Einzelhandel

Der Werdener Werbering bleibt auch in der Corona-Krise mutig

Das waren noch Zeiten. Tanja Schetters (links) steht am ersten Adventssonntag des vergangenen Jahres am Stand vom Ursula Piegeler (Mitte) beim Weihnachtsmarkt in der Altstadt in Essen-Werden. Diesmal muss der Markt wegen Corona ausfallen.

Das waren noch Zeiten. Tanja Schetters (links) steht am ersten Adventssonntag des vergangenen Jahres am Stand vom Ursula Piegeler (Mitte) beim Weihnachtsmarkt in der Altstadt in Essen-Werden. Diesmal muss der Markt wegen Corona ausfallen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Werden.  Der Werdener Werbering stellt sich den Herausforderungen der Pandemie und möchte ein bisschen Freude in die Vorweihnachtszeit bringen.

Wie kommt der Werdener Einzelhandel durch die Pandemie? Was ist noch geplant bis Weihachten? Die Verantwortlichen des örtlichen Werberings verbreiten Zuversicht: „Wenn wir in Werden nicht durch die Krise kommen, wo denn sonst?“, fragt der Vereinsvorsitzende Benjamin Neubert selbstbewusst.

Corona habe allerdings so einiges durcheinander gewirbelt. Das Bild sei noch nicht einheitlich, doch Neubert spricht einen interessanten Aspekt an: „Die großen Ketten tun sich schwer mit der Covid19-Gefahr. Kaufhäuser werden gemieden. Natürlich shoppen viele Menschen im Internet, aber es gibt einen klaren Trend hin in die Stadtteile, zum Einkauf in kleineren, inhabergeführten Geschäften. Da sind wir in Werden natürlich ganz weit vorne.“ Leider komme dieser Zuwachs aber nicht bei allen Branchen an.

Die Kunden in Essen-Werden verhalten sich sehr diszipliniert beim Einkauf

Neuberts Stellvertreterin Jeanette Paps spricht von erfreulichen Beobachtungen: „Die Kunden sind sehr diszipliniert, sehr höflich und friedlich. Den Menschen ist wichtig, dass es beim Einkaufen sicher ist. Zum Beispiel durch die regelmäßige Reinigung der Räume.“ Geschäftsführer Peter Allmang ergänzt, dass es in der Werdener Altstadt kaum Leerstände gebe und fast alle Räumlichkeiten schnell wieder belegt wären. Ein gutes Beispiel sei die Heckstraße. Dort habe ein Herrenausstatter sein Geschäft geschlossen und bald darauf nur zwei Häuser weiter ein neuer Shop mit „Männersachen“ eröffnet. So bleibe ein gesunder Branchenmix erhalten.

Die Pandemie verhinderte die so beliebten Werdener Stadtfeste und zugleich auch die verkaufsoffenen Sonntage. Keine Chance, die immer sehr gut besuchten Stoff- und Tuchmärkte unter Einhaltung der Hygienevorschriften durchzuführen. Gleiches galt für das Apfelfest Anfang September und den traditionellen Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende. In Zeichen von Vorsichtsmaßnahmen und Abstandsregeln einfach nicht vorstellbar, ausgelassen solche großen Feste zu feiern. Schweren Herzens wurden abgesagt.

Händler planen einen „verkaufsoffenen“ Samstag bis 18 Uhr

Dafür soll wenigstens ein bisschen Freude in die Vorweihnachtszeit gebracht werden. Wenn am 21. November in der Altstadt die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet wird, öffnen die Geschäfte an einem verkaufslangen Samstag bis 18 Uhr. Rolf Sachtleben, der frühere Geschäftsführer des Vereins, plant auch kleine Attraktionen, etwa eine Musikdarbietung. Benjamin Neubert berichtet von einer neuen Idee: „Wir starten eine Tannenbaumaktion. Mit zentraler Bestellung durch uns. Die Geschäftsleute übernehmen eine Patenschaft und die Bäume werden in der Nähe ihres Standorts aufgestellt. So möchten wir in der Adventszeit festliche Stimmung erzeugen.“

