Großdemo

Demo mit 1500 Menschen in Essen: „Der Pott bleibt unteilbar“

Max Adelmann, Nadine Fuhrmann, Dieter Hillebrand, Sabrina Harper, Christian Baumann und Oliver Kern (v.l.) stellten das Programm der Demo „Der Pott ist unteilbar!“

Max Adelmann, Nadine Fuhrmann, Dieter Hillebrand, Sabrina Harper, Christian Baumann und Oliver Kern (v.l.) stellten das Programm der Demo „Der Pott ist unteilbar!“

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  In Steele und Katernberg sollen Zeichen gegen Rechts und die Spaltung der Gesellschaft gesetzt werden. Polizei rechnet mit Verkehrsbehinderungen.

Sensationelle 6000 Menschen wie bei dem „Wir-sind_mehr“-Spektakel vor genau einem Jahr werden es kaum werden, wenn das Bündnis „Essen stellt sich quer“ (Essq) zusammen mit seinen mittlerweile 24 Mitgliedsorganisationen am Samstag zur mehrstündigen Großdemo gegen Rechts im Essener Stadtteil Steele ruft. Aber so zuversichtlich, dass sie mindestens 1000 Teilnehmer mobilisieren können, die sich ab 16.30 Uhr auf dem Grendplatz im Heimatstadtteil der „Steeler Jungs“ treffen sollen, sind die Organisatoren des bunten Protests gegen braune Misstöne dann doch. Das Wetter zumindest dürfte ihnen keinen Strich durch die Rechnung machen. Sonne satt ist angesagt, wenn es ab 16.30 Uhr heißt: „Der Pott bleibt unteilbar!“

Und im Norden der Stadt deutet sich derweil zusätzlich irdische Unterstützung an: Die Macherinnen des „Feminist Future Festivals“ am Wochenende auf Zollverein haben spontan ihre Solidarität erklärt und wollen zeitgleich eine Kundgebung auf der Ückendorfer Straße/Ecke Gelsenkirchener Straße abhalten. „Also werden am Samstag voraussichtlich 1500 Menschen im gesamten Stadtgebiet auf die Straße gehen“, sagte Christian Baumann, stellvertretender „Essq“-Sprecher, am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms gegen einen allgemeinen Rechtstrend, dessen Gedankengut kein exklusives Steelenser Problem, sondern eins von ganz Essen sei.

Noch ist nicht klar, welchen Weg die Demonstranten nehmen dürfe

Noch ist nicht ganz klar ist, welchen Weg die Demonstranten im Essener Südosten einschlagen dürfen: Auch wenn sich ihr Protest nicht allein gegen die rechte Bürgerwehr-Truppe „Steeler Jungs“, sondern auch gegen andere so umtriebige wie selbst ernannte Retter des Abendlands richtet, die die Gesellschaft zusehends spalten, wären sie nur zu gern am stadtteilbekannten Szenetreff „Sportsbar 300“ vorbeigezogen. Diese Idee gefiel der Polizei so gut nicht, da sie aus Sicherheitsgründen lieber für Abstand zwischen den Gruppen sorgen möchte, die sich nachweislich nicht grün sind. Die „Steeler Jungs“, heißt es, haben ihrerseits zwar keine Gegenproteste angemeldet. Dass sie sich das Spektakel jedoch von ihrem bevorzugten Treff aus anschauen, sei aber kaum auszuschließen.

Also verordnete die Polizei den Demonstranten einen alternativen Weg, gegen den die Anmelder aber vor das Verwaltungsgericht zogen. Eine Entscheidung in Gelsenkirchen stehe noch aus, sagte Baumann. Das Programm auf dem Grendplatz und drumherum indes steht fest: Nach einem ersten Umzug durch die Gemeinde sind ein paar Reden geplant, und drei Bands wollen das Ganze dann auflockern.

Drei Organisationen sind dem Bündnis „Essen stellt sich quer“ neu beigetreten

Kurz vor der Großdemo kann sich das Bündnis „Essen stellt sich quer“ über Zuwachs freuen: Neu mit dabei sind jetzt die Grüne Jugend Essen, der Jugendverband „Rebell“, das Awo-Jugendwerk und die Essener Arbeiterwohlfahrt, dessen Geschäftsführer und SPD-Oberbürgermeisterkandidat Oliver Kern, wie auch DGB-Geschäftsführer Dieter Hillebrand deutlich machten, wofür sie stehen: „Für mich ist die Gesellschaft unteilbar“, sagte Kern in die Richtung derer, die bewusst Ängste schüren, um Unfrieden zu stiften. Man wolle gemeinsam ein Zeichen setzen, betonte Hillebrand, nicht nur gegen die Steeler Jungs, sondern gegen die Rechtsorientierung in der Gesellschaft. Die Veranstaltung „Der Pott bleibt unteilbar“ verstehe sich nicht als ein „Linksaußen gegen Rechtsaußen“, sondern als ein breites Bündnis mit vielen Vertretern aus der Mitte der Gesellschaft.

Die Polizei betonte, die zu erwartenden Verkehrsbehinderungen durch die Demonstration auf den Hauptstraßen in Steele, auf ein Mindestmaß beschränken zu wollen. Dennoch werden ab den Mittagstunden einige Straßenabschnitte gesperrt. Davon betroffen sind die Westfalenstraße zwischen Joseph-Boismard-Weg und der Paßstraße; die Paßstraße zwischen Albertine-Badenberg-Weg und Grendtor als auch Grendtor zwischen Paßstraße und Grendplatz. Zudem wird der Dreiringplatz nach dem Wochenmarkt weiterhin für den Fahrzeugverkehr gesperrt bleiben.

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