Autokennzeichen

Der erbitterte Streit um das Kennzeichen mit der Nummer 1

Noch trägt Jürgen H.’s Harley Davidson das alte Nummernschild, bald darf der 49-Jährige aus Kettwig sein Wunschkennzeichen „E-D 1“ an das Kult-Motorrad schrauben.

Noch trägt Jürgen H.’s Harley Davidson das alte Nummernschild, bald darf der 49-Jährige aus Kettwig sein Wunschkennzeichen „E-D 1“ an das Kult-Motorrad schrauben.

Foto: Stefan Arend

Essen./Gelsenkirchen.   Nach langem Hin und Her hat ein Essener den Kampf um sein Wunschkennzeichen vor Gericht gewonnen. Die Kennzeichen werden im Netz verkauft.

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Mehrere tausend Essener bemühen sich im Jahr um ein Wunschkennzeichen für ihr Auto oder Motorrad. Dabei sind besonders Kennzeichen mit der Nummer 1 begehrt. Einen erbitterten Kampf darum lieferte sich jetzt der 49 Jahre alte Jürgen H. aus Kettwig mit dem Straßenverkehrsamt.

Dieser Kleinkrieg mündete sogar in einem Prozess vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Dort erreichte der Kläger per Vergleich zumindest einen Teilerfolg. Er darf demnächst mit seiner Harley Davidson und dem Schild „E - D 1“ durch die Gegend kutschieren.

Das Rennen um die Nummer 1 entartet seit Längerem in einem regelrechten Hype. Liebhaber solcher Kennzeichen sind offenbar bereit, tausende Euro für eine bestimmte Buchstaben- und Ziffernfolge zu bezahlen.

Handel mit Zulassungen im Internet

Die Stadt Essen und das Gericht stoppten erst unlängst einen Versuch, ein solches Kennzeichen auf einen aufgemotzten Edelmercedes zu übertragen. Im Internet war dieses vorgebuchte Altschild für stolze 10 000 Euro angeboten worden.

Die Behörde beobachtet seit längerem, dass vor allem im Netz ein schwunghafter Handel mit den Zulassungen betrieben wird. „E – VA 1“ oder gar „E - HE 20“ wollen die Leute haben.

Der Drang, seine Einmaligkeit nach außen zu dokumentieren, macht offenbar auch vor keiner Berufsgruppe halt. In vielen Städten stehen „ZA 1“ – wahrscheinlich für den besten Zahnarzt – oder „RA 1“ – für den Platzhirsch unter den Anwälten – auf der Hitliste.

Jeder Bürger sollte Chance auf einmaliges Schild haben

Vor Jahren konnte jeder Essener online jedes Kennzeichen reservieren. Als dann einzelne Antragsteller ein ganzes Bündel von „Nummer-1-Kennzeichen“ oder andere außergewöhnliche Kombinationen für sich buchten, zog das Amt die Reißleine. Grundsätzlich sollte jeder Bürger eine Chance auf ein einmaliges Schild haben.

Die Nummer 1 zum Beispiel wird seither nur noch bei konkreten Anmeldungen vergeben.

Vermutlich hatte der Kläger aus Kettwig davon vorzeitig Wind bekommen. Denn er kaufte sich schnell 13 Anhänger und ließ sich entsprechende Wunsch-Kennzeichen zuteilen. Insider behaupten, im Internet kursieren für solche Schilder Preise zwischen 500 und 1000 Euro. Der 49-Jährige bestreitet allerdings energisch, dass er damit Handel betreiben wolle.

Die 13 Schilder für die Anhänger kann ihm die Stadt aber nun nicht mehr wegnehmen. Zwar billigten die Richter die neue Verwaltungspraxis der Stadt, nämlich sehr restriktiv bei der Vergabe der Wunschkennzeichen umzugehen.

Allerdings stellte sie die neue Vorgehensweise erst an dem Tag um, als der Kettwiger für seine Harley eines seiner 13 Anhänger-Schilder verwenden wollte. Der Fall stand war auch deshalb diffizil, weil eine „Lex Kläger“, also eine Vorschrift nur für ihn, nicht zulässig ist.

Ein letztes Mal die Lieblingskombination

Also bekam er auf Vorschlag des Gerichts noch ein einziges Mal seine Lieblingskombination. Was er mit seinen anderen zwölf Anhängern nun macht, ließ er vor Gericht offen. Notfalls behalte er sie alle, „nur damit diese wertvollen Kennzeichen nicht auf den Markt kommen“. Vielleicht ändere die Stadt ja auch mal wieder ihre Verfahrensweise.

In dem Streit traten noch weitere Vorwürfe zu Tage. Der Klägeranwalt behauptete zum Beispiel, in Rüttenscheid wisse jeder, dass je teurer ein Auto ist umso kleiner das Kennzeichen sei. Von Käuflichkeit solcher Schilder sprach er ausdrücklich nicht.

Aber es wird darum mit harten Bandagen gekämpft. So zeigte der Kläger mehrere Fotos, die angeblich alle Autos von Beschäftigten des Straßenverkehrsamts mit einer „Nummer 1“ dokumentierten. Und auch die Autos des verantwortlichen Mitarbeiters und Prozessvertreters waren notiert worden. Ein derartiger Dschungelkrieg sei „weder juristisch noch menschlich“ akzeptabel, stellte der Vorsitzende Richter klar.

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