Kult(ur)kneipen

Der Brenner ist ein uriges Stück Ruhrgebiet

Alexander und Daniel Bischoff übernahmen die Gastwirtschaft von ihren Eltern Franz und Marita im Januar 2010. Foto: Ulrich von Born

Alexander und Daniel Bischoff übernahmen die Gastwirtschaft von ihren Eltern Franz und Marita im Januar 2010. Foto: Ulrich von Born

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Das Kneipen-Restaurant Brenner ist eine Rüttenscheider Institution. Zwei von drei Söhnen übernahmen den Familienbetrieb 2010 nach 37 Jahren von ihren Eltern. An Bewährtem wollen sie aber festhalten.

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Ein Ausflug in die Hedwigstraße 37 hat etwas von einer Zeitreise. Da sitzen gestandene Männer am Tresen und trinken den ruhrgebietstypischen Samtkragen, stechen sich Stammgäste allabendlich beim Meiern aus und versprühen dunkle Eichenholzbalken den so wunderbaren Kneipenduft von mehr als einem Jahrhundert: Die Gaststätte Brenner ist eine Rüttenscheider Institution, die sich in den 37 Jahren ihres Bestehens immer treu geblieben ist.

Daran geändert hat auch der Generationenwechsel im vergangenen Jahr nichts. Alexander und Daniel Bischoff übernahmen die Gastwirtschaft von ihren Eltern Franz und Marita im Januar 2010. Für Alexander Bischoff ein Schritt, den er bis heute nie bereut hat. Die vergangenen zwölf Jahre war der 33-Jährige, der im Essener Sheraton-Hotel das Kochen lernte, ein Weltenbummler sondergleichen: Von Sylt und Norwegen über die Arktis und Argentinien bis nach New York hat er in fast allen Ländern dieser Welt schon am Herd gestanden. „Ich war als Koch auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs“, erklärt Bischoff. Im Privatclub von Multimilliardär Donald Trump bereitete Bischoff schon Leckereien für die Schönen und Reichen vor.

Und dennoch: „Wenn ich während meiner Reisen auf Heimaturlaub war, wusste ich schon bei der Landung in Düsseldorf ganz genau, wer um 17.30 Uhr bei uns an der Theke sitzt“, sagt Bischoff. Ein Gefühl, das ihn letztlich mit Bruder Daniel dazu motivierte, den Familienbetrieb fortzuführen. Schließlich wuchs er gemeinsam mit seinen zwei Brüdern quasi hinter der Theke auf. „Für unsere ersten eigenen Anschaffungen wie eine Jeans mussten wir damals mit anpacken“, erinnert sich Alexander Bischoff.

„Hier ist man Beichtvater und Bundestrainer zugleich“

Das Haus blickt auf eine lange Gaststätten-Tradition zurück: Die erste Konzession erhielt Anton Brenner im Jahr 1906. Der alte Eichenfußboden, den der Namensgeber damals verlegte, ist heute noch erhalten. 1978 übernahmen die Bischoffs das Haus, nachdem sie zuvor in Werden das Kastell geführt hatten. Das große Sterben der „Vatter“-Kneipen, der Trend zu stilvollen Lounges und extravaganter Küche - all das konnte dem Brenner nichts anhaben. Viele Gäste aus der Anfangszeit sind dem Kneipen-Restaurant treu geblieben.

Das ist auch Franz Bischoff zu verdanken, der für seine Gäste immer ein offenes Ohr hat: „Anekdoten könnte ich Hunderte erzählen. Hier ist man Beichtvater und Bundestrainer zugleich“, sagt der Wirt, der an Ruhestand nicht denken mag. In der Küche steht er häufig gemeinsam mit Sohn Alexander. „Wir können viel voneinander lernen und ich kann meine Kreativität ausleben“, sagt Alexander Bischoff. Auf der Speisekarte stehen deftige Gerichte wie Sauerbraten doch auch experimentelle Gerichte, etwa die berühmten Spinatbällchen. Aus gutem Grund: „Der Trend geht wieder zur deutschen Küche. Wir haben auch viele jüngere Gäste, die eine gut gemachte Roulade zu schätzen wissen“, sagt Bischoff.

Noch wenige Wochen, dann ist es für ein paar Tage mit der Gemütlichkeit am Tresen vorbei - von Weiberfastnacht bis Rosenmontag ist ein Besuch im Brenner schließlich Pflicht. „Ich bin zwar keine rheinische Frohnatur. Aber Kölscher Karneval mit Musik von den Höhnern und Bläck Fööss gehören zum Brenner dazu wie das Fischessen an Aschermittwoch“, sagt Franz Bischoff. An guten Traditionen muss man schließlich festhalten.

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