Kommentar

Der Rückzug war für Petra Hinz der einzig mögliche Schritt

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Essen.  Die Lügen-Affäre zeigt noch einmal, dass der politische Beruf auch sehr problematische Charaktere anzieht. Verallgemeinern sollten wir das aber nicht. Ein Kommentar.

Meist hat ein Politiker auch im Skandalfall mehrere Optionen. Petra Hinz hatte nur eine einzige: den sofortigen Rückzug aus dem Bundestag. Wer seine Wähler und politischen Freunde jahrzehntelang derart dreist hinters Licht führt, wer selbst auf Stimmzetteln eine falsche Berufsbezeichnung angibt, ist nicht mehr zu halten. Das hat auch NRW-Justizminister Thomas Kutschaty sofort erkannt, der erst Anfang Mai der Pflicht gehorchend den Vorsitz der notorisch affärenbelasteten Essener SPD übernahm und nun die Scherben zusammenkehren muss.

Sicher, wir alle sollten der Versuchung widerstehen, eine letztlich individuelle Verfehlung zu verallgemeinern. Viele Politiker auf allen Ebenen leisten gute Arbeit im Sinne der Allgemeinheit, und das ist anerkennenswert. Das ändert allerdings nichts daran, dass der politische Betrieb mitunter einen problematischen Typus anzieht. Die Neigung zum Hochstapeln ist hier größer, weil die öffentliche Wirkung so immens wichtig ist für die Karriere. Petra Hinz, die Frau mit der Maske, hat dafür den Preis der gesellschaftlichen Ächtung bezahlt und muss sich womöglich noch juristisch verantworten. Es gibt keinen Grund, sie zu bedauern. Aber ihr Fall sollte jedem eine Mahnung sein.

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