Flugschul-Besichtigung

Der Traum vom Fliegen ist teuer

In so genannten Kabinen-Simulatoren werden die Crew-Mitglieder von Verkehrsflugzeugen ausgebildet. Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen.

In so genannten Kabinen-Simulatoren werden die Crew-Mitglieder von Verkehrsflugzeugen ausgebildet. Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen.

Foto: WAZ

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Essen.Bislang kennt Kordula Brauer den Beruf des Piloten nur aus den Erzählungen ihres Sohnes. „Aber vieles was er erzählt, kann ich nicht wirklich nachvollziehen“, sagt die Essenerin. Bei einem von der WAZ organisierten Rundgang durch die Flugschule TFC Käufer bekam Kordula Brauer nun Gelegenheit, einen Blick in ein Cockpit zu werfen – oder zumindest in einen Simulator, in dem Berufspiloten ausgebildet werden.

Doch nicht nur Piloten, auch Kabinen-Crews werden in der ehemaligen Bundeswehr-Fachschule, in der die Flugschule Käufer seit 15 Jahren residiert, ausgebildet. Und diese Ausbildung ist weit mehr als das Servieren kühler Drinks und die Einweisung ins Gurtsystem und Notfall-Pläne. „In der Regel nehmen die Airlines gern Leute, die im Hotelfach und in der Gastronomie gelernt haben, weil sie die besten Voraussetzungen für den Job des Flugbegleiters mitbringen“, sagt Florian Käufer.

Im Fokus der Ausbildung stehen Sicherheitstraining und Gesprächsführung sowie die rasche Evakuierung im Notfall, „denn dann muss die Kabine binnen 90 Sekunden geräumt sein“. In Rollenspielen üben angehende Stewards und Stewardessen für den Ernstfall. Wie unterscheidet man lediglich flugängstliche Passagiere von den aggressiven, wie wirkt man deeskalierend und überwältigt im Notfall einen potenziellen Schläger und hält ihn bis zur Landung in Schach. „Im Luftraum“, sagt Käufer, „hat der Kapitän die Hoheit über die Maschine.“ Entscheidet der, ein Randalierer solle in Handfesseln gelegt werden, muss die Crew das umsetzen können.

Simulatoren für den Airbus A380

Auf dem Plan stehen zudem viele Übungen, die den Teams zu Routine verhelfen sollen. „Wir üben immer wieder die gleichen Handgriffe, bis sie so gut sitzen, dass sie im Notfall jederzeit abrufbar sind, ohne dass man lange überlegen muss.“ Gebaut werden die Simulatoren, in denen die Crews auch nach der Ausbildung noch regelmäßig Trainings zur Auffrischung absolvieren, in Velbert. Während Christian Käufer in Essen die Flugschule führt, baut sein Bruder Frank mit großem Erfolg Kabinennachbauten. Vom Airbus A380 bis zu Boeing-Kabinen reicht das Angebot, das selbst Singapore Airlines für ihre Ausbildung nutzt.

Interessiert hörten auch Jo Krieg, Max Kortenbruck und Christian Lammers die Ausführungen während des Rundgangs, interessieren sie sich doch selbst für die Ausbildung zum Berufspiloten – und die ist nicht leicht, wie Florian Käufer erklärt. Zumal Flugschüler den zweijährigen Lehrgang selbst bezahlen müssen. Rund 60.000 Euro werden für die Basis-Ausbildung fällig. 14 Fächer, darunter Technik, Navigation und Meteorologie, stehen auf dem Stundenplan der angehenden Berufspiloten, die ihre Abschlussprüfung vor dem Luftfahrtbundesamt ablegen. Dass die Essener Flugschule, die neben der Lufthansa der größte Ausbilder für Berufspiloten in Deutschland ist, dabei regelmäßig gute Ergebnisse vorweisen kann, liege an einem strengen Auswahlverfahren. „Wer das besteht, hat ganz gute Chancen, die Ausbildung zu schaffen“, sagt Käufer.

Doch selbst angehende Piloten, die sich bei Air Berlin bewerben, müssen die Ausbildung selbst bezahlen. Dafür haben sie die Garantie, nach erfolgreich bestandener Prüfung eine Festanstellung zu bekommen; außerdem vermittelt die Flugschule günstige Ausbildungskredite. Ein weiterer Vorteil: Wer auf Vermittlung einer Fluggesellschaft die Ausbildung macht, muss in aller Regel nicht selbst für das Type-Rating aufkommen. Und das ist ein weiterer Kostenfaktor. Während in der Grundausbildung meist kleinere Flugzeugtypen geflogen werden und die Schüler in Simulatoren Starts, Landungen und Notfallsituationen üben, müssen sie sich anschließend entscheiden, ob sie z.B. später Pilot auf einer Boeing 737 werden wollen. Und mit eben jenem Flugzeug müssen sie anschließend auf einem gesperrten Flughafen zahlreiche Starts und Landungen absolvieren. „Das kann sehr schnell sehr teuer werden, wenn man das privat macht“, sagt Käufer.

Segelflieger und Cockpit-Neulinge

Ob viele der angehenden Piloten bereits erste Erfahrungen mit der Fliegerei haben? „Manche haben vorher schon Segelflug gelernt oder kleinere Maschinen geflogen. Aber das ist nicht die Regel. Uns ist sogar ganz lieb, wenn jemand ohne fliegerische Vorkenntnisse kommt und direkt mit dem Fokus auf die Berufsfliegerei in die Ausbildung startet.“ Und dabei muss das Ziel nicht sein, große Verkehrsflugzeuge zu steuern. „Wir bilden auch für kleinere Flugzeugtypen aus“, sagt Käufer, „da dauert die Ausbildung dann auch nicht so lange.“

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