Buchsbaumzünsler

Der Buchsbaumzünsler frisst sich durch ganz Essen

Georg Mathias, Leiter des Parkfriedhofs, untersucht eine abgestorbene und braungefärbte Buchsbaumhecke. 90 Prozent des Buchsbestandes seien hier zerstört, schätzt der Experte.

Foto: Socrates Tassos

Georg Mathias, Leiter des Parkfriedhofs, untersucht eine abgestorbene und braungefärbte Buchsbaumhecke. 90 Prozent des Buchsbestandes seien hier zerstört, schätzt der Experte. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Der Buchsbaumschädling hat das gesamte Stadtgebiet erreicht. Stellenweise sind 90 Prozent des Bestandes zerfressen – etwa auf dem Parkfriedhof.

Die Raupe des Buchsbaumzünslers wird nur fünf Zentimeter lang, aber ihr Vernichtungswerk ist monströs. Den Parkfriedhof in Huttrop, den größten in Essen, hat es besonders schlimm erwischt. Friedhofsleiter Georg Mathias durchschreitet die Grabreihen und deutet auf die Zeugnisse der Zerstörung. Die Bilder sind jämmerlich. „90 Prozent des Buchsbestandes sind hier geschädigt“, schätzt der Fachmann.

Auf einer Gruft nahe dem Teich gleich am Eingang sind die beiden jeweils 2,50 Meter langen Heckeneinfassungen zerstört, dazu drei ehedem prachtvolle Kugeln. Ein Schaden von schätzungsweise 250 Euro – Buchsbaum ist teuer.

Ein Stück weiter: die nächste Gruft und dasselbe Bild. Die stattliche, 50 bis 60 Zentimeter hohe und bestimmt 40 Jahre alte Buchsbaumhecke ist hellbraun, an manchen stellen sogar schon weiß. „Hier hat er sich richtig reingefressen“, sagt Mathias.

Der Schaden allein auf dem Parkfriedhof geht in die Hunderttausende

Der Friedhofsleiter vergleicht zerfressenen Buchsbaum mit vertrockneten Weihnachtsbäumen im Januar, die hemmungslos nadeln. Grob geschätzt sind auf dem Parkfriedhof 5000 Gräber vom Zünsler heimgesucht worden. Der Schaden dürfte vorsichtig geschätzt in die Hunderttausende gehen.

Die „Frontberichte“ sind alarmierend. Nach Erkenntnissen des Stadtbetriebs Grün & Gruga hat sich der Schädling inzwischen in alle Ecken des Stadtgebiets hineingefressen. Trotzdem gibt’s lokale Unterschiede. „Im Westen und oben im Norden hat der Zünsler besonders schlimm zugeschlagen“, behauptet Friedhofsgärtner Carsten Nöll. Auf dem Laurentius-Friedhof in Steele, so heißt es, sei nahezu der gesamte Buchsbestand befallen.

Expertin: „Es ist eine Katastrophe“

Für Anke Knaup vom Landesverband Gartenbau NRW in Dortmund verlieren Friedhöfe und Parks ohne Buchsbaum ihren Charakter. „Es ist eine Katastrophe.“

Experten des Landesverbandes gehen davon aus, dass sich der Schädling zuerst rheinab- und dann ruhraufwärts ausgebreitet hat. Friedhofsgärtner Nöll und Friedhofsleiter Mathias, der außerdem Koordinator für zwölf weitere kommunale Friedhöfe ist, verfolgen eine andere Theorie. Danach könnte er Essen über die Emscher erreicht haben. „Auf dem Friedhof in Karnap ging’s schon 2014 los, dann war der Nordfriedhof in Altenessen dran“, sagt Mathias.

Eine grundsätzliche Frage: Spritzen oder nicht spritzen?

Obwohl die gefräßigen Raupen des Zünslers gerade geschlüpft sind, sind Bredeney und der Essener Süden momentan offenbar noch nicht so stark betroffen. Sobald aber der Buchsbestand in einem Landstrich zerstört ist, marschiert er weiter. Nöll ist pessimistisch: „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er im Süden aktiv ist.“

Natürliche Feinde besitzt der grün-schwarze Schädling nicht. Vögel verschmähen ihn und die Bekämpfung mit chemischen Mitteln ist höchst umstrittenen. Auf Friedhöfen und in öffentlichen Parks wird darauf verzichtet, Pflanzenschutzmittel zu spritzen. In Privatgärten hingegen sind chemische Mittel erlaubt.

Expertin empfiehlt Privatpersonen „Raupenfrei“

Anke Knaup empfiehlt das Neudorff-Produkt „Raupenfrei“ mit dem Wirkstoff Xentari als „gutes Mittel“. Es werde auf die Buchsblätter aufgesprüht und vergifte den Zünsler, für Bienen und andere Nützlinge sei der Stoff unbedenklich. Kommunale Grün-Experten hingegen zweifeln an der Wirksamkeit dieser Methode. Und auch Landschaftsgärtner sind in puncto Spritzen skeptisch. „Der Zünsler vermehrt sich rasend schnell, es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt ein Experte. Und fügt hinzu: „Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, ob er spritzt.“

EBE mahnt: „Kaputter Buchs gehört in die graue Tonne“

Vor große Probleme stellt das Vernichtungswerk des Zünslers die Essener Entsorgungsbetriebe (EBE). Auf keinen Fall dürfe befallener Buchs in die Braune Biotonne oder in den Grünschnitt-Container der EBE geworfen werden, mahnt Sprecherin Bettina Hellenkamp. Die Temperaturen bei der Kompostierung seien einfach zu niedrig, um den Zünsler zu töten. „Es besteht die Gefahr, dass er mit der Komposterde in Essen weiterverbreitet wird.“ Pflanzen mit Zünslerbefall gehören daher in die Graue Tonne und landen später in der Müllverbrennung.

Und wie reagieren die Geschädigten? „Die meisten gehen gefasst mit den Schäden um und fragen nach Alternativen“, sagt der Friedhofsleiter. Die häufigste Empfehlung ist „Ilex Crenata“, die Japanische Stechpalme. „Sie ist dem Buchsbaum sehr ähnlich“, sagt Carsten Nöll, der auch die Eibe („Taxus Baccata“) als Heckenersatz vorschlägt.

>>> SO WIRD BEFALLENER BUCHS KORREKT ENTSORGT

Zerstörter Buchsbaum gehört in die Graue Tonne. Sollte diese zu klein sein, kann er kostenpflichtig zu den EBE-Recyclinghöfen gebracht werden. Die eindringliche Bitte der EBE-Sprecherin: „Bitte liefern Sie die Pflanzen gut verpackt bei der EBE an, damit die Schädlinge sich nicht auf Wanderschaft begeben.“
Der Abfallsack in Essen kostet 2,50 Euro, er ist im Einzelhandel und am EBE-Recyclinghof Altenessen, Lierfeldstraße 49, erhältlich. Alle EBE-Verkaufsstellen auf ebe-essen.de.

Die Abfallsatzung verbietet das Verbrennen von Gartenabfällen im eigenen Garten.

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