Sinfoniekonzert

Der Konzertpianist als Kraftpaket spielt Brahms mit Muckis

Musiker mit Muskelpaket: Der Pianist Tzimon Barto.

Musiker mit Muskelpaket: Der Pianist Tzimon Barto.

Foto: Myron Leggett

Essen.   Ein Schwarzenegger unter den Pianisten und gleichzeitig sensibler Künstler: Tzimon Barto beim 5. Sinfoniekonzert in der Essener Philharmonie

Wie ein Hüne betritt er das Podium, das armlange graue T-Shirt unterstreicht den durchtrainierten Körper, als komme er geradewegs aus der Muckibude. Ja, Tzimon Barto nimmt sich zweifellos als der Schwarzenegger unter den großen Pianisten unserer Zeit aus. Doch sollte man sich nicht täuschen: Der Amerikaner ist ein hochsensibler Künstler und zudem einer von wenigen, die vorsichtshalber das Notenblatt mit auf die Bühne nehmen, selbst wenn es um ein so gewichtiges Repertoirewerk wie das 2. Klavierkonzert von Brahms geht.

Barto, der souverän agierende Herr der Extreme. Seine Muskelpakete schleudern einerseits die unwirsche Geste und das stählerne Fortissimo mit einer rhythmischen Urkraft heraus, die den Steinway auf die Probe stellt. Andererseits serviert er – freilich mit rosaroter Brille tupfend – nicht nur den Andante-Satz als lyrische Feinkost, bei der das Publikum spürbar die Luft anhielt. Generalmusikdirektor Tomáš Netopil am Pult hielt die Zügel straff, ließ emotional nichts zerlaufen und forderte den Essener Philharmonikern ein klar herauskristallisiertes Relief ab: wuchtig, herb, streng setzten sie den Einstünder in Szene, wie eine Sinfonie mit obligatem Klavier.

Und wenn Netopil in seiner sechsten Spielzeit in Essen mit den ersten drei Stücken aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ erstmals das tönende Nationaldenkmal seiner tschechischen Heimat darbot, war das natürlich Smetana in liebevoller, authentischer Handschrift. Die majestätische Burg Vyšehrad, die malerische Liebeserklärung an die Moldau und die wilde Sage um das Mädchen Šárka – das alles kleideten die Essener Philharmoniker heroisch, poetisch, dramatisch in einen betörenden Schmelzklang, an dem man sich nicht satthören konnte. Riesenapplaus nach diesem 5. Sinfoniekonzert.

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