Auch an die Kinder wird gedacht: Natürlich kommt Anfang Dezember wieder der Nikolaus nach Werden. In bester Familientradition wird Björn Kurbjuhn in die roten Stiefel seines Großvaters Ingo schlüpfen. Die Kinder erwartet eine kleine Überraschung, bei der Verteilung der Geschenke wird selbstredend auf Schutz vor Ansteckung geachtet. Entweder wird es dazu am 5. Dezember einen verkaufslangen Samstag geben, oder doch einen verkaufsoffenen Sonntag am 6. Dezember.

Die beliebten Netzwerktreffen fallen Corona zum Opfer

Die Netzwerktreffen des Werberings liegen zurzeit auf Eis. Was Neubert schade findet: „Dieses Format für regen Austausch über den Tellerrand hinweg wurde sehr gut angenommen.“ Wenn es die Pandemielage zulasse, wolle man sich wieder mit den anderen Aktiven des Stadtteils zusammensetzen. Im März musste die turnusmäßige Jahreshauptversammlung der fast hundert Mitglieder des Werdener Werberings abgesagt werden. Am 27. Oktober soll sie bei Steffi und Patrick Jabs in deren Kochschule „Leckerwerden“ nachgeholt werden. Benjamin Neubert möchte weitere Mitstreiter gewinnen: „Bei uns darf jeder gerne mitarbeiten, auch wenn er bisher noch gar kein Mitglied war. Man muss auch nicht unbedingt aus der Händlerschaft kommen. Wir sind da offen und würden uns freuen, wenn wir noch mehr Power bekämen für unsere Vereinsarbeit.“

Jeanette Paps ist die neue stellvertretende Vereinsvorsitzende des Werdener Werberings

Seit September ist die 53-jährige Jeanette Paps stellvertretende Vorsitzende des Werdener Werberings. Zunächst kommissarisch bis zum März 2021: „Ich würde das gerne auch länger machen.“

Die „Neue“ bringe frischen Wind ins Gremium, findet der Vorsitzende Benjamin Neubert. Geschäftsführer Peter Allmang ergänzt: „Sie hat Verantwortung übernommen und dafür gesorgt, dass unser Verein handlungsfähig bleibt. Und ein unverstellter Blick von außen kann nicht schaden.“

Neubert verabschiedet zugleich Kirstin Drichel: „Ich danke ihr ganz herzlich für das Engagement und die gute Zusammenarbeit.“ Die bisherige Stellvertreterin hatte mitgeteilt, dass die gestiegene Arbeitsbelastung in ihrer Praxis für Physiotherapie absolut nicht mehr mit einem Ehrenamt zu vereinbaren sei.

Die Augenoptiker-Meisterin Jeanette Paps kam vor 20 Jahren aus München ins Ruhrgebiet und führt seit 2014 zusammen mit Alexandra Weerth das Traditionsgeschäft Optik Frintrup in der Heckstraße. Im März 2019 hatte sie mit ihrer Geschäftspartnerin die Schriftführung des Werberings übernommen: „Ich bin ja von außerhalb gekommen und wollte die Leute besser kennenlernen. Mich in die Gemeinschaft einbringen.“

Genau das war ja auch bei Benjamin Neubert der Antrieb: „Wie schön das ist in Werden, hatte ich noch in Erinnerung aus vielen Besuchen in meiner Kindheit.“ Erst zog es Neubert beruflich ins Abteistädtchen, mittlerweile wohnt er auch im Ort. Für seine neue Co-Chefin ist die Aufgabe eine Herzensangelegenheit: „Ich finde es hier wirklich sehr schön hier in Werden. Die Feste, das Miteinander. Echt schade, dass durch Corona so viel davon ausfiel.“ Hier gebe es noch so was wie eine heile Welt, und das solle man unbedingt bewahren: „Wir wollen gemeinsam dafür sorgen, dass Werden auch zukünftig so attraktiv bleibt.“

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