorf

Bücher, Geschirr und Porzellan in reicher Auswahl: Die Sachen wurden alle dem Altendorfer Diakonieladen gespendet.

Bücher, Geschirr und Porzellan in reicher Auswahl: Die Sachen wurden alle dem Altendorfer Diakonieladen gespendet.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Altendorf.  Das Geschäft der 1000 Artikel befindet sich in Altendorf in einem schwierigen Umfeld, kennt aber kaum eine Flaute. Das hat gute Gründe.

Kaufhäuser haben es in der heutigen Konsumwelt schwer. Das spürt nicht nur die Stadt Essen nach dem angekündigten Abschied von Karstadt und Kaufhof. Doch es gibt auch Ausnahmen: Der Diakonieladen auf der Altendorfer Straße 361 in Altendorf feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Wie in Corona-Zeiten üblich, fand die Feier nur in kleinem Rahmen statt. Aber stolz ist man bei der Neuen Arbeit der Diakonie schon, dass sich das kleine Kaufhaus schon so lange hält.

Die Kundschaft ist meist auf preiswerte Waren angewiesen

Montagmorgen an der Ecke Altendorfer-/Röntgenstraße. Lieferanten laden ihre Waren aus und schleppen sie in die Geschäfte, Fußgänger und Schulkinder eilen vorbei, der Fahrer eines silbrigen Sportcoupés glaubt, den Gehweg mit seinem Schlitten blockieren zu dürfen. Dass er dabei die Schlange, die sich vor dem Diakonieladen gebildet hat, etwas in die Enge treibt, ist dem Fahrer offenbar schnuppe. Doch die Menschen unter den Masken nehmen es gelassen hin.

Denn die meisten der Kunden, die in Altendorf in einem Diakonieladen einkaufen, sind auf das preiswerte Angebot angewiesen. „Zu uns kommen auch Studenten oder Rentner, doch mehr als Dreiviertel unserer Kundschaft gehört zum Hartz-IV-Bereich“, weiß Christopher Klafki. Der 43-Jährige leitet seit 2009 den Diakonieladen.

Auf 180 m2 Verkaufsfläche bietet der Laden eine riesige Auswahl

Eigentlich ist es eher ein kleines Kaufhaus als ein Laden. Auf 180 m Verkaufsfläche bietet er eine riesige Auswahl. Dank der luftigen Präsentation verliert der Kunde jedoch nicht die Übersicht. Links hinten stehen prall gefüllte Bücherregale. Sich hier auf die Schnelle einen Roman einzupacken – bei Preisen ab 50 Cent aufwärts kein große Risiko. „Da kann man auch mal mit einem Grinsen herausgehen“, freut sich der Verkaufsleiter.

Davor stapelt sich Porzellangeschirr. Tassen und Teller in gigantischer Auswahl. Den größten Umsatz macht der Laden jedoch mit Textilien. Ob Kindersachen oder Damenoberbekleidung – die Kleiderbügel hängen voll.

Doch es gibt auch Flauten im Geschäft, und zwar ziemlich überraschende. Als etwa am Limbecker Platz eine neue Textilkette eröffnete und T-Shirts für 1,50 Euro verkaufte, da stockte auch das Geschäft in Altendorf.

„Wir leben von Spenden und nehmen alle Dinge des täglichen Lebens an“, erklärt der Laden-Leiter just in dem Moment, als eine junge Frau mit prall gefüllten Einkaufstüten kommt, um ihre Spenden abzugeben.

Das Team des Diakonieladens holt auch Spenden ab

Das Team des Diakonieladens holt auch Spenden ab, doch wer auf eine Haushaltsauflösung mit Hilfe der Neuen Arbeit hofft, liegt daneben: „Wir nehmen nur das, was wir präsentieren können“, sagt Christopher Klafki. Und das ist häufig mehr als nur Ramsch: In einer abschließbaren Glasvitrine wartet auch hochpreisige Ware, etwa Gucci-Schuhe, eine Handtasche oder auch ein Elektrogerät auf Käufer.

Der Diakonieladen Altendorf – drei andere gibt es in Kupferdreh, Holsterhausen und Huttrop – wäre nicht ein Projekt der Neuen Arbeit, wenn es nicht auch um die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen ginge. Nach der Corona bedingten Zwangsschließung arbeiten diese nun in drei Schichten zu je drei Stunden. Das wurde so eingeteilt, damit sich die vom Job-Center vermittelten Kolleginnen und Kollegen nicht begegnen und Abstand halten können.

Dazu kommt ein Kernteam von vier Langzeitarbeitslosen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und das Geschäft der 1000 Artikel auch bei Schichtwechsel geöffnet halten. „Sie sind mit Leidenschaft dabei“, lobt Michael Diemer, der bei der Neuen Arbeit den Fachbereich Verkauf und Produktion leitet. In ihrer neunmonatigen Maßnahme werden sie von Sozialpädagogen unterstützt. Natürlich immer in der Hoffnung, anschließend einen Arbeitsplatz im Handel zu finden.

Das würde allerdings mit der Karstadt/Kaufhof-Schließung deutlich erschwert. „Denn die Konkurrenz durch arbeitslos gewordene Verkäuferinnen wird noch größer“, befürchtet Michael Diemer.

